Siemens setzt seine Expansion im Geschäft mit Rechenzentrumsinfrastruktur fort. Der Konzern investiert mehr als 200 Millionen US-Dollar in zwei neue Werke in Pendergrass im US-Bundesstaat Georgia und in Grand Prairie in Texas. Rund 1.500 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, wie Siemens mitteilte.
Die Investition fällt in eine Phase, in der das Rechenzentrumsgeschäft zum Wachstumstreiber des Konzerns geworden ist: Nach Angaben des Unternehmens verdoppelten sich die Bestellungen in diesem Segment in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 auf 6 Milliarden Euro, wie das Handelsblatt berichtete.
Die Ausbaupläne in den USA fügen sich in eine Wachstumsstory ein, die Siemens im Sommer mit Rekordzahlen untermauert hatte. Der Auftragseingang war im dritten Geschäftsquartal um 14 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro gestiegen, der Konzern hatte daraufhin seine Gewinnprognose angehoben.
Seither hat sich der Fokus der Anleger jedoch verschoben: Die Aktie notiert aktuell bei 271,05 Euro und damit rund 7 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 291,55 Euro, das Ende August markiert wurde. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Kursrückgang von 5,2 Prozent zu Buche, ein Zeichen dafür, dass die Rekordzahlen vom August die Kursentwicklung nicht dauerhaft stützen konnten.
Healthineers-Abspaltung nimmt Formen an
Neben dem Ausbau des US-Geschäfts kommt Bewegung in ein anderes Großprojekt: die Abspaltung von Siemens Healthineers. Die steuerliche Klärung mit den zuständigen Behörden ist abgeschlossen, wie Finanzvorständin Veronika Bienert bestätigte. Die Aktionärsabstimmung über die Transaktion ist für die Hauptversammlung 2027 vorgesehen, weitere Details will der Konzern im November zusammen mit den Jahresergebnissen vorlegen.
Parallel zieht Siemens seine Präsenz in der Governance von Healthineers zurück. Vorstandschef Roland Busch kündigte an, die Zahl der Aufsichtsratsmandate von Siemens-Vorständen bei der Medizintechniktochter von drei auf eins zu reduzieren.
Busch selbst und Bienert legen ihre Mandate nieder. Der Schritt unterstreicht, dass sich Siemens organisatorisch bereits auf eine eigenständigere Zukunft von Healthineers vorbereitet, noch bevor die Aktionäre formal darüber abgestimmt haben.
Wachstumsfelder abseits der Kernsparten
Auch im operativen Geschäft zeigt sich Siemens auf mehreren Feldern aktiv. In der Mobilitätssparte hat das Unternehmen jüngst eine 28 Kilometer lange Leichtbahnstrecke in Kopenhagen ausgestattet, für die 29 Fahrzeuge vom Typ Avenio zum Einsatz kommen; die Betreiber rechnen mit 14 Millionen Fahrgästen pro Jahr.
In Chile modernisiert Siemens Mobility zudem das Ticketing- und Reservierungssystem des Bahnbetreibers EFE Trenes mit einer eigenen Softwareplattform.
Für die Kursentwicklung dürfte jedoch das Zusammenspiel aus Wachstumsinvestitionen und der laufenden Neuordnung des Konzerns entscheidender sein als einzelne Auftragsmeldungen. Mit einem Abstand von 7,2 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt bleibt der mittelfristige Aufwärtstrend intakt, während der RSI von 41 auf eine eher verhaltene kurzfristige Stimmung hindeutet.
Die parallele Beschleunigung im Rechenzentrumsgeschäft und die konkreten Schritte zur Healthineers-Trennung liefern Anlegern zwei Fixpunkte, an denen sich die weitere Entwicklung des Konzerns in den kommenden Monaten messen lassen wird.
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