ServiceNow wächst schneller als der große Rivale Salesforce – muss dafür aber auch deutlich tiefer in die Bewertungstasche greifen. Ein Vergleich der jüngsten Quartalszahlen beider Unternehmen zeigt, wie unterschiedlich die beiden Softwarekonzerne ihre KI-Strategien in Umsatz ummünzen und wie der Markt diese Unterschiede honoriert.
Wachstumstempo gegen Bewertungsprämie
Im zweiten Geschäftsquartal 2026 steigerte ServiceNow den Umsatz um 24 Prozent auf 3,987 Milliarden US-Dollar, der Abo-Umsatz legte um 24,5 Prozent auf 3,877 Milliarden US-Dollar zu. Das verbleibende Auftragsvolumen (cRPO) wuchs um 21 Prozent auf 13,2 Milliarden US-Dollar, die Non-GAAP-Marge lag bei 29,5 Prozent. Das KI-Geschäft überschritt dabei erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar an jährlichem Auftragsvolumen.
Salesforce kam im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 auf einen Umsatz von 11,345 Milliarden US-Dollar, ein Plus von elf Prozent. Der Abo-Umsatz stieg um zwölf Prozent auf 10,8 Milliarden US-Dollar, das cRPO auf 33,5 Milliarden US-Dollar (plus 14 Prozent).
Die Non-GAAP-Marge fiel mit 34,1 Prozent höher aus als bei ServiceNow. Besonders auffällig: Der Agentforce-ARR von Salesforce sprang um 240 Prozent auf über 1,5 Milliarden US-Dollar – ein Wachstumstempo, das ServiceNow bei seinem eigenen KI-Portfolio bislang nicht erreicht.
Der Markt bewertet diese Wachstumsdifferenz mit einer klaren Prämie für ServiceNow. Das Unternehmen wird deutlich höher bepreist als Salesforce und auch höher als der breite US-Software-Sektor – ein Aufschlag, den Anleger allein mit dem überdurchschnittlichen Umsatzwachstum und dem frühen Erfolg im KI-Geschäft rechtfertigen müssen.
Ein Blick zurück auf die Partnerschaft mit Genesys
Ergänzend zur reinen Zahlenlage verweisen Marktbeobachter aktuell wieder auf die Integration zwischen ServiceNow und dem Kontaktcenter-Anbieter Genesys, die eine agentenübergreifende Orchestrierung von KI-Systemen im Kundenservice ermöglicht. Diese Kooperation wurde bereits vor rund einem Jahr vorgestellt und dient nun erneut als Beleg dafür, wie ServiceNow sein Ökosystem an KI-Partnerschaften ausbaut, um die hohe Bewertung zu untermauern.
Kursbild bleibt volatil
An der Börse zeigt sich die Debatte um die Bewertung in einem uneinheitlichen Kursverlauf. Die Aktie schloss am Freitag bei 114,15 Euro, ein Plus von einem Prozent auf Tagessicht.
Über die vergangene Woche steht dennoch ein Minus von 6,2 Prozent zu Buche, während sich der Titel auf Monatssicht um 5,7 Prozent erholt hat. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 56 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt auf neue Nachrichten rund um Wachstum und Bewertung reagiert.
Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage bestehen: Rechtfertigt das überdurchschnittliche Umsatzwachstum von ServiceNow dauerhaft eine so viel höhere Bewertung als bei Salesforce?
Die jüngsten Quartalszahlen liefern Argumente für beide Seiten – schnelleres Wachstum auf der einen, höhere Profitabilität und ein schneller wachsendes KI-Geschäft auf der anderen. Die kommenden Quartale dürften zeigen, welches der beiden Geschäftsmodelle die Marktkapitalisierung nachhaltiger rechtfertigen kann.
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