Bernstein Research sieht bei Siemens noch deutliches Potenzial nach oben. Die Analysten hoben ihr Kursziel für die Aktie am Donnerstag von 300 auf 330 Euro an und bestätigten die Einstufung „Outperform“. Analyst Alasdair Leslie begründet die Anhebung mit einer Nachfrage nach Rechenzentrums-Technik, die die Erwartungen übertreffe.
Der Auftragsbestand des Konzerns steige, zugleich verbessere sich die Relation zwischen Preisen und Kosten – ein Faktor, der die Margen stützen dürfte. Für das zweite Halbjahr 2026 zeigt sich Leslie entsprechend optimistisch. Siemens führt bei Bernstein die Liste der Top Picks an, vor Schneider Electric, Siemens Energy, Atlas Copco und Rexel. Der französische Kabelhersteller Prysmian wurde dagegen auf „Market Perform“ abgestuft.
Rechenzentren als gemeinsamer Wachstumstreiber
Die Kurszielanhebung für Siemens fällt nicht isoliert aus. Am selben Tag erhöhte Bernstein auch das Kursziel für Schneider Electric von 330 auf 350 Euro, mit identischer Begründung: starke Nachfrage aus dem Rechenzentrumsgeschäft, wachsender Auftragsbestand, günstigere Kostenstruktur.
Beide Unternehmen profitieren damit von derselben strukturellen Entwicklung – dem massiven Ausbau von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz, der weltweit Investitionen in Energieversorgung, Kühlung und Automatisierungstechnik nach sich zieht.
Diese Einordnung passt zum aktuellen Kursverlauf: Die Siemens-Aktie zeigte sich am Donnerstagvormittag freundlich und notiert mit 284,40 Euro rund 1,0 Prozent über dem Vortagesschluss von 281,60 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 4,0 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 19 Prozent verteuert.
Deutsche Energiewende als Hintergrundthema
Während Bernstein die Rechenzentrums-Nachfrage als Kurstreiber für Siemens hervorhebt, sorgt in Deutschland der Streit um den Netzausbau für Diskussionsstoff. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will das Tempo beim Ausbau bremsen, während Teile der Wirtschaft vor Fehlern warnen.
Eine Studie von Hitachi, erstellt mit Fraunhofer ISE, Fichtner und EY-Parthenon, prognostiziert für 2045 eine Endstromnachfrage von 895 bis 1.016 Terawattstunden – gegenüber 487 Terawattstunden im Jahr 2025. Reiche rechnet für 2030 dagegen nur mit 600 bis 620 Terawattstunden.
Die Kosten für den Netzausbau sind bereits gestiegen: von 324 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 440 Milliarden Euro im Juli 2025. Für Siemens als Anbieter von Automatisierungs- und Elektrifizierungstechnik ist diese Debatte relevant, weil sie die langfristige Investitionsdynamik in Netze und Energieinfrastruktur mitbestimmt – ein Feld, das neben der reinen Rechenzentrumsnachfrage zum Wachstumsprofil des Konzerns beiträgt.
Bewertung nähert sich dem Rekordhoch
Mit dem aktuellen Kursniveau bewegt sich die Siemens-Aktie nur noch 2,4 Prozent unterhalb ihres 52-Wochen-Hochs von 291,25 Euro, das Anfang August markiert wurde. Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt bei 218,11 Milliarden Euro.
Die Kombination aus angehobenem Kursziel, robustem Branchenumfeld und der Nähe zum Jahreshoch signalisiert, dass Analysten den strukturellen Rückenwind aus dem Rechenzentrums- und Infrastrukturgeschäft noch nicht ausgereizt sehen.
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