ServiceNow hat in den vergangenen Wochen geliefert, und die Börse hat es honoriert. Der Kurs sprang am Freitag um 6,19 Prozent nach oben, auf Wochensicht steht ein Plus von 11,94 Prozent, über 30 Tage sind es 14,50 Prozent. Für mich ist das mehr als eine kurzfristige Erleichterungsrally – es ist die Bestätigung, dass ServiceNow im KI-Rennen der Softwarebranche zu den wenigen Unternehmen gehört, die tatsächlich Umsatz aus der Technologie ziehen. Trotzdem lohnt ein zweiter Blick, denn die gleiche Woche brachte auch eine Nachricht, die zur Wachstumserzählung nicht recht passen will: einen Stellenabbau von bis zu 1.000 Positionen.
Die Zahlen sprechen für sich – und für das Management
Am 22. Juli legte ServiceNow Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor, die auf breiter Front überzeugten. Der Gewinn je Aktie lag non-GAAP bei 0,90 Dollar und damit 5,09 Prozent über dem Konsens von 0,86 Dollar. Der Umsatz kletterte auf 3,99 Milliarden Dollar, ein Plus von 24,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 1,52 Prozent über den Erwartungen. Die Subscription-Umsätze wuchsen mit 24,5 Prozent auf 3,88 Milliarden Dollar sogar noch etwas schneller, und die künftigen Vertragsverpflichtungen (current remaining performance obligations) stiegen um 21 Prozent auf 13,20 Milliarden Dollar. Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Vertrauensbeweis: Kunden binden sich langfristig, nicht nur kurzfristig.
Besonders bemerkenswert finde ich das Tempo der KI-Monetarisierung. ServiceNow AI hat die Marke von 1,00 Milliarde Dollar im annualisierten Auftragswert überschritten, während sich agentische Einsätze binnen neun Monaten verneunfacht haben. Das ist keine vage Zukunftsvision, sondern belegtes Wachstum in der Gegenwart – und genau das dürfte den Kurssprung am Freitag erklären. Das Unternehmen selbst untermauerte diese Dynamik mit der Ankündigung von sechs vereinheitlichten Sicherheitslösungen unter dem Namen „Autonomous Security“, die auf prävention-orientierte, KI-native Cyberabwehr setzen, samt neuer KI-Spezialisten für autonome Sicherheitsabläufe.
Auch der Ausblick liest sich robust: Für das dritte Quartal 2026 rechnet ServiceNow mit Subscription-Umsätzen zwischen 3.975 und 3.980 Millionen Dollar, ein Wachstum von rund 20,5 Prozent. Die operative Marge soll bei 31 Prozent liegen. Für das Gesamtjahr hob das Management die Subscription-Umsatzprognose auf 15.760 bis 15.780 Millionen Dollar an, was einem Wachstum von etwa 22,5 Prozent entspricht. Einzig die Fremdwährungseffekte durch den starken Dollar trüben das Bild leicht – ServiceNow bezifferte den Gegenwind für das dritte Quartal auf rund 35 Millionen Dollar bei den Vertragsverpflichtungen. Das ist verkraftbar, aber eben kein Nullrisiko.
Der Stellenabbau relativiert die Euphorie
Und hier komme ich zum Punkt, der mich am meisten zum Nachdenken bringt. Parallel zu den starken Zahlen berichteten Medien über Pläne, im Laufe des Jahres 2026 bis zu 1.000 Rollen zu streichen – eine Folge der Integration der zugekauften Unternehmen Moveworks, Veza und Armis. ServiceNow ist mit rund 29.000 Mitarbeitern ins Jahr gestartet und zählt aktuell etwa 30.000 Beschäftigte. CEO Bill McDermott hat sich in Telefonkonferenzen öffentlich verpflichtet, das Unternehmen mit derselben Kopfzahl wie zu Jahresbeginn – vor den Übernahmen – ins Jahr 2027 zu führen. Ergänzend meldete das US-Arbeitsministerium eine WARN-Act-Mitteilung vom 10. Juni für Entlassungen zum 17. August, die 117 Mitarbeiter an den Standorten San Diego und Santa Clara betreffen.
Für mich zeigt das ein Unternehmen im Umbau, nicht in der Krise. Wachstum durch Zukäufe erzeugt Integrationskosten, und Personalanpassungen sind der Preis dafür, dass die operative Marge – laut Prognose bei 31,5 Prozent für das Gesamtjahr – nicht unter die Räder kommt. Wer nur auf die Wachstumszahlen schaut, übersieht diese Reibung. Wer nur auf die Entlassungen schaut, übersieht, dass das Management sie selbst als temporäres Rightsizing rahmt, mit dem Ziel, die Kopfzahl bis Jahresende wieder zu normalisieren.
Mein Fazit
Die Analystengemeinde bleibt mit einer Buy-Konsensbewertung von 32 Häusern grundsätzlich positiv gestimmt, wenngleich sich daraus keine frische Kursziel-Diskussion ableiten lässt. Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente für ServiceNow: Die KI-Monetarisierung ist real und wächst schneller als der Rest des Geschäfts, die Guidance wurde angehoben, nicht gesenkt. Der Stellenabbau ist unangenehm, aber er ist Teil eines Plans, keine Panikreaktion. Mit einer annualisierten Volatilität von 59,17 Prozent bleibt die Aktie freilich ein Papier für Anleger mit Nervenstärke – der jüngste Kursanstieg auf 108,00 Euro kam schließlich nicht ohne Grund so heftig.
ServiceNow-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ServiceNow-Analyse vom 08. August liefert die Antwort:
Die neusten ServiceNow-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ServiceNow-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 08. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
