Shell-Aktie: Expansion in Venezuela geplant!

Der Energiekonzern Shell verhandelt über den Zugang zu vier großen Gasfeldern vor Venezuela mit kombinierten Reserven von rund 20 Billionen Kubikfuß.

Auf einen Blick:
  • Shell verhandelt über Zugang zu vier großen Gasfeldern vor Venezuela
  • Dragon-Projekt könnte bis Jahresende finale Investitionsentscheidung erhalten
  • Gesamtreserven von rund 20 Billionen Kubikfuß Gas im Fokus
  • Gas soll in Trinidad zu LNG verarbeitet und exportiert werden

Shell befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit der venezolanischen Regierung über die Entwicklung von vier großen Gebieten in der Nähe von Trinidad und Tobago. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen. Der Londoner Energiekonzern könnte damit seine Präsenz in den größten Offshore-Gasfeldern des südamerikanischen OPEC-Landes deutlich ausbauen.

Dragon-Projekt als Ausgangspunkt für größere Pläne

Seit Jahren arbeitet Shell daran, das Dragon-Gasfeld in venezolanischen Gewässern voranzubringen. Mit Reserven von 4,2 Billionen Kubikfuß könnte für dieses Flaggschiff-Projekt bis Ende des Jahres eine finale Investitionsentscheidung fallen. Nun strebt der Konzern jedoch deutlich mehr an: Shell möchte Zugang zu den drei Feldern erhalten, die zusammen mit Dragon Teil des 12 Billionen Kubikfuß umfassenden Mariscal-Sucre-Projekts vor der venezolanischen Ostküste sind.

Hinzu kommt das Loran-Offshore-Gebiet mit 7,3 Billionen Kubikfuß Reserven, das sich grenzüberschreitend bis nach Trinidad erstreckt. Insgesamt würde Shell damit Zugang zu rund 20 Billionen Kubikfuß an kombinierten Reserven erhalten. Im März unterzeichneten Shell-Führungskräfte in Caracas bereits vorläufige Vereinbarungen mit der Regierung von Interimspräsidentin Delcy Rodriguez.

Trinidad als Verarbeitungszentrum im Mittelpunkt

Das venezolanische Gas soll nach Trinidad transportiert und dort zu Flüssigerdgas für den Export verarbeitet werden. Dies würde das Atlantic-LNG-Projekt erheblich stärken, an dem Shell mit 45 Prozent beteiligt ist. Die größte LNG-Anlage Lateinamerikas kämpft seit Jahren damit, ihre installierte Kapazität auszulasten. Ursprünglich für 15,5 Millionen Tonnen pro Jahr ausgelegt, musste die Kapazität wegen unzureichender Gasversorgung auf 12 Millionen Tonnen reduziert werden. Im vergangenen Jahr wurden laut LSEG-Daten sogar nur knapp 9 Millionen Tonnen verschifft.

Shell entwickelt bereits den trinidadischen Teil des Loran-Manatee-Felds. Der US-Konzern Chevron hält Anteile an zwei Blöcken auf venezolanischer Seite, gibt diese jedoch im Rahmen einer Vereinbarung zur Ausweitung von Schweröl-Projekten im Orinoco-Gürtel auf. „Die Nähe zu Manatee macht Loran zu einer attraktiven Investitionsmöglichkeit für Shell“, bestätigte das Unternehmen gegenüber Reuters sein Interesse an den zusätzlichen Gebieten.

Auf der CERAWeek-Konferenz in Houston erklärte Shell-Chef Wael Sawan vergangene Woche, man könne in diesem Jahr bis zu zwei Venezuela-Projekte genehmigen, sofern sich die steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen verbessern. Russische Beteiligungen an einigen Feldern könnten allerdings eine Hürde darstellen. Welche politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen letztlich den Ausschlag geben werden, lässt sich derzeit noch schwer einschätzen.

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