Mit -3,2% geriet ServiceNow am Freitag in den Sog eines Technologie-Ausverkaufs, der eine größere Frage aufwirft: Wann rechtfertigen die Erträge aus künstlicher Intelligenz die hohen Erwartungen? AP berichtete von Zweifeln an den Renditen hoher KI-Investitionen und an den zuvor stark gestiegenen Bewertungen.
Für mich liegt darin der entscheidende Punkt: ServiceNow muss nicht nur zeigen, was seine Technik kann. Das Unternehmen muss auch Erwartungen erfüllen, die über einzelne Anwendungserfolge hinausgehen.
Zwei Seiten derselben KI-Wette
Die Skepsis trifft ServiceNow aus unterschiedlichen Richtungen. Reuters berichtete am Donnerstag über fallende Softwareaktien nach den Ergebnissen von ServiceNow und Fortinet. Dabei belasteten auch Sorgen vor einer Verdrängung bestehender Softwareangebote durch künstliche Intelligenz. Am Freitag rückte laut AP zugleich die Frage in den Vordergrund, ob sich die hohen KI-Investitionen ausreichend auszahlen.
Das ist ein anspruchsvolles Umfeld. Einerseits sollen Softwareanbieter beweisen, dass sie vom technologischen Wandel profitieren. Andererseits müssen sie erklären, warum dieser Wandel ihre bisherigen Angebote nicht entwertet. Neue Funktionen allein lösen diesen Widerspruch nicht auf. Entscheidend wird, ob Kunden damit nachweisbare Verbesserungen erreichen und daraus belastbares Geschäft für den Anbieter entsteht.
ServiceNow liefert dafür konkrete Ansatzpunkte. Am 22. Oktober berichtete Thrive über den Einsatz der ServiceNow-Plattform und ihrer KI-Agenten. Demnach wurden 73% der Anliegen beim ersten Kontakt gelöst; die Zeit bis zur Problemlösung sank um 63%.
Solche Ergebnisse sind aussagekräftiger als ein bloßes Produktversprechen. Sie beschreiben einen Nutzen im Betrieb. Allerdings sind sie kein Beleg dafür, dass sich derselbe Effekt überall wiederholen lässt. Ebenso wenig beantworten sie allein die Frage, welche Wachstumserwartungen die Aktie rechtfertigen kann. Genau diese Trennung zwischen Kundennutzen und Börsenerwartung halte ich für zentral.
Kundenaufträge statt bloßer Ankündigungen
Am Mittwoch meldete ServiceNow eine Vereinbarung mit HPE über fünf Jahre. Sie soll die Supportleistungen für das Geschäft von HPE mit Cloud und künstlicher Intelligenz verändern. Damit steht neben dem berichteten Praxiseinsatz bei Thrive ein längerfristiger Kundenauftrag.
Für die Einordnung ist das wichtig: Die Debatte besteht nicht ausschließlich aus Zukunftsvisionen und Bewertungsfragen. Es gibt Unternehmen, die ServiceNow für konkrete Aufgaben auswählen. Aus der Laufzeit des HPE-Vertrags lässt sich allerdings noch kein bestimmter Umsatzbeitrag ableiten. Der Auftrag ist ein geschäftlicher Anhaltspunkt, kein Ersatz für die Prüfung der finanziellen Entwicklung.
Parallel verbreitert ServiceNow die technischen Einsatzmöglichkeiten. Am 21. Oktober kündigte das Unternehmen die allgemeine Verfügbarkeit von Arc an. Die Steuerung erfolgt über den Super Intelligence Control Tower, die Durchsetzung von Regeln mit NVIDIA OpenShell. Hier steht nicht allein zusätzliche KI-Leistung im Mittelpunkt, sondern auch deren kontrollierter Einsatz.
Das passt zum größeren Thema: KI muss im Unternehmensalltag nicht nur funktionieren, sondern sich auch steuern lassen. ServiceNow verbindet seine Produktentwicklung damit mit einem praktischen Problem der Einführung. Ob daraus ausreichend zusätzliches Geschäft entsteht, bleibt eine andere Frage als die technische Verfügbarkeit.
Die Börse verlangt mehr als Fortschritt
Wie hoch die Messlatte liegt, zeigte Barclays am Donnerstag. Das Analysehaus senkte sein Kursziel von $160 auf $152 und behielt die Einstufung „Overweight“ bei. Als Gründe für erwarteten kurzfristigen Kursdruck nannte es die Quartalsergebnisse und den schwächeren Ausblick für die kurzfristig verbleibenden Leistungsverpflichtungen.
Diese Kombination ist aufschlussreich: Ein grundsätzlich positives Anlageurteil schließt Zweifel am kurzfristigen Wachstumstempo nicht aus. Ebenso können reale Kundenerfolge neben enttäuschten Börsenerwartungen stehen.
Mein Maßstab für ServiceNow ist deshalb weder die Zahl neuer KI-Ankündigungen noch ein einzelner schwacher Handelstag. Entscheidend ist die Verbindung zwischen praktischem Nutzen, längerfristigen Kundenbeziehungen und finanzieller Umsetzung. Thrive und HPE liefern dafür konkrete Ansatzpunkte. Der branchenweite Verkaufsdruck zeigt zugleich, wie wenig Vorschussvertrauen der Markt derzeit für bloße KI-Versprechen aufbringen will.
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