Siemens hat auf der Hannover Messe 2026 klargemacht, wohin die Reise geht. Industrial Edge ist kein Nischenprodukt mehr. Die Plattform soll zur zentralen Infrastruktur für industrielle KI werden, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Die Industrial AI Suite ist ab sofort allgemein verfügbar. Sie vereinfacht den gesamten KI-Lebenszyklus, von der Modellentwicklung über das Training bis zur Skalierung über mehrere Standorte hinweg. Predictive Maintenance, visuelle Qualitätskontrolle, Nachtraining mit kombinierten Bild- und Produktionsdaten aus MES-Systemen: Das klingt nach dem, was Industrieunternehmen seit Jahren fordern.
„Siemens Industrial Edge entwickelt sich zu einer umfassenden Plattform, die KI, Sicherheit und Ökosystem-Innovation vereint“, sagt Dr. Horst J. Kayser, CEO Factory Automation bei Siemens Digital Industries. Größere operative Flexibilität, vereinfachte IT/OT-Integration, zertifizierte Sicherheit. Alles aus einer Hand. Das ist die Ansage.
Sicherheit für kritische Infrastrukturen — aber noch nicht ganz
Interessant ist, was Siemens beim Thema Cybersicherheit ankündigt. IEC 62443-4-2-zertifizierte Sicherheitsfunktionen, inklusive sogenanntem Air-Gapped-Betrieb, bei dem Systeme physisch vom externen Netz getrennt sind, sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 verfügbar sein. Noch nicht da, also. Immerhin hat das Prüfinstitut UL Solutions Industrial Edge und die virtuelle SPS bereits jetzt mit der „Smart Systems Verified Platinum“-Zertifizierung ausgezeichnet, in sechs Kategorien von Konnektivität bis Cybersicherheit.
Industrial Edge Management 2.0 kommt dazu mit einer überarbeiteten Benutzeroberfläche und unterstützt nun weitere Hypervisoren wie OpenShift und Hyper-V. Das macht die Plattform flexibler für bestehende IT-Infrastrukturen, was in der Praxis oft der entscheidende Punkt ist.
Dezentral, energieeffizient, ARM-fähig
Der Industrial Information Hub wurde grundlegend erweitert. Bidirektionaler Datenfluss zwischen Edge-Geräten und zentralen IT-Systemen ist nun möglich. Neu ist auch die Unterstützung von ARM-basierten Geräten wie dem SIMATIC IOT2050, das im Batteriebetrieb laufen kann. LTE-basierte Vernetzung ist für eine künftige Version geplant. Das öffnet Industrial Edge für Anwendungen in Logistik, Wasser- und Abfallwirtschaft oder bei erneuerbaren Energien, also genau dort, wo keine permanente Stromversorgung vorhanden ist.
Wachsendes Partnernetzwerk
Auf der Partnerseite kommen 36Zero Vision, MVTec und Basler für Machine Vision und Qualitätsprüfung hinzu. OnLogic stößt ebenfalls dazu und bringt robuste Industrie-PCs für anspruchsvolle Umgebungen wie Öl und Gas oder abgelegene Standorte in das Ökosystem. Siemens baut hier demnach konsequent auf externe Kompetenz, statt alles selbst entwickeln zu wollen. Das ist klug.
In Zahlen: Siemens Digital Industries beschäftigt weltweit rund 70.000 Menschen. Der Siemens-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 78,9 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 10,4 Milliarden Euro. Industrial Edge ist ein Teil davon, aber ein Teil, auf den Siemens sichtbar setzt.
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