ServiceNow steht vor einer richtungsweisenden Woche. Die Aktie notiert bei 90,94 Euro, ein Plus von 0,82 Prozent am Tag. Über die vergangenen sieben Tage steht dennoch ein Minus von 6,98 Prozent zu Buche — auch nach einer Erholung von 7,88 Prozent im 30-Tage-Vergleich bleibt der Titel angeschlagen.
Am 22. Juli legt ServiceNow die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor. Analysten erwarten einen Umsatz von 3,92 Milliarden Dollar. Das entspräche einem Wachstum von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Bericht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt noch das vorherige, schmerzhafte Quartal verdaut. Die zentrale Frage: Zahlt sich die aggressive KI-Monetarisierung des Unternehmens langsam aus?
Die entscheidende Kennzahl
Der Ausblick des Managements dürfte über die kurzfristige Richtung der Aktie entscheiden. Konkret geht es darum, ob die Subskriptionserlöse und die Margen-Guidance zeigen, dass ServiceNow die Belastung durch jüngste Übernahmen abfedern kann — während KI-Produkte spürbar zum Wachstum beitragen.
Für Q2 2026 hat das Unternehmen Subskriptionserlöse zwischen 3,815 und 3,820 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Hinzu kommt ein RPO/CRPO-Wachstum von rund 19,5 Prozent auf währungsbereinigter Basis sowie eine operative Marge von etwa 26,5 Prozent. Darin eingerechnet ist bereits eine Belastung von 125 Basispunkten durch die Armis-Übernahme, zusätzlich hat das Management vorsichtige Annahmen zum Timing von On-Premise-Deals im Nahen Osten getroffen. Ob das Management diese Vorgaben erreicht, übertrifft oder senkt, gibt den Ton für die nächste Kursphase vor.
Bullisches Szenario: KI als Wachstumstreiber
Die KI-Story von ServiceNow hat sich deutlich verbreitert. Das Unternehmen hat angekündigt, das gesamte Produktportfolio KI-fähig zu machen — jedes ServiceNow-Produkt soll künftig KI, Datenanbindung, Workflow-Ausführung, Sicherheit und Governance eingebaut haben.
Auf der Hausmesse Knowledge 2026 stellte der Konzern zudem „Action Fabric“ und einen MCP-Server vor. Letzterer ist bereits allgemein verfügbar und in jedem Now-Assist- sowie AI-Native-SKU enthalten, weitere Funktionen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 folgen.
CEO Bill McDermott und CFO Gina Mastantuono haben beim Financial Analyst Day zudem ein ambitioniertes Fernziel ausgegeben: Bis 2030 sollen die Subskriptionserlöse die Marke von 30 Milliarden Dollar übersteigen. KI-Lösungen sollen dann mehr als 30 Prozent des jährlichen Vertragswerts ausmachen.
Sollten die Q2-Zahlen zeigen, dass das neue „Assists“-Abrechnungsmodell tatsächlich in zusätzliche Käufe der Kunden mündet, würde das die bullische These stützen. ServiceNow hätte dann den Sprung von der reinen KI-Positionierung zur echten Monetarisierung geschafft. Die Erfolgsbilanz spricht dafür: In den vergangenen vier Quartalen hat das Unternehmen die Konsensschätzungen des Zacks-Analystenkonsens jedes Mal übertroffen, im Schnitt um 9,47 Prozent.
Bärisches Szenario: Die Erinnerung an Q1
Das negative Szenario speist sich aus einer konkreten Erfahrung. Nach den Zahlen zum ersten Quartal 2026 brach die Aktie um 17,8 Prozent ein. Grund war eine niedriger als erwartete Prognose für die bereinigte Bruttomarge im Subskriptionsgeschäft von 81,5 Prozent für das Gesamtjahr — vor allem wegen der Integration jüngster Zukäufe, allen voran Armis.
Diese Sorge um die Marge ist bislang nicht ausgeräumt. Hinzu kommt: Investoren befürchteten auch eine Wachstumsbremse von etwa 75 Basispunkten bei den Subskriptionserlösen. Der Grund liegt in verzögerten Vertragsabschlüssen großer On-Premise-Deals im Nahen Osten, ausgelöst durch den anhaltenden regionalen Konflikt.
Auch die Bewertung bleibt ein Belastungsfaktor. Der Value Score von ServiceNow deutet auf eine gedehnte Bewertung hin — das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der nächsten zwölf Monate liegt höher als bei Konkurrenten wie Microsoft, Oracle und Salesforce. Die Kursentwicklung seit Jahresbeginn unterstreicht diese Skepsis: ServiceNow hat seit Jahresanfang 32,5 Prozent verloren und damit sowohl die Zacks-Gruppe „Computers – IT Services“ als auch den breiteren Technologiesektor unterboten. Microsoft, Oracle und Salesforce verzeichneten im selben Zeitraum deutlich geringere Verluste.
Halten die Integrationskosten von Armis an oder verzögern sich weitere Nahost-Deals, könnte die Margen-Guidance erneut enttäuschen. Das Muster des scharfen Ausverkaufs nach den Q1-Zahlen könnte sich wiederholen.
Ausblick: Unentschieden vor der Entscheidung
Die Erholung von 7,88 Prozent binnen 30 Tagen deutet darauf hin, dass sich einige Investoren bereits für einen saubereren Q2-Bericht positionieren. Der RSI nahe 49,8 signalisiert allerdings einen Markt, der noch unentschlossen ist — von Euphorie keine Spur.
Gelingt es dem Management zu zeigen, dass KI-getriebener Konsum und RPO-Wachstum die Armis-bedingte Margenbelastung ausgleichen, könnte die Aktie ihre Erholung fortsetzen. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 123,47 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von 35,8 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau entspräche. Enttäuscht die Guidance dagegen erneut bei Margen oder beim Timing der On-Premise-Deals — wie schon nach Q1 —, droht ein Test der jüngsten Tiefs. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 52,90 Prozent zeigt, wie groß die Ausschläge in beide Richtungen ausfallen können.
Der nächste konkrete Katalysator ist der Quartalsbericht am 22. Juli nach Börsenschluss. Investoren richten den Blick dabei vor allem auf drei Schwellenwerte: das Wachstum der Subskriptionserlöse, die RPO-Trends und die aktualisierte Margen-Prognose fürs Gesamtjahr.
ServiceNow-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ServiceNow-Analyse vom 21. Juli liefert die Antwort:
Die neusten ServiceNow-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ServiceNow-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
