Siemens treibt seine Digitalisierungs- und Industriestrategie mit mehreren Zukäufen und Kooperationen voran, während der Konzern gleichzeitig die geplante Abspaltung von Healthineers weiter vorbereitet. Die Aktie notierte am Freitag bei 271,45 Euro und damit 0,4 Prozent im Plus, bleibt aber mit einem Abstand von 6,9 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch.
Zukäufe stärken Software- und Energiesparte
Im dritten Geschäftsquartal hat die Siemens-Sparte EDA gleich zwei Firmen übernommen: Defacto Technologies aus Frankreich, spezialisiert auf Chip-Design-Automatisierung, sowie das US-Unternehmen Precision Innovations, das mit dem OpenROAD-Framework auf KI-gestützte Chip-Planung setzt.
Der Abschluss beider Transaktionen wird für das dritte Quartal erwartet. Ergänzend dazu ist Siemens Energy im Juni mit der Übernahme der nordirischen Camlin Group aktiv geworden, die auf Netzüberwachung und Digitalisierung von Energieanlagen spezialisiert ist und rund 650 Mitarbeiter beschäftigt.
Parallel dazu hat Siemens im selben Quartal mehrere strategische Partnerschaften geschlossen. Mit dem schwedisch-britischen Unternehmen IFS verknüpft der Konzern seine Digital-Twin-Technologie mit Asset-Management-Software für die Industrie.
Beim US-Anbieter Xometry ist Siemens zudem mit rund 50 Millionen US-Dollar eingestiegen und erhält dadurch Zugang zu einem Netzwerk von mehr als 5.000 Fertigungspartnern weltweit. Eine dritte Kooperation mit dem US-Unternehmen HighByte bindet dessen Intelligence Hub in den Siemens Industrial Edge Marketplace ein.
Mobility-Sparte expandiert international
Auch im Bahngeschäft zeigt sich Siemens Mobility aktiv. Ende August ging eine 28 Kilometer lange Straßenbahnlinie im Großraum Kopenhagen in Betrieb, ausgestattet mit 29 Avenio-Fahrzeugen.
Die Strecke verbindet acht Gemeinden und soll bis 2030 jährlich 14 Millionen Fahrgäste befördern. In Chile modernisiert Siemens Mobility zudem gemeinsam mit EFE Trenes de Chile den Ticketverkauf sowie die Reservierungs- und Bestandsverwaltung mithilfe der S3 Passenger Platform.
Personalie und Ausblick
Am 1. Juli übernahm Peter Koerte die Vorstandsverantwortung für die Sparte Smart Infrastructure von Matthias Rebellius. Die Neuordnung im Vorstand folgt auf den Wechsel im Finanzressort: Bereits zum 1. April hatte Veronika Bienert die Position der Chief Financial Officer von Ralf P. Thomas übernommen, der auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand ausgeschieden ist und dem Konzern bis Dezember als Berater erhalten bleibt.
Bei der für Februar 2027 geplanten Aktionärsabstimmung zur Healthineers-Abspaltung ist der Prozess nach der vor rund einem Monat abgeschlossenen steuerlichen Klärung weiter vorangeschritten.
Für Anleger bleibt der Investitionskurs des Konzerns bemerkenswert breit gefächert: Von Chip-Design-Software über Energieinfrastruktur bis zum öffentlichen Nahverkehr baut Siemens seine Marktposition parallel in mehreren Geschäftsfeldern aus, während die geplante Neuaufstellung des Konzerns mit der Healthineers-Trennung im Hintergrund weiterläuft.
Mit einer Marktkapitalisierung von 211,14 Milliarden Euro und einem Kursplus von 14 Prozent seit Jahresbeginn bleibt Siemens trotz der jüngsten Kursschwäche der vergangenen Wochen einer der schwergewichtigsten Werte im DAX.
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