Siemens hat für das dritte Quartal 2026 kräftige Zuwächse bei allen wichtigen Kennziffern gemeldet und daraufhin die Prognose angehoben. Der Auftragseingang stieg auf 27,9 Milliarden Euro, ein Plus von 14 Prozent, der Umsatz kletterte auf 20,8 Milliarden Euro. Das industrielle Ergebnis legte um 25 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zu, unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 2,6 Milliarden Euro, ein Anstieg von 15 Prozent.
Auf Basis dieser Entwicklung erhöhte der Konzern die Prognose für das Ergebnis je Aktie vor Kaufpreisallokation auf eine Spanne von 11,20 bis 11,50 Euro. Für ein Industrieunternehmen dieser Größenordnung ist das ein deutliches Signal operativer Stärke, das die zuletzt schwächelnde Kursentwicklung in einen anderen Kontext rückt.
Kurs bleibt trotz guter Zahlen unter Druck
Trotz der positiven Geschäftszahlen zeigte sich die Aktie zuletzt schwach. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 271,45 Euro, nach einem Rückgang von 6,1 Prozent auf Wochensicht. Das operative Bild und die Kursbewegung laufen damit auseinander – ein Muster, das Anleger in den vergangenen Wochen bereits mehrfach bei Siemens beobachten konnten, etwa nach der Meldung zu den Rekordaufträgen selbst, die trotz starker Zahlen von Kursverlusten begleitet wurde.
Ein Grund für die Zurückhaltung könnte in der allgemeinen Marktnervosität gegenüber Industriewerten liegen, ein anderer in Gewinnmitnahmen nach der starken Entwicklung der vergangenen zwölf Monate. Das Unternehmen selbst hat mit den jüngsten Zahlen jedenfalls keinen Anlass für Skepsis geliefert – im Gegenteil, die Anhebung der Gewinnprognose signalisiert Zuversicht des Managements für die kommenden Quartale.
Bernstein bestätigt hohes Kursziel
Bernstein Research bestätigte am 3. September die Einstufung „Outperform“ für Siemens und beließ das Kursziel bei 330 Euro. Gemessen am Schlusskurs von 271,45 Euro würde das erhebliches Aufwärtspotenzial implizieren, sollte sich die Einschätzung des Analysehauses bestätigen.
Busch fordert schnellere KI-Regulierung von der EU
Neben den Geschäftszahlen sorgte auch eine politische Wortmeldung von Siemens-CEO Roland Busch für Aufmerksamkeit. Busch forderte von der EU ein schnelleres Vorgehen bei der Zulassung neuer KI-Technologien und warnte vor zu strenger Regulierung. Die Aussagen wurden in der Marktberichterstattung breit aufgegriffen, ohne dass daraus ein eigenständiger, kursrelevanter Unternehmensanlass erwuchs.
Für Anleger bleibt damit die operative Entwicklung der entscheidende Faktor: Siemens liefert mit den Quartalszahlen und der angehobenen Prognose handfeste Argumente, während die Aktie selbst charttechnisch angeschlagen wirkt.
Mit einem RSI von 41,5 und einem Abstand von 6,9 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus dem August zeigt sich der Titel in einer Konsolidierungsphase, die angesichts der fundamentalen Stärke des Geschäfts eher technischer als geschäftlicher Natur sein dürfte.
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