Neue Kundenprojekte verschieben den Prüfmaßstab
Für ServiceNow-Anleger entscheidet sich die Wachstumsthese daran, ob konkrete Kundenprojekte eine breitere Nachfrage nach der KI-Plattform erkennen lassen. Die am 28. Oktober gemeldeten Entscheidungen von HPE und Stagwell liefern dafür Ansatzpunkte. Sie belegen Kundenzuspruch, aber noch keine Beschleunigung des Geschäfts. Wer auf eine Erholung setzt, muss deshalb zwischen gewonnenen Projekten und messbarem Wachstum unterscheiden.
HPE wählte ServiceNow für die Neuausrichtung von Kundensupport und Außendienst im Geschäftsbereich Cloud & AI. Stagwell entschied sich für die ServiceNow AI Platform, um vier Service-Desks zusammenzuführen. Das Vorhaben umfasst mehr als 70 Agenturen und 10.000 Beschäftigte.
Beide Entscheidungen betreffen konkrete betriebliche Abläufe. Das macht sie für die Bewertung der KI-Strategie aussagekräftiger als eine reine Technologieankündigung. Für Anleger zählt jetzt allerdings, ob solche Projekte über einzelne Referenzen hinausweisen. Die Meldungen dokumentieren eine Auswahlentscheidung der Kunden; sie belegen nicht bereits den wirtschaftlichen Erfolg der Umsetzung.
Das Abonnementwachstum muss den Nutzen zeigen
Die entscheidende Messgröße ist deshalb das Wachstum der Abonnementerlöse. ServiceNow meldete für das dritte Quartal 2026 einen Anstieg um 21% gegenüber dem Vorjahr. Daran lässt sich künftig prüfen, ob neue Kundenprojekte und zusätzliche KI-Anwendungen das Geschäft tatsächlich voranbringen.
Diese Kennzahl verbindet die Produktstrategie mit dem laufenden Geschäft. Partnerschaften können technische Möglichkeiten erweitern und Kundenentscheidungen können deren Nutzen bestätigen. Erst eine entsprechende Entwicklung der Abonnementerlöse würde jedoch die Annahme stützen, dass daraus ein breiterer Wachstumstreiber entsteht. Einzelne Vertragsmeldungen ersetzen diesen Nachweis nicht.
Die Messlatte liegt nach dem jüngsten Ausblick höher. Vor gut einer Woche stellte ServiceNow für das vierte Quartal 2026 ein währungsbereinigtes cRPO-Wachstum von 18,5% in Aussicht. Diese Prognose für die kurzfristig erwarteten Erlöse aus bestehenden Leistungsverpflichtungen lag unter den Markterwartungen. Für eine überzeugende Erholungsthese müssten die neuen Projekte daher mehr liefern als gute Referenznamen.
Breitere Anwendungen könnten die Nachfrage tragen
Das positive Szenario beginnt bei den unterschiedlichen Einsatzfeldern. HPE setzt bei Support und Außendienst an, Stagwell bei der Zusammenführung interner Service-Strukturen. Sollten diese Projekte ihren betrieblichen Nutzen zeigen, könnten sie die These stützen, dass ServiceNow mit KI nicht nur zusätzliche Funktionen anbietet, sondern konkrete Arbeitsabläufe verbessert.
Dazu passt die am 27. Oktober angekündigte Erweiterung der Zusammenarbeit mit Google Cloud. Sie soll KI-Agenten für branchenspezifische Arbeitsabläufe voranbringen. Bereits am 21. Oktober hatten ServiceNow und NVIDIA eine Zusammenarbeit angekündigt, die KI-Agenten und die Durchsetzung von Richtlinien über Software und Chips hinweg verbinden soll.
Für Anleger ergibt sich daraus eine mögliche Wirkungskette: Ein breiteres Angebot könnte zusätzliche Einsatzmöglichkeiten schaffen, erfolgreiche Anwendungen könnten weitere Kunden überzeugen. Das bleibt ein Szenario. Die genannten Kooperationen allein beweisen weder zusätzliche Abonnementerlöse noch eine schnellere Umsetzung bei Kunden. Ihr Wert für die Aktie müsste sich im Geschäft niederschlagen.
Kundenzuspruch schützt nicht vor Wachstumsdruck
Das Gegenargument ist ernst zu nehmen: ServiceNow kann wichtige Kunden gewinnen und dennoch hinter den Wachstumserwartungen zurückbleiben. Ein Auftrag sagt zunächst etwas über die Entscheidung eines einzelnen Unternehmens aus. Er beantwortet nicht automatisch, wie rasch sich die Nachfrage insgesamt entwickelt oder wann daraus Erlöse entstehen.
Reuters berichtete am Donnerstag über den deutlichen Kursrückgang nach den Quartalszahlen. Die Gewinnverfehlung und der schwächere cRPO-Ausblick verstärkten demnach Sorgen um Wachstum und mögliche Verwerfungen durch KI. Damit steht nicht allein die Leistungsfähigkeit neuer Produkte zur Debatte. Entscheidend ist auch, ob ServiceNow die wirtschaftlichen Erwartungen erfüllen kann.
Im negativen Szenario bleiben neue Referenzen sichtbar, während sich das Abonnementwachstum weiter abschwächt. Dann wären die Kundenmeldungen kein ausreichendes Gegengewicht zum vorsichtigeren Ausblick. Auch zusätzliche Partnerschaften würden diese Lücke nicht automatisch schließen. Eine umfangreichere Produktpalette ist nicht gleichbedeutend mit einer entsprechend stärkeren Nachfrage.
Der Konferenzauftritt bietet den nächsten Prüfpunkt
Solange neue Kundenprojekte die Aussicht auf tragfähiges Abonnementwachstum stützen, bleibt das positive Szenario plausibel. Schwächt sich diese Verbindung ab, verliert die KI-Strategie als Argument für eine Neubewertung an Gewicht. Die Entscheidung für Anleger hängt deshalb weniger an der Zahl der Ankündigungen als an deren erkennbarer wirtschaftlicher Umsetzung.
Ein nächster konkreter Termin ist der 12. November 2026. Für diesen Tag ist die Teilnahme von Josh Kahn an einem Gespräch auf der BMO Technology and Innovation Leaders Conference angekündigt. Der Auftritt könnte zusätzliche Einordnung zu Kundenanwendungen und Umsetzung liefern; neue Finanzziele sind damit nicht zugesagt.
Für die weitere Beurteilung wären Aussagen zum Übergang von Kundenentscheidungen in den praktischen Einsatz besonders relevant. Sie könnten helfen, die bereits gemeldeten Projekte einzuordnen. Den belastbaren Wachstumsnachweis müssen anschließend jedoch die Geschäftszahlen liefern.
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