Trumps Annäherung an Teheran trifft den Energiesektor dort, wo es wehtut: beim Ölpreis. Die Hoffnung auf ein Rahmenabkommen mit dem Iran — und eine mögliche Wiedereröffnung der Straße von Hormus — ließ Brent zur Wocheneröffnung unter die 100-Dollar-Marke fallen. Shell geriet dabei unter den europäischen Ölwerten direkt in den Sog.
Ölwerte als einsamer Verlierer
In Amsterdam verlor die Shell-Aktie rund 1,1 bis 1,2 Prozent und notierte bei etwa 36,67 Euro — während der breite AEX-Index zeitgleich ein neues Allzeithoch markierte und um 0,79 Prozent zulegte. Shell war damit einer der schwächsten Werte im gesamten niederländischen Leitindex. Die Londoner Börse blieb feiertagsbedingt geschlossen.
Der Sektorindex Stoxx Europe 600 Oil & Gas setzte seine Verlustserie fort und war die einzige Branche im negativen Terrain. Vergleichbare Titel wie TotalEnergies und Eni verloren jeweils rund zwei Prozent — Shell kam also noch vergleichsweise glimpflich davon.
Was hinter dem Druckaufbau steckt
Der Auslöser ist geopolitischer Natur. Trump schrieb am Wochenende auf Truth Social, ein Rahmenabkommen mit dem Iran sei „weitgehend“ ausgehandelt — die Verhandlungen liefen geordnet und konstruktiv. Ein mögliches Abkommen würde nicht nur iranisches Öl zurück auf den Weltmarkt bringen, sondern auch die Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus wieder freier machen. Beides dämpft die Risikoprämie im Ölpreis.
Noch Anfang Mai hatte der Energiesektor-Index wegen der festgefahrenen Iran-Verhandlungen ein Rekordhoch markiert. Jetzt dreht sich die Stimmung: Ein niedrigerer Ölpreis bedeutet direkt engere Margen für integrierte Ölkonzerne wie Shell.
Wie weit die diplomatischen Fortschritte tatsächlich tragen, wird sich in den kommenden Verhandlungsrunden zeigen. Bis zu einem formellen Abschluss bleibt der Ölpreis das entscheidende Barometer für die Shell-Aktie — und solange die Nahost-Hoffnung anhält, dürfte der Gegenwind für den Sektor nicht nachlassen.
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