Siemens Aktie: Auftrag glänzt, Chart zweifelt

Siemens Mobility erhält 3,6-Milliarden-Auftrag von Italo, während der Aktienkurs charttechnische Schwäche zeigt.

Auf einen Blick:
  • Italo bestellt 26 Hochgeschwindigkeitszüge
  • Auftragsvolumen von 3,6 Milliarden Euro
  • Aktie fällt unter 50-Tage-Linie
  • Charttechnik signalisiert mögliche Trendwende

Ein Milliardenauftrag aus Italien und ein wackelndes Chartbild — bei Siemens driften Geschäftserfolg und Kursverlauf gerade auseinander. Der italienische Bahnkonzern Italo hat am Montag einen Großauftrag bei Siemens Mobility platziert. Die Aktie selbst kämpft dagegen mit einer möglichen technischen Trendwende.

Italo macht Ernst mit dem Deutschland-Einstieg

Italo bestellt 26 Hochgeschwindigkeitszüge bei Siemens Mobility, dazu kommt ein Wartungsvertrag über 30 Jahre. Insgesamt investiert der italienische Anbieter 3,6 Milliarden Euro in seinen Markteintritt — enthalten sind auch die Kosten für rund 2.500 neue Mitarbeiter. Ab Frühjahr 2028 will Italo mit bis zu 56 täglichen Verbindungen der Deutschen Bahn im Fernverkehr Konkurrenz machen, zunächst auf den Strecken München-Frankfurt-Köln-Dortmund sowie München-Berlin-Hamburg.

Möglich wird der Angriff auf das ICE-Monopol durch eine Entscheidung der Bundesnetzagentur: Die Bahntochter DB InfraGo muss auf stark ausgelasteten Korridoren wie München und Frankfurt künftig mindestens ein Viertel der Kapazitäten an Wettbewerber abgeben. Neben Flix wird Italo damit zum zweiten ernstzunehmenden Konkurrenten der Deutschen Bahn.

Die Aktie hinkt der guten Nachricht hinterher

Trotz des Auftragssegens zeigt der Kurs Schwäche. Siemens markierte Ende Mai bei 280 Euro ein Allzeithoch, seitdem fehlt die Anschlussrallye. Zuletzt fiel die Aktie unter die 50-Tage-Linie bei rund 270 Euro, während der MACD-Indikator kurz vor einem Vorzeichenwechsel steht — ein klassisches Verkaufssignal. Der RSI befindet sich seit Mitte April in einem Abwärtstrend, obwohl der Kurs neue Hochs erklommen hatte. Diese Divergenz gilt charttechnisch als Warnsignal für eine mögliche Trendwende.

Fundamental bleibt Siemens mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 für 2026 ambitioniert bewertet — deutlich über dem langjährigen Mittel von 17,6. Sollte die Unterkante des seit Monaten intakten Aufwärtstrendkanals brechen, dürfte der Weg in Richtung 250 Euro führen, wo die 200-Tage-Linie als nächste Auffanglinie wartet.

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