Shell forciert das Wachstum in mehreren Segmenten gleichzeitig. Nach dem Vollzug einer milliardenschweren Übernahme in Kanada und neuen Ambitionen im US-Einzelhandel steht die Aktie kurz vor einem neuen Jahreshöchststand. Der Energiekonzern kombiniert derzeit eine Produktionsausweitung mit einer strategischen Stärkung seines Tankstellennetzes, was am Markt auf positives Echo stößt.
Massive Produktionssteigerung und US-Zukauf
Ein zentraler Pfeiler dieser Entwicklung ist der Abschluss der Übernahme von ARC Resources Ltd. vor einer Woche. Durch diesen Schritt integriert Shell bedeutende Kapazitäten in den kanadischen Provinzen British Columbia und Alberta in sein Portfolio.
Das Unternehmen rechnet damit, die tägliche Förderung unmittelbar um etwa 370.000 Barrel Öläquivalent zu steigern. Dies unterstützt das Ziel, die Produktion bis zum Jahr 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von rund 4 % zu erhöhen.
Parallel dazu baut der Konzern sein Geschäft im Südosten der USA deutlich aus. Über die Tochtergesellschaft Equilon Enterprises wurde vereinbart, die Beteiligung am Tankstellenbetreiber und Kraftstoffhändler Tri Star Energy von bisher 33 % auf 100 % aufzustocken.
Durch die vollständige Übernahme kommen hunderte eigene Einzelhandelsstandorte sowie Lieferverträge für weitere 552 Händlerstationen unter die direkte Kontrolle von Shell. Der Abschluss dieser Transaktion wird für das Ende des laufenden Jahres erwartet.
Exploration in Brasilien und operative Fortschritte
Auch im Bereich der Exploration vermeldet der Konzern Fortschritte. Medienberichten zufolge sicherte sich Shell vor einer Woche eine Beteiligung von 30 % am Conifer-Projekt im Golf von Mexiko, während der Partner bp weiterhin als Betreiber fungiert.
Eine Bohrung an diesem Standort ist für das Jahr 2027 geplant. Zeitgleich übernimmt Shell einen Anteil von 50 % am Tupinambá-Block im brasilianischen Santos-Becken, wo die Bohrarbeiten bereits in Kürze beginnen sollen.
Um die Akquisition von ARC Resources zu finanzieren, hat das Unternehmen sein Kapital angepasst. Am vergangenen Donnerstag wurden insgesamt 228.003.843 neue Stammaktien zum Handel an der Londoner Börse zugelassen. Damit beläuft sich die Gesamtzahl der stimmberechtigten Aktien nun auf über 5,75 Milliarden Stück.
Analystenlob und Kapitalrückführungen
Die operativen Schritte spiegeln sich in einer starken Kursentwicklung wider. Die Aktie notiert aktuell bei 41,23 € und liegt damit nur noch 0,4 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Beginn des Jahres verzeichnet das Papier ein Plus von 32 %.
Neben der Kurssteigerung profitieren Anleger von einer kontinuierlichen Dividendenpolitik. Für das zweite Quartal wurde die Ausschüttung für Aktionäre, die den Euro als Währung gewählt haben, auf 0,3366 Euro pro Aktie festgelegt. Die Auszahlung soll am 21. September erfolgen.
Auch Experten bewerten die Lage zunehmend zuversichtlich. Analyst Martijn Rats von Morgan Stanley stufte den Titel am Freitag auf „Overweight“ hoch und hob das Kursziel deutlich von 81,60 auf 101,30 Dollar an.
Bereits am vergangenen Mittwoch hatte Piper Sandler das eigene Kursziel auf 100 Dollar angepasst, behielt die Einstufung jedoch auf „Neutral“. Begleitet wird diese Stimmung durch ein laufendes Aktienrückkaufprogramm. Allein am vergangenen Donnerstag und Freitag erwarb Shell weit über zwei Millionen eigene Anteile für die spätere Einziehung.
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