ServiceNow steht vor einer entscheidenden Woche. Die Aktie notiert bei 84,50 Euro — knapp fünf Prozent unter dem Niveau vor einem Monat, mit einem RSI von 43,4, der weiteren Druck signalisiert. Drei Faktoren bestimmen, wohin der Kurs als nächstes läuft.
Zinsen regieren den Kurs
Kein Softwaretitel reagiert sensibler auf Zinsveränderungen als ServiceNow. Der Grund ist strukturell: Die Bewertung basiert auf Gewinnen, die weit in der Zukunft liegen. Steigen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, sinkt der Gegenwartswert dieser Gewinne — und mit ihm der Kurs.
Das zeigte sich zuletzt in beide Richtungen. Als die Trump-Regierung einen Friedensdeal ankündigte, der die Straße von Hormuz wieder öffnet, sprangen Yields nach unten — die Aktie legte 4,6 Prozent zu. Wenige Wochen zuvor hatte ein starker US-Arbeitsmarktbericht das Gegenteil bewirkt. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft — mehr als doppelt so viele wie erwartet. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3 Prozent. Zinssenkungen rücken damit in weite Ferne.
Jede neue Makrozahl nächste Woche — Inflationsdaten, Fed-Signale, Bewegungen am Anleihemarkt — kann den Kurs erneut deutlich bewegen.
Q2-Zahlen rücken näher
Das zweite Quartal endet am 30. Juni. ServiceNow hat für Q2 Umsätze aus Abonnements zwischen 3,815 und 3,820 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Unternehmen 15,735 bis 15,775 Milliarden Dollar an — ein Wachstum von 22 bis 22,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Analysten erwarten für Q2 einen Umsatz von rund 3,96 Milliarden Dollar. Die Ergebnisse sollen im Juli folgen. Einen offiziell bestätigten Berichtstermin gibt es noch nicht.
Armis drückt auf die Marge
Die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte belastet die Profitabilität. ServiceNow schloss die Übernahme des Cybersicherheitsunternehmens Armis am 20. April 2026 ab. Die Integration kostet — und das sieht man in den Zahlen.
Im ersten Quartal lag der Nettogewinn bei 469 Millionen Dollar. Analysten hatten 574 Millionen Dollar erwartet. Das Wachstum gegenüber dem Vorjahr betrug gerade einmal knapp zwei Prozent — während der Umsatz deutlich schneller zulegte. Die Nettomarge sank auf rund 12,6 Prozent, nach etwa 13,4 Prozent ein Jahr zuvor.
Das Ziel: eine einheitliche Sicherheitsplattform, die Armis‘ Echtzeit-Asset-Erkennung mit ServiceNows KI-Workflows verbindet. Ob sich das rechnet, werden die Q2-Zahlen zeigen.
Institutionelle Investoren uneins
Das Bild unter institutionellen Anlegern ist gespalten. Columbia Global Technology Growth Fund berichtete, ServiceNow habe im ersten Quartal 2026 über 30 Prozent verloren — als Opfer einer breiteren Neubewertung von SaaS-Modellen. Die Sorge: Das klassische Lizenzmodell gerät unter Druck, weil Unternehmen zunehmend auf KI-native Lösungen setzen.
Andere Investoren sehen das anders. Laut aktuellen 13F-Meldungen haben mehrere Hedgefonds ihre Positionen zuletzt deutlich aufgestockt. Insgesamt hielten 108 Hedgefonds ServiceNow-Aktien zum Ende des ersten Quartals — nach 118 im Quartal zuvor.
Analysten bullish, Kursziel deutlich gesunken
54 Wall-Street-Analysten haben ein durchschnittliches Kursziel von 149,62 Dollar. 83 Prozent empfehlen die Aktie zum Kauf. Allerdings: Das durchschnittliche Kursziel ist in den vergangenen drei Monaten um mehr als 23 Prozent gesunken. Benchmark setzte das Kursziel zuletzt auf 130 Dollar.
Die Aktie notiert derzeit rund 49 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 208,94 Dollar aus dem Juli 2025. Wer auf eine Erholung setzt, braucht zunächst ein klares Signal aus Washington — oder besser: sinkende Renditen.
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