Shell bleibt zwischen Rückkäufen, Portfoliobereinigung und einer möglichen Behördenstrafe in den USA in Bewegung. Während der Ölkonzern sein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm konsequent fortsetzt, verkauften zwei Top-Manager kürzlich eigene Anteile – ein Detail, das Anleger aufmerksam registrieren dürften.
Führungskräfte verkaufen Anteile
Laut Angaben der Londoner Börse verkaufte Finanzvorständin Sinead Gorman 30.000 Shell-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 33,69 Pfund. Chief Legal Officer Philippa Bounds trennte sich von 8.000 Anteilen zu 33,80 Pfund. Beide Transaktionen wurden bereits am 31. Juli ausgeführt und erst vergangenen Mittwoch offengelegt. Insiderverkäufe dieser Größenordnung sind bei einem Konzern mit einer Marktkapitalisierung von rund 219,66 Milliarden Euro kein Alarmsignal, geben aber einen Hinweis darauf, dass die Führungsebene nach dem starken zweiten Quartal Gewinne mitnimmt.
Parallel dazu treibt Shell den eigenen Rückkauf eigener Aktien unvermindert voran. Am Dienstag erwarb der Konzern 1.625.000 Aktien zur Einziehung, abgewickelt über die Börsen in London und Amsterdam und begleitet von Goldman Sachs International. Bereits am Montag hatte Shell 1.550.000 Aktien zurückgekauft, in London zu Kursen zwischen 33,38 und 33,99 Pfund, in Amsterdam zwischen 38,93 und 39,76 Euro. Das Gesamtprogramm über 4,232 Milliarden Dollar, Ende Juli aufgelegt, soll bis zur Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal abgeschlossen sein. Es besteht aus 3,0 Milliarden Dollar neuen Mitteln sowie 1,232 Milliarden Dollar an nachgeholtem Volumen aus der zeitweise ausgesetzten Rückkauftätigkeit während der ARC-Resources-Übernahme.
Portfoliobereinigung und Risiken in den USA
Erst am Montag hatte Shell eine Kauf- und Verkaufsvereinbarung mit TotalEnergies unterzeichnet, die das gesamte europäische Onshore-Ökostromportfolio umfasst – 500 Megawatt an betriebsbereiten und im Bau befindlichen Anlagen sowie eine Pipeline von 3,5 Gigawatt. Der Kaufpreis wurde nicht offengelegt. Der Schritt passt zu einer Strategie, sich stärker auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, während gleichzeitig die im Juli mit Zustimmung der Aktionäre besiegelte Übernahme von ARC Resources im dritten Quartal abgeschlossen werden soll. Das Management erwartet dadurch ein Produktionswachstum von jährlich 4 Prozent bis 2030 und hält an der Investitionsplanung von 24 bis 26 Milliarden Dollar für das laufende Jahr fest.
Gegenläufig wirkt eine Meldung vom Montag: Medienberichten zufolge droht Shell wegen Stickoxid-Grenzwertverstößen an seiner Ethan-Crackeranlage in Pennsylvania eine Strafzahlung von rund 134 Millionen Dollar. Eine offizielle Bestätigung der Behörden liegt bislang nicht vor, dennoch dürfte das Thema die Berichterstattung in den kommenden Wochen begleiten. Zudem übernahm zum 1. August Holly Keller Koeppel den Vorsitz des Prüfungs- und Risikoausschusses von Ann Godbehere, die aus dem Board ausschied – eine organisatorische Personalie ohne unmittelbare Kursrelevanz.
Kursbild bleibt robust
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt etwas schwächer: Der Schlusskurs vom Mittwoch lag bei 38,03 Euro, nach einem Rückgang von 2,98 Prozent auf Wochensicht. Dennoch notiert das Papier weiterhin deutlich über seinem 50-Tage-Durchschnitt, was für eine intakte mittelfristige Aufwärtstendenz spricht. Anleger richten den Blick nun auf den 13. August, wenn die Aktie mit dem Abschlag der Quartalsdividende von 0,3906 Dollar je Anteil ex-Dividende gehandelt wird. Die Auszahlung ist für den 21. September vorgesehen.
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