ServiceNow liefert höhere Wachstums- und Margenprognosen, trifft damit aber auf Zweifel an den Geschäftsperspektiven im KI-Zeitalter. Entscheidend ist deshalb nicht allein das Wachstum, sondern dessen Verhältnis zu den Erwartungen. Der heutige Kursanstieg von 3,8% ändert an diesem Spannungsfeld nach dem Ausverkauf zunächst wenig.
Höhere Jahresziele als Gegenargument
Am Mittwoch meldete ServiceNow für das dritte Quartal 2026 einen Abonnementumsatz von 3.988 Millionen $. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Wachstum von 21%. Zugleich hob das Unternehmen seine Jahresprognosen an.
Das ist ein wichtiges Gegengewicht zur Skepsis: ServiceNow stellte mit dem Quartalsbericht höhere Jahreswerte in Aussicht. Die negative Börsenreaktion lässt sich deshalb nicht als Reaktion auf eine gesenkte Jahresprognose lesen. Sie verweist vielmehr auf die Lücke zwischen operativer Entwicklung und den Ansprüchen der Anleger.
Für 2026 erwartet ServiceNow beim Abonnementumsatz eine Spanne von 15.780 bis 15.790 Millionen $. Die Prognose für die Marge des freien Cashflows stieg auf 36%.
Damit setzt die Unternehmensprognose einen positiven Akzent bei Umsatz und Mittelzufluss. Für Anleger bleibt allerdings die Unterscheidung wichtig: Höhere Jahresziele sind Erwartungen des Unternehmens, keine bereits erreichten Ergebnisse.
Warum der Markt trotzdem skeptisch reagierte
Reuters berichtete am Donnerstag, dass die Verfehlung der Gewinnerwartungen die angehobene Prognose überschattet habe. Gleichzeitig gerieten Softwareaktien nach enttäuschenden Ergebnissen von ServiceNow und Fortinet unter Druck. Sorgen über mögliche Umbrüche durch künstliche Intelligenz belasteten das Branchenumfeld zusätzlich.
Diese Gemengelage erklärt, warum höheres Wachstum allein nicht genügte. Bei ServiceNow trafen unternehmensspezifische Enttäuschungen auf eine grundsätzlich skeptische Betrachtung des Softwaresektors. Die zentrale Anlegerfrage lautet damit, wie belastbar Wachstum und Ertragskraft unter veränderten technologischen Bedingungen sind.
Medienberichten vom Donnerstag zufolge enthielt der Ausblick für das Schlussquartal ein Wachstum der kurzfristigen verbleibenden Leistungsverpflichtungen, kurz cRPO, von ungefähr 18%. Das lag unter den Erwartungen.
Jahresprognose und Erwartungen getrennt betrachten
Der Auftragsausblick und die angehobenen Jahresziele senden somit unterschiedliche Signale. Während ServiceNow für das Gesamtjahr höhere Werte anstrebt, enttäuschte der Blick auf das erwartete cRPO-Wachstum. Hinzu kamen Bedenken zur Monetarisierung künstlicher Intelligenz.
Für die Einordnung der Aktie zählt deshalb beides: Die höheren Unternehmensziele sprechen gegen eine pauschale Schwächethese. Die enttäuschten Erwartungen erklären zugleich, weshalb diese Anhebung nach dem Quartalsbericht nicht ausreichte, um die Anleger zu überzeugen.
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