Beste Quartalszahlen seit zwei Jahren, Dividende um 5 Prozent angehoben, Handelsprofite durch den Nahost-Krieg kräftig gestiegen. Und die Shell-Aktie? Fiel trotzdem um knapp 3 Prozent. So ist das halt, wenn die gute Nachricht von einer schlechteren überlagert wird.
Der Haken im Zahlenwerk
Shell hat das Quartal gut verdient, daran gibt es nichts zu rütteln. Doch die Nettoschulden sprangen um 27 Prozent im Jahresvergleich. Der Grund: Der Krieg hat die Energieversorgung so durcheinandergebracht, dass Shell kurzfristig unter Liquiditätsdruck geriet. Die Antwort des Unternehmens war prompt: Das vierteljährliche Aktienrückkaufprogramm wurde von 3,5 Mrd. Dollar auf 3 Mrd. Dollar zurückgefahren. Nicht dramatisch, aber eben ein Signal.
Derren Nathan von Hargreaves Lansdown brachte es auf den Punkt: „Bilanzstärke und verlässliche Ausschüttungen waren ein zentraler Anziehungspunkt für Investoren, daher ist es verständlich, dass die Märkte heute etwas vorsichtig reagieren.“ Vorsichtig ist das richtige Wort. Panik wäre übertrieben, aber die Rechnung ist klar: Wer Shell wegen der Dividende und der Rückkäufe hält, schaut jetzt zweimal hin.
Qatar kostet richtig viel Produktion
Shell verliert gerade rund 10 Prozent seiner Gesamtproduktion. Die Pearl Gas-to-Liquids-Anlage in Qatar, an der Shell beteiligt ist, wurde durch iranische Angriffe beschädigt. Eine von zwei Einheiten ist ausgefallen, die Reparaturen sollen etwa ein Jahr dauern. CFO Sinead Gorman sagte auf dem Earnings Call, Shell erwarte einen Neustart der unbeschädigten Einheit, sobald es die Lage erlaube, abhängig davon, ob Produktion durch die Straße von Hormus transportiert werden kann.
Das schlägt voll auf die Zahlen durch: Die Produktion der integrierten Gas-Sparte soll im zweiten Quartal auf 580.000 bis 640.000 Barrel Öläquivalent pro Tag fallen. Im ersten Quartal waren es noch 909.000. Das ist kein kleines Minus.
Shell Plc Aktie Chart
1 Milliarde Barrel fehlen, täglich mehr
Was CEO Wael Sawan auf dem Earnings Call sagte, klingt nicht nach einem kurzfristigen Problem. „Wir haben uns ein Loch von knapp einer Milliarde Barrel Rohöl-Defizit gegraben, entweder durch blockierte oder nicht produzierte Barrel, und dieses Loch wird jeden Tag tiefer“, so Sawan. „Der Weg zurück wird lang sein.“
Halliburton-Chef Jeffrey Miller sprach von kumulierten Produktionsdefiziten in den mehreren Hundert Millionen Barrel Richtung einer Milliarde. ConocoPhillips-CFO Andrew O’Brien warnte, dass importabhängige Länder ab Juni oder Juli mit kritischen Engpässen konfrontiert sein könnten. Und Exxon-CEO Darren Woods rechnet damit, dass selbst nach einer Öffnung der Straße von Hormus ein bis zwei Monate vergehen, bevor der Markt normale Liefermengen sieht.
Barclays kauft, London überlegt die Steuer
Barclays bleibt bei seiner Kaufempfehlung und einem Kursziel von 4.500 Pence. Wer auf die Gegenseite schaut: AJ Bell-Analyst Dan Coatsworth wies darauf hin, dass die starken Quartalszahlen von Shell und BP in London Rufe nach einer zusätzlichen Gewinnsteuer auf Ölkonzerne befeuern dürften. Die Unternehmen mögen sagen, der Betrieb unter Kriegsbedingungen sei schwierig. Anhaltend hohe Ölpreise machen dieses Argument allerdings nicht überzeugender.
Eine Milliarde Barrel Defizit, ein Jahr Reparaturzeit in Qatar, und der Markt bestraft trotzdem die Aktie für einen gesenkten Rückkauf. Manchmal ist die Logik der Börse eben eine eigene.
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