Siemens hat im dritten Geschäftsquartal 2026 die bislang stärksten Werte seiner Historie vorgelegt. Der Auftragseingang kletterte um 14 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, ein Rekordwert. Der Auftragsbestand des Konzerns wuchs auf 132 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um 8 Prozent zu, mit besonders kräftigem Wachstum in Amerika (plus 11 Prozent), in der Region Asien-Australien (plus 10 Prozent) und in Indien (plus 13 Prozent).
Der Gewinn des Industriegeschäfts erreichte 3,5 Milliarden Euro bei einer Marge von 17,3 Prozent. Das Ergebnis je Aktie lag bei 3,14 Euro. Besonders auffällig entwickelte sich der freie Cashflow: Er stieg um 40 Prozent auf mehr als 4,1 Milliarden Euro und unterstreicht, dass Siemens sein Wachstum derzeit nicht nur auf dem Papier, sondern auch operativ in Bargeld ummünzt.
Smart Infrastructure als Wachstumsmotor
Treiber der Rekordzahlen ist vor allem die Sparte Smart Infrastructure. Dort schossen die Aufträge um 42 Prozent auf 8 Milliarden Euro nach oben, angeführt von einem Plus von 58 Prozent bei elektrischen Produkten und 55 Prozent im Bereich Elektrifizierung. Der Grund liegt im weltweiten Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz: Allein in den vergangenen neun Monaten sammelte Siemens in diesem Segment Aufträge im Volumen von rund 6 Milliarden Euro ein.
Auch die Mobility-Sparte trug zum starken Bild bei. Ihr Auftragsbestand erreichte 58 Milliarden Euro, gestützt unter anderem durch einen Großvertrag mit Italo über 3 Milliarden Euro. Die Bahnsparte bleibt damit ein verlässlicher Ergänzungspfeiler zum derzeit dominierenden Infrastrukturgeschäft.
Die Zahlen zeigen, wie stark sich der Konzern inzwischen als Zulieferer der KI-Infrastruktur positioniert hat. Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Stromversorgung, Kühlung und Elektrifizierungstechnik – exakt jene Produkte, mit denen Siemens über Smart Infrastructure seine höchsten Wachstumsraten erzielt.
Milliardeninvestition in neue Werke
Passend zur Nachfragedynamik erweitert Siemens seine Fertigungskapazitäten deutlich. Der Konzern investiert mehr als 200 Millionen US-Dollar in zwei US-Werke in Pendergrass, Georgia, und in Grand Prairie, Texas, um Infrastruktur für KI-Rechenzentren zu produzieren. Damit sollen mehr als 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen. Ergänzend hat Siemens im Juli bereits 300 Millionen Euro für ein Investitionsvorhaben in Deutschland angekündigt.
Diese Kapazitätsausweitung fällt in eine Phase, in der der deutsche Industriesektor insgesamt vorsichtig optimistische Signale sendet. Die deutschen Industrieaufträge stiegen im Juni überraschend kräftig um 3,1 Prozent zum Vormonat – deutlich mehr als die von Ökonomen erwarteten 0,3 Prozent. Getrieben wurde der Anstieg von Großaufträgen aus Maschinenbau und Elektrotechnik. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag dämpfte die Euphorie allerdings: Ohne Großaufträge habe das zweite Quartal stagniert, von einer echten Trendwende könne keine Rede sein. Auch die deutschen Exporte erreichten im Juni mit 139,3 Milliarden Euro einen Rekordwert, wobei die Ausfuhren in die USA um 14 Prozent einbrachen, während der Handel mit China gemischt verlief.
Kursreaktion und Bewertung
An der Börse kam das Rekordquartal gut an. Die Siemens-Aktie schloss am Freitag bei 280,60 Euro und legte im Tagesverlauf um 2,56 Prozent zu. Damit nähert sich das Papier wieder seinem 52-Wochen-Hoch von 291,25 Euro, von dem es aktuell nur noch 3,66 Prozent entfernt notiert. Der jüngste Kurssprung zeigt, dass Anleger die operative Stärke des Konzerns – insbesondere die Kombination aus Rekordaufträgen und deutlich verbessertem Cashflow – honorieren.
Für Siemens bestätigt das dritte Quartal den strategischen Kurs, sich als zentraler Ausrüster der globalen Rechenzentrums-Infrastruktur zu positionieren. Mit prall gefülltem Auftragsbuch, wachsenden Margen im Industriegeschäft und frisch angekündigten Werkserweiterungen in den USA und Deutschland untermauert der Konzern seinen Anspruch, vom KI-getriebenen Investitionsboom überdurchschnittlich zu profitieren. Die Herausforderung für die kommenden Quartale wird sein, das Rekordtempo bei Auftragseingang und Cashflow-Generierung auch angesichts eines insgesamt noch fragilen deutschen Industrieumfelds zu halten.
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