Der Krieg zwischen Iran und Israel treibt die Energiepreise nach oben – und Shell profitiert davon in einem Ausmaß, das selbst Analysten überrascht. Der Konzern meldete für das zweite Quartal den höchsten Gewinn seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Kein Wunder, dass die Aktie darauf mit einem Kursplus reagierte.
Gewinn verdoppelt sich fast
Der bereinigte Nettogewinn kletterte auf 9,8 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal und deutlich über den 6,9 Milliarden Dollar aus dem ersten Quartal. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Neben den gestiegenen Öl- und Gaspreisen trugen vor allem das Handels- und Raffineriegeschäft sowie die Chemiesparte zum Zuwachs bei.
Jefferies-Analyst Mark Wilson sprach von durchweg starken und soliden Zahlen und hob besonders den Produktionsrekord in Brasilien sowie die hohe Kapazitätsauslastung hervor. An der Börse in London zog die Aktie am Berichtstag um knapp ein Prozent an. Damit steht für das laufende Jahr ein Kursplus von rund einem Viertel zu Buche – ähnlich stark wie bei Konkurrent BP, während TotalEnergies seit Ende 2025 sogar um 35 Prozent zulegte.
Rückkäufe laufen weiter, Kosten sinken
Shell kündigte bereits das 19. Aktienrückkaufprogramm in Folge an, diesmal über mindestens 3 Milliarden Dollar. Parallel dazu senkte der Konzern seine Kosten im ersten Halbjahr um weitere 700 Millionen Dollar. Seit 2022 kommen die Einsparungen damit auf 5,8 Milliarden Dollar.
Nach Jahren des Sparens und hoher Ausschüttungen richtet sich der Blick der Investoren zunehmend auf das künftige Wachstum. Konzernchef Wael Sawan muss zeigen, dass Shell seine Öl- und Gasreserven wieder aufbauen kann. Die im April angekündigte Übernahme des kanadischen Energiekonzerns ARC Resources für 16,4 Milliarden Dollar soll dabei helfen – sie soll das Produktionswachstum bis 2030 auf 4 Prozent jährlich heben. Für 2026 bleiben die Investitionspläne mit 24 bis 26 Milliarden Dollar unverändert.
Fokus auf das Kerngeschäft
Während im Ölgeschäft investiert wird, trennt sich Shell von Randaktivitäten. Die Solarenergie-Sparte Sprng Energy geht an den indischen Konzern Aditya Birla Renewables – ein Schritt, der zur strategischen Konzentration auf profitablere Kerngeschäftsfelder passt. Mit einer Dividendenrendite von aktuell 3,4 Prozent bleibt Shell zudem für einkommensorientierte Anleger interessant.
Die ARC-Übernahme soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Bis dahin dürfte sich zeigen, wie nachhaltig der aktuelle Gewinnschub durch die Nahost-Lage tatsächlich ist – oder ob er mit einer Entspannung im Iran-Konflikt wieder abflacht.
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