Shell-Aktie: Neue Klage, alter Streit!

Eine niederländische Umweltorganisation reicht eine erweiterte Klage gegen Shell ein und fordert den sofortigen Stopp neuer Öl- und Gasprojekte. Der Konzern wehrt sich gegen die Forderung.

Auf einen Blick:
  • Friends of the Earth Netherlands reicht neue Klage gegen Shell in den Niederlanden ein
  • Forderung: Sofortiger Stopp aller Investitionen in neue Öl- und Gasprojekte
  • Shell bezeichnet die Klage als unreasonable und verweist auf globale Nachfrage nach fossilen Brennstoffen
  • Klage baut auf einem jahrelangen Rechtsstreit auf, der bereits beim niederländischen Supreme Court liegt

Friends of the Earth Netherlands hat am Dienstag eine neue Klage gegen Shell eingereicht, diesmal mit einer besonders weitreichenden Forderung: Der Konzern soll sofort aufhören, neue Öl- und Gasfelder zu erschließen. So steht es in der Klageschrift. Kein Wenn, kein Aber.

Shell reagierte erwartungsgemäß. Das Unternehmen hatte die Klage schon im Vorfeld, als die Aktivisten ihre Absicht ankündigten, als „unreasonable“ bezeichnet. Die Argumentation: Wenn Shell aufhöre zu produzieren, würde die Produktion schlicht zu anderen Unternehmen wandern. Die globale Wirtschaft brauche fossile Brennstoffe. Auf eine konkrete Stellungnahme am Dienstag warteten Journalisten vergeblich.

Ein langer Rechtsstreit, eine neue Runde

Die neue Klage ist kein Neustart, sie ist eine Erweiterung. Seit Jahren kämpfen die Aktivisten vor niederländischen Gerichten gegen Shell. 2024 urteilte ein Berufungsgericht, Shell trage eine Verantwortung, Emissionen zu reduzieren, um Menschen vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Ein konkretes Reduktionsziel schrieb das Gericht dem Konzern dabei nicht vor, stellte aber fest, dass Shells Pläne für neue Öl- und Gasinvestitionen wohl nicht mit dieser Verpflichtung vereinbar seien. Weil das Thema Investitionen damals nicht explizit Teil der Klage war, konnte das Gericht dazu nicht entscheiden. Genau diese Lücke schließen die Aktivisten jetzt.

Der ursprüngliche Fall liegt inzwischen beim niederländischen Hoge Raad der Nederlanden, dem obersten Gericht des Landes.

Zuständigkeit trotz Umzug nach London

Shell hat seinen Hauptsitz 2022 von Den Haag nach London verlegt. Friends of the Earth argumentiert dennoch, niederländische Gerichte seien zuständig, weil Shells Aktivitäten in den Niederlanden Klimaschäden verursachen. Ein Termin für die Anhörung in dem neuen Verfahren steht noch nicht fest.

Parallel dazu liefert Clean Max Enviro Energy Solutions dem Konzern gerade hybride erneuerbare Energie für ein LNG-Terminal und ein Technologiezentrum in Indien. Shell investiert also weiter in fossile Infrastruktur, sucht aber gleichzeitig grünen Strom für den Betrieb. Das ist der Widerspruch, den die Kläger in Den Haag auflösen wollen. Ob ein Gericht das schafft, ist eine andere Frage.

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