Siemens nutzt derzeit gleich mehrere Hebel, um Wert für Aktionäre zu schaffen und künftiges Wachstum zu sichern: Ein laufendes Aktienrückkaufprogramm, eine gezielte Partnerschaft im europäischen Hochgeschwindigkeitsmarkt und der Ausbau von Industrial AI als Kerntechnologie. Spannend ist vor allem, wie konsequent der Konzern Kapitalrückführung und Investitionen in neue Geschäftsfelder kombiniert.
Aktienrückkauf stützt den Wert je Aktie
Siemens hat am 26. Januar 2026 den 102. Zwischenbericht zum laufenden Aktienrückkauf veröffentlicht. In der Woche vom 19. bis 25. Januar 2026 erwarb der Konzern über Xetra 248.687 eigene Aktien. Seit dem Start des Programms am 12. Februar 2024 summiert sich das Rückkaufvolumen auf 20.805.131 Aktien.
Gekauft wurde zuletzt in einer Preisspanne von rund 253 bis 258 Euro je Anteilsschein. Damit liegt der Rückkaufbereich nahe am aktuellen Kursniveau: Heute notiert die Aktie bei rund 253,30 Euro und damit leicht unter dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von knapp 7 Prozent zu Buche, im Zwölfmonatsvergleich ein Zuwachs von gut 26 Prozent.
Durch den kontinuierlichen Rückkauf sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien. Das steigert rechnerisch den Gewinn je Aktie und kann die Kursentwicklung unterstützen. Dass der Titel derzeit rund 9 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt liegt, unterstreicht den mittelfristig positiven Trend, auch wenn der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von etwa 12 Prozent zeigt, dass nach der starken Rally bereits ein Teil der Fantasie eingepreist ist.
Hochgeschwindigkeitszüge: Offensive in Polen
Parallel zu den Kapitalmaßnahmen schärft Siemens seine Präsenz im europäischen Bahnmarkt. Siemens Mobility und der polnische Schienenfahrzeughersteller Newag haben am 27. Januar 2026 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist die gemeinsame Entwicklung moderner Bahntechnologien für den polnischen Markt, mit besonderem Fokus auf Hochgeschwindigkeitszüge.
Im Zentrum steht eine laufende Ausschreibung von PKP Intercity. Der polnische Bahnbetreiber hatte Ende Dezember 2025 einen Tender für 20 Hochgeschwindigkeitszüge mit Option auf weitere 35 Einheiten gestartet. Die geplanten Züge sollen Geschwindigkeiten von bis zu 320 km/h erreichen. Die Kooperation mit Newag ist darauf ausgerichtet, sich für dieses Projekt möglichst stark zu positionieren.
Laut Michael Peter, CEO von Siemens Mobility, soll die erweiterte Zusammenarbeit eine solide Grundlage für künftige Projekte auf dem polnischen Bahnmarkt schaffen. Siemens und Newag arbeiten bereits seit fast 15 Jahren zusammen, unter anderem bei Metro-Zügen für Warschau und Sofia sowie bei Traktionssystemen und ETCS-Bordausrüstung. Die neue Vereinbarung knüpft somit an eine gewachsene Industriepartnerschaft an.
Dividende und Zahlen: Februar als wichtiger Terminblock
Für Aktionäre wird der Februar zum zentrierenden Monat: Siemens hat eine Dividende von 5,35 Euro je Aktie angekündigt. Der Ex-Dividenden-Tag ist der 13. Februar 2026, am selben Tag findet die Hauptversammlung statt. Bereits am 12. Februar legt der Konzern die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor.
Mit einer Dividendenrendite von gut 2 Prozent (auf Basis des aktuellen Kurses) verbindet Siemens Ausschüttung und laufendes Rückkaufprogramm zu einem kombinierten Rückfluss an die Anteilseigner. Zusammen mit einer Marktkapitalisierung von rund 199 Milliarden Euro und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26,7 signalisiert das eine Bewertung, die solide Wachstumserwartungen widerspiegelt.
Charttechnisch bewegt sich der Titel mit einem Kurs von etwa 253 Euro komfortabel über dem 50-Tage-Durchschnitt von knapp 245 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von rund 232 Euro. Der 14-Tage-RSI von 48,7 deutet auf eine ausgeglichene Lage ohne akute Überhitzung hin, trotz einer hohen annualisierten 30-Tage-Volatilität von gut 79 Prozent.
Industrial AI als nächste Wachstumsstufe
Strategisch setzt Siemens zunehmend auf Industrial AI. Mitte Januar stellte der Konzern auf der CES 2026 eine erweiterte Partnerschaft mit NVIDIA vor. Kern dieser Zusammenarbeit ist die Entwicklung eines „Industrial AI Operating System“, das industrielle Prozesse umfassend digitalisieren und automatisieren soll.
Ein Leuchtturmprojekt soll die Elektronikfabrik in Erlangen werden. Sie soll 2026 als erste vollständig KI-gesteuerte, adaptive Fertigungsstätte weltweit fungieren. Damit verknüpft Siemens sein klassisches Industriegeschäft mit modernsten Software- und KI-Lösungen – ein Ansatz, den CEO Roland Busch als zentrale Wachstumssäule definiert. In seinen Worten ist industrielle KI „keine Funktion mehr“, sondern eine Kraft, die das nächste Jahrhundert prägen wird.
Der Fokus auf Industrial AI ergänzt das bestehende Portfolio aus Digitalisierung, Automatisierung und Mobilität. Für den Kapitalmarkt entsteht damit ein Bild aus strukturierter Kapitalrückführung, gezielten Industriepartnerschaften wie mit Newag und langfristigen Technologieinitiativen mit NVIDIA.
Mehrere Hebel gleichzeitig
Die aktuelle Gemengelage bei Siemens ist klar:
– Das laufende Rückkaufprogramm reduziert die Aktienzahl und stützt den Wert je Anteil.
– Die Kooperation mit Newag zielt auf ein konkretes Großprojekt im Hochgeschwindigkeitssegment und stärkt die Position im polnischen Bahnmarkt.
– Die anstehenden Q1-Zahlen und die Hauptversammlung Mitte Februar bilden den nächsten Prüfstein für die operative Entwicklung und die Dividendenpolitik.
– Parallel treibt der Konzern mit Industrial AI und der NVIDIA-Partnerschaft ein Zukunftsthema voran, das über 2026 hinaus Wachstumspotenzial erschließen soll.
Für die weitere Kursentwicklung werden damit vor allem zwei Faktoren entscheidend sein: die konkrete operative Untermauerung der Wachstumsstory in den Februar-Zahlen und die Frage, in welchem Umfang Siemens seine Technologieinitiativen im Bereich Industrial AI in Umsatz- und Ergebnisbeiträge übersetzen kann.
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