Siemens liefert operative Stärke, aber der Markt schaut auf eine offene Flanke: China. Ausgerechnet im wichtigen Automatisierungsgeschäft mehren sich Zweifel, ob westliche Anbieter dort weiter Boden gutmachen können. Parallel dazu bleibt die KI-Story stark genug, um die Bewertung zu stützen.
Die Aktie kommt aus einer kräftigen Aufwärtsbewegung. Am Mittwoch schloss sie bei 264,80 Euro, nur knapp unter dem Hoch bei 272,20 Euro; der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 236,30 Euro. Das zeigt: Der Markt preist bereits einiges an Optimismus ein.
Barclays drückt auf die Bremse
Barclays sieht genau hier das Problem. Analyst Timothy Lee stufte Siemens auf „Underweight“ ab und setzte das Kursziel auf 230 Euro. Seine Begründung: Im chinesischen Automatisierungsmarkt lasse die Dynamik nach, während lokale Anbieter stärker werden.
Das trifft einen sensiblen Punkt. China ist für Digital Industries seit Jahren ein zentraler Wachstumsmarkt. Wenn heimische Wettbewerber dort Marktanteile verteidigen oder ausbauen, kann das die Erwartungen an Margen und Wachstum dämpfen. Kein Wunder, dass kritische Stimmen gerade nach der starken Kursphase stärker auffallen.
Operativ bleibt Siemens solide
Die jüngsten Zahlen geben der Gegenseite allerdings Munition. Im abgelaufenen Quartal stieg der Auftragseingang währungsbereinigt um 18 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Der Umsatz legte vergleichbar um 6 Prozent zu.
Wichtiger als das reine Wachstum ist die Qualität der Ergebnisse. Siemens hält an seinen Jahreszielen fest und zeigt damit, dass der Vorstand die regionalen Risiken bislang für beherrschbar hält.
Das industrielle Ergebnis erreichte 3 Milliarden Euro, die operative Marge lag bei 15,4 Prozent. Auch der freie Mittelzufluss blieb robust. Hinzu kommt ein angekündigtes Aktienrückkaufprogramm von bis zu 6 Milliarden Euro.
KI bleibt der Bewertungstreiber
Der stärkste Gegenspieler zur China-Sorge ist die Fantasie rund um industrielle KI. Bernstein Research sieht Siemens als Profiteur sogenannter physischer KI, also der Verbindung von Software, Daten und realen Maschinen. Die installierte Basis von rund 45 Millionen Industriegeräten ist dabei ein strategischer Vorteil.
Der Konzern hat bereits mehr als 150 KI-Produkte eingeführt. Für den Bereich ist über drei Jahre ein Investitionsbudget von einer Milliarde Euro vorgesehen. Partnerschaften mit Nvidia und Microsoft sollen die Umsetzung beschleunigen.
Bernstein bleibt deshalb beim Kursziel von 300 Euro und verweist auf einen Bewertungsabschlag von etwa 20 Prozent gegenüber vergleichbaren Unternehmen. Damit prallen zwei Sichtweisen aufeinander: kurzfristiger Druck in China gegen langfristiges KI-Potenzial in der Industrie.
Für das Gesamtjahr rechnen Analysten im Konsens mit einem Gewinn je Aktie von 10,93 Euro und einer Dividende von 5,65 Euro. Am 6. August folgen die Zahlen zum dritten Quartal. Bis dahin dürften vor allem China, US-Zölle und die geplante vollständige Abspaltung von Siemens Healthineers im Februar 2027 bestimmen, ob der Markt den KI-Aufschlag weiter trägt.
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