Am Ölmarkt geht es wieder ruckartig zu — und Shell hängt mittendrin. Brent-Öl kämpft mit der Marke von 100 Dollar, getrieben von diplomatischen Signalen rund um Russland und Sanktionen. Jede Entspannungsmeldung drückt die Preise, jede Enttäuschung schickt sie postwendend wieder nach oben.
Diese Nervosität lässt sich auch an den Zapfsäulen ablesen. Nach zuletzt sinkenden Preisen für Super E10 und Diesel zeichnet sich seit Mittwochnachmittag eine Gegenbewegung ab — die Kraftstoffpreise legen wieder zu, offenbar getrieben vom steigenden Rohölpreis.
Für Shell als einen der großen Mineralölkonzerne ist das ein zweischneidiges Signal: Höhere Ölpreise stützen die Marge im Upstream-Geschäft, befeuern aber zugleich die politische Debatte um die Gewinne der Konzerne.
Politischer Druck auf die Konzerngewinne wächst
Genau diese Debatte nimmt gerade wieder Fahrt auf. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies fordert eine nationale Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, nachdem die EU-Kommission eine europäische Lösung vorerst abgelehnt hat.
Der Sozialverband VdK kritisiert parallel den geplanten Tankrabatt, der ab Oktober für drei Monate rund 17 Cent pro Liter bringen soll — Kritiker bemängeln, dass ein Teil der Entlastung in der Vergangenheit nicht bei den Autofahrern ankam, sondern die Margen der Ölkonzerne stützte.
Für Shell bleibt das politische Risiko damit ein Dauerthema, auch wenn eine konkrete Steuer auf EU-Ebene vorerst vom Tisch ist. Sollte Niedersachsen oder der Bund eine nationale Regelung vorantreiben, dürfte das die Debatte neu befeuern.
Bewertung bleibt uneinheitlich
Die Aktie notierte zuletzt bei rund 6,57 Euro auf Tradegate, ein moderates Plus von 0,81 Prozent. Die Dividendenrendite liegt bei 3,63 Prozent, basierend auf einer Ausschüttung von 1,518 je Aktie für 2026.
Das Analystenbild zeigt eine breite Streuung. Von acht zuletzt erfassten Einschätzungen liegen die Kursziele zwischen 35 Pfund am unteren und 41,63 Pfund im Mittel der Häuser — zwei Analysten empfehlen derzeit „Halten“. Die große Bandbreite der Einzelziele spiegelt vor allem die Unsicherheit über die weitere Ölpreisentwicklung.
Kurzfristig bleibt der Ölpreis der entscheidende Taktgeber für die Aktie. Hält Brent die Marke um 100 Dollar, dürfte das die Diskussion um Zusatzabgaben auf Konzerngewinne weiter anheizen — und damit auch die politische Risikoprämie in der Bewertung von Shell.
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