Siemens hat Anfang August seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben – gestützt auf ein außergewöhnlich starkes drittes Quartal. Der Konzern erwartet nun ein Ergebnis je Aktie vor Kaufpreisallokation zwischen 11,20 und 11,50 Euro, nachdem zuvor eine Spanne von 10,70 bis 11,10 Euro galt.
Grundlage der Anhebung ist ein Auftragseingang von 27,9 Milliarden Euro im dritten Quartal, ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um 8 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro zu. Besonders bemerkenswert: Das Verhältnis von neuen Aufträgen zu Umsatz, das sogenannte Book-to-Bill, lag bei 1,34 – ein Wert, der auf anhaltend hohe Nachfrage über die kommenden Quartale hindeutet.
Smart Infrastructure treibt die Anhebung
Wesentlicher Treiber der verbesserten Aussichten ist die Sparte Smart Infrastructure. Siemens erhöhte deren Wachstumsprognose für das Geschäftsjahr auf 10 bis 11 Prozent, die Margenerwartung auf 18,5 bis 19,5 Prozent – jeweils oberhalb der bisherigen Zielkorridore von 8 bis 10 Prozent respektive 18 bis 19 Prozent. Die Sparte profitiert von der starken Nachfrage rund um Elektrifizierung und Rechenzentrums-Infrastruktur.
Die übrigen Segmente bestätigten ihre bisherigen Ziele. Digital Industries soll weiterhin 7 bis 10 Prozent wachsen bei einer Marge von 17 bis 19 Prozent, Mobility peilt 5 bis 7 Prozent Wachstum bei 8 bis 10 Prozent Marge an.
Strategische Zukäufe ergänzen das Kerngeschäft
Parallel zur operativen Stärke baute Siemens im Juli sein Portfolio im Bereich Chip-Design weiter aus. Die Sparte Siemens EDA übernahm das französische Unternehmen Defacto Technologies, spezialisiert auf automatisiertes Chip-Design, sowie den US-Anbieter Precision Innovations, der KI-gestützte Chip-Planung auf Basis des OpenROAD-Frameworks entwickelt. Das Closing der zweiten Transaktion wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.
Daneben vereinbarte Siemens eine strategische Partnerschaft mit dem schwedisch-britischen Unternehmen IFS zur Verknüpfung des Siemens Digital Twin mit Asset-Management-Software sowie eine Beteiligung von rund 50 Millionen US-Dollar am US-Fertigungsnetzwerk Xometry, das Zugriff auf mehr als 5.000 Fertigungspartner weltweit bietet.
Kapitalrückführung und Führungswechsel
Im Mai kündigte Siemens ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 6 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren an, das zum 1. Juli startete. Auf der Führungsebene übernahm zum 1. April Veronika Bienert die Position der Finanzvorständin von Ralf P. Thomas, im Juli wechselte zudem die Leitung der Sparte Smart Infrastructure von Matthias Rebellius zu Peter Koerte.
Kursbild spiegelt breitere Marktschwäche
An der Börse zeigt sich das Papier trotz der positiven operativen Nachrichten zuletzt schwächer. Die Aktie notiert aktuell bei 260,15 Euro und liegt damit rund 11 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 291,55 Euro, das Ende August erreicht wurde.
Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier 7,6 Prozent verloren, was auf eine allgemeine Konsolidierung nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Monate hindeutet. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 8,8 Prozent zu Buche.
Substanzielle neue Unternehmensmeldungen aus den vergangenen Tagen liegen nicht vor – die Guidance-Anhebung vom August bleibt der jüngste kursrelevante Impuls für den Industriekonzern.
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