Der Softwaremarkt liefert derzeit eine unbequeme Lektion: Wachstum und Zuversicht sind nicht dasselbe. ServiceNow verlor am Freitag 3,2% im schwachen Softwareumfeld.
Reuters hatte am Donnerstag den breiteren Branchenrückgang mit enttäuschenden Ergebnissen von ServiceNow und Fortinet sowie erneuten Sorgen über eine Verdrängung durch künstliche Intelligenz verbunden. Für mich liegt darin der Kern der Entwicklung: Anleger müssen gleichzeitig die Geschäftszahlen und die Zweifel an der Zukunft der Branche bewerten.
Das macht ServiceNow zu einem Beispiel für einen schwierigen Bewertungsmaßstab. Gute Wachstumszahlen können die Sorge vor nachlassendem Tempo nicht automatisch ausräumen. Und ein höheres eigenes KI-Ziel beantwortet noch nicht die Frage, welche Folgen künstliche Intelligenz für Softwareunternehmen insgesamt haben könnte. Beides gehört zusammen, ohne dass daraus bereits ein eindeutiges Urteil folgt.
Wachstum braucht einen überzeugenden Maßstab
Am Mittwoch meldete ServiceNow für das dritte Quartal 2026 einen Abonnementumsatz von 3.988 Millionen $, ein Plus von 21%. Das ist zunächst ein Beleg für Wachstum, nicht für einen Geschäftseinbruch. Die negative Börsenreaktion lässt sich deshalb nicht sinnvoll auf die Formel reduzieren, das Unternehmen wachse nicht mehr.
Der entscheidende Unterschied liegt zwischen dem erreichten Geschäft und den Erwartungen an dessen Fortsetzung. Reuters verwies am Donnerstag auf die verfehlten Gewinnerwartungen und den schwächeren Wachstumsausblick bei der Kennzahl cRPO als unternehmensspezifische Belastungen. Der Branchenrückgang kam als Umfeld hinzu. Wer nur den allgemeinen Softwareverkauf betrachtet, übersieht damit einen Teil der Erklärung.
Beim cRPO meldete ServiceNow am Mittwoch ein Wachstum von 20,5%; für das Schlussquartal stellte das Unternehmen 18,5% in Aussicht. Diese Gegenüberstellung erklärt, warum solide Geschäftszahlen und eine enttäuschte Marktreaktion nebeneinanderstehen können. Nicht allein die Höhe des Wachstums zählt, sondern auch seine Richtung.
Das ist keine bloße sprachliche Feinheit. Ein Unternehmen kann expandieren und trotzdem Erwartungen verfehlen. Umgekehrt beweist ein fallender Aktienkurs noch nicht, dass sich die Sorgen über sein Geschäftsmodell bereits in den gemeldeten Umsätzen niederschlagen.
KI bleibt Chance und Bewertungsrisiko
ServiceNow erhöhte am Mittwoch sein Ziel für den jährlichen KI-Vertragswert 2026 auf 1,7 Milliarden $. Zugleich hob das Unternehmen die angestrebte Free-Cashflow-Marge für das Gesamtjahr auf 36% an. Den skeptischen Branchensorgen standen damit ambitioniertere Unternehmensziele gegenüber.
Genau hier liegt die Spannung dieser Börsenphase: Wie viel Zuversicht verdient eine höhere KI-Zielsetzung, wenn Anleger zugleich über KI-bedingte Verdrängung diskutieren? Die Unternehmensprognose beschreibt eine erwartete Geschäftschance. Die von Reuters genannten Sorgen betreffen ein mögliches strukturelles Risiko. Keine dieser Perspektiven ersetzt die andere.
Auch die am Mittwoch angehobene Prognose für den Abonnementumsatz 2026 von 15.780–15.790 Millionen $ gehört in dieses Bild. Sie ist ein Gegenargument gegen eine pauschale Niedergangserzählung, aber kein Nachweis dafür, dass sämtliche Bedenken ausgeräumt wären.
Die sachliche Einordnung fällt deshalb weniger spektakulär aus als die Kursbewegung: ServiceNow wächst und hat Ziele angehoben. Gleichzeitig enttäuschten Teile des Ergebnisses und des Ausblicks. Im von KI-Sorgen belasteten Softwareumfeld reicht die positive Hälfte dieser Bilanz offenbar nicht aus, um die negative zu überdecken. Entscheidend ist nicht, eine Seite auszublenden, sondern beide sauber auseinanderzuhalten.
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