Siemens zieht die Konsequenzen aus seinem Rekordquartal – und krempelt gleichzeitig die eigene Führungsstruktur um. Konzernchef Roland Busch informierte Hunderte Führungskräfte in einer Videokonferenz darüber, dass die meisten Manager mit C-Titeln ihre Bezeichnungen künftig abgeben müssen. Weltweit sind davon rund 300 CEOs und CFOs in Landesgesellschaften und Geschäftseinheiten betroffen.
Der Umbau ist Teil der Strategie „One Tech Company“ und soll zum 1. Oktober greifen. Prominente Beispiele liefert der Vorstand selbst: Cedrik Neike, Chef der Sparte Digital Industries, und Peter Körte, verantwortlich für Smart Infrastructure, geben ihre CEO-Titel ab und treten künftig als Presidents auf.
Körte legt zudem seine Rolle als Chief Technology Officer nieder – die Technologieverantwortung wandert direkt unter den Vorstand und berichtet künftig an Neike.
Rekordquartal liefert Rückenwind
Der organisatorische Einschnitt fällt in eine Phase geschäftlicher Stärke. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Siemens einen Auftragseingang von 27,9 Milliarden Euro, ein nominales Plus von 13 Prozent, bei einer Book-to-Bill-Ratio von 1,34. Der Umsatz kletterte um 7 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro, während der Gewinn im Industriellen Geschäft um 25 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zulegte – bei einer Marge von 17,3 Prozent. Der Nettogewinn stieg um 15 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro, der freie Cashflow lag bei 4,1 Milliarden Euro.
Auf Basis dieser Zahlen hob Siemens seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr an: Das Ergebnis je Aktie vor Kaufpreisallokationseffekten soll nun zwischen 11,20 und 11,50 Euro liegen, nach zuvor 10,70 bis 11,10 Euro.
Auch auf Spartenebene zeigt sich die verbesserte Dynamik: Smart Infrastructure erhöhte die Umsatzwachstums-Guidance auf 10 bis 11 Prozent und die Margenspanne auf 18,5 bis 19,5 Prozent. Digital Industries und Mobility bestätigten ihre bisherigen Ziele unverändert.
Healthineers-Abspaltung nimmt Formen an
Parallel zum operativen Geschäft kommt die geplante Abspaltung von Siemens Healthineers voran. Finanzvorständin Veronika Bienert bestätigte, dass die relevanten steuerlichen Fragen mit den Finanzbehörden verbindlich geklärt seien und der Zeitplan damit stehe.
Die Aktionäre beider Unternehmen sollen im kommenden Jahr auf ihren Hauptversammlungen über die Trennung abstimmen, weitere Details will der Konzern mit den Jahreszahlen im November nachliefern.
Auch hier zieht sich der Konzern aus operativer Verantwortung zurück: Busch kündigte an, die Zahl der Aufsichtsratsmandate von Siemens-Vorstandsmitgliedern bei Healthineers von drei auf eins zu reduzieren. Er selbst und Bienert legen ihre Mandate nieder.
Kurs nahe Rekordhoch
An der Börse spiegelt sich die Serie aus starken Zahlen und strukturellen Weichenstellungen wider. Die Aktie notiert aktuell bei 283,25 Euro und liegt damit nur noch 2,7 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 291,25 Euro, das Anfang August markiert wurde.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 18 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es 21 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 13 Prozent unterstreicht den intakten mittelfristigen Aufwärtstrend.
Ergänzend zum operativen Fortschritt meldete Siemens Mobility im Juli einen Großauftrag: Das italienische Zugunternehmen Italo bestellte 26 Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro Multi System für rund 3 Milliarden Euro, inklusive Option auf 14 weitere Fahrzeuge und einem 30-jährigen Wartungsvertrag.
Der Konzern betonte zudem, dass seine Jahresprognose keine Belastungen aus laufenden rechtlichen oder regulatorischen Verfahren einpreise – ein Signal, dass Busch und sein Vorstand den eingeschlagenen Kurs aus Wachstum und organisatorischer Straffung ungebremst fortsetzen wollen.
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