Shell beerdigt seine grünen Ambitionen. Konzernchef Wael Sawan trennt sich von den letzten großen Erneuerbare-Energien-Projekten. Der Fokus liegt wieder voll auf Öl und Gas. An der Börse kommt dieser Strategiewechsel derzeit allerdings nicht gut an.
Der Ölriese bereitet den Verkauf seiner Offshore-Windparks vor. Berater von Rothschild & Co. sowie PJT Partners steuern den Prozess. Der Deal könnte mehr als eine Milliarde US-Dollar einbringen. Ein formeller Verkaufsprozess startet voraussichtlich Ende 2026. Der Abschluss ist für das Folgejahr geplant.
Dieser Schritt markiert das Ende einer Ära. Zuvor stieß Shell bereits sein europäisches Onshore-Geschäft ab. Auch das indische Unternehmen Sprng Energy verließ das Portfolio. Sawan trimmt den Konzern seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 konsequent auf Rendite. Die einstigen Pläne zum weltgrößten Stromproduzenten liegen auf Eis.
Neue Wege in China
Parallel dazu baut die Mobilitätssparte ihr Geschäft um. Shell Recharge eröffnete am Dienstag ein gemeinsames Labor mit dem Partner SINEXCEL in Shenzhen. Die Unternehmen entwickeln dort Ultraschnellladesysteme und Megawatt-Ladetechnik für Nutzfahrzeuge. Finanzielle Details oder konkrete Produktzusagen fehlen in der Absichtserklärung bisher. Das Labor dient primär der Forschung.
Ölpreis drückt auf den Kurs
An der Börse dominiert aktuell das makroökonomische Umfeld. Die Shell-Aktie rutschte am Donnerstag auf 34,37 Euro ab. Damit summiert sich das Minus der vergangenen sieben Tage auf über sieben Prozent. Ein RSI-Wert von 29,8 signalisiert mittlerweile einen technisch überverkauften Zustand.
Hauptgrund für die Talfahrt ist der schwache Rohölpreis. Ein Friedensabkommen zwischen den USA und Iran stellt die Öffnung der Straße von Hormus in Aussicht. Diese geopolitische Entspannung verspricht ein größeres globales Ölangebot. Das drückt die Bewertungen im gesamten Energiesektor massiv nach unten. Ein ausgesetztes Aktienrückkaufprogramm belastet die Stimmung zusätzlich.
Aktionäre blicken nun auf das Monatsende. Am 29. Juni 2026 zahlt Shell die Zwischendividende für das erste Quartal aus. Je nach gewählter Währung fließen 0,3381 Euro je Aktie auf die Konten. Diese Ausschüttung bietet Investoren zumindest einen kleinen Puffer in einer schwachen Marktphase.
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