ServiceNow bekommt mehr Spielraum für aktienbasierte Vergütung. Die Aktionäre haben eine deutliche Ausweitung des Beteiligungsplans genehmigt: 38 Millionen zusätzliche Aktien können künftig für Zuschüsse und Ausgaben genutzt werden. Für das Management ist das ein Instrument im Wettbewerb um Talente. Für die Aktie rückt die Verwässerungsfrage näher.
Mehr Aktien für die Vergütung
Auf der Hauptversammlung am 21. Mai stimmten die Anteilseigner für Änderungen am Equity-Incentive-Plan aus dem Jahr 2021. Nach der Erweiterung sind insgesamt 98.181.895 Aktien für Gewährungen und Ausgaben reserviert. ServiceNow begründet den Schritt mit einem engen Arbeitsmarkt und dem Bedarf, Schlüsselkräfte langfristig zu binden.
Die Vergütungspolitik wirkt dabei breiter als ein reines Chefetagen-Thema. Die durchschnittliche Burn Rate lag zuletzt bei rund 1,63 Prozent, der Overhang bei 6,23 Prozent. Damit will ServiceNow signalisieren, dass die Ausweitung kontrolliert bleibt.
Ein weiteres Argument: Rund 95 Prozent der im Jahr 2025 gewährten Aktien gingen an Mitarbeiter außerhalb des Topmanagements. Seit der letzten Zustimmung zu einer höheren Aktienzahl ist die Belegschaft um nahezu 50 Prozent gewachsen. Das macht die Logik der Maßnahme nachvollziehbar, nimmt aber den möglichen Verwässerungseffekt nicht vom Tisch.
Governance: viel Zustimmung, eine klare Grenze
Auch abseits des Vergütungsplans erhielt der Vorstand Rückenwind. Die komplette Liste der Verwaltungsratskandidaten wurde gewählt, PricewaterhouseCoopers als unabhängiger Abschlussprüfer bestätigt und das Vergütungspaket des Managements beratend gebilligt. Die jährliche Abstimmung über die Managervergütung bleibt ebenfalls verankert.
Eine Grenze zogen die Anteilseigner beim Vorschlag zu schriftlichen Zustimmungsrechten. Dieser hätte Aktionären mehr Möglichkeiten gegeben, Beschlüsse außerhalb einer regulären Versammlung anzustoßen. Der Verwaltungsrat hatte dagegen votiert und auf bestehende Governance-Strukturen verwiesen.
Damit entsteht ein klares Bild. ServiceNow bekommt Rückendeckung für Führung, Vergütung und Governance, allerdings nicht für jede Ausweitung von Aktionärsrechten. Das dürfte die Debatte über Kontrolle und Verwässerung nicht beenden, sondern auf die Umsetzung des Plans verlagern.
Wachstum bleibt robust, Kursbild angespannt
Operativ liefert ServiceNow weiter Wachstum. Im Auftaktquartal stieg der Abo-Umsatz um 22 Prozent auf 3,67 Milliarden Dollar, die Bindungsrate lag bei 97 Prozent. Das Unternehmen hob seine Jahresprognose an.
Trotzdem fiel die Aktie nach den Zahlen um 16 Prozent. Der Markt schaut damit nicht nur auf Wachstum, sondern stärker auf Qualität, Marge und die Frage, wie künstliche Intelligenz die Nachfrage nach klassischer Unternehmenssoftware verändert.
Die kurzfristigen vertraglichen Leistungsverpflichtungen legten um 22,5 Prozent auf 12,64 Milliarden Dollar zu. Diese Kennzahl ist im Softwaregeschäft wichtig, weil sie einen Blick auf bereits gesicherte künftige Erlöse gibt.
Ein wichtiger Teil der Wachstumserzählung bleibt KI. Hybride Preismodelle und ein beschleunigtes Ziel von 1,5 Milliarden Dollar jährlichem Vertragsvolumen im KI-Geschäft sollen die Sorge entschärfen, dass neue KI-Funktionen bestehende SaaS-Umsätze kannibalisieren.
Der Gegenpol ist der Kurs. Über ein Jahr liegt die Aktie 50,9 Prozent im Minus, seit Mitte Mai steht aber eine Erholung von 14,5 Prozent zu Buche. Kein Wunder, dass Anleger nervös auf jede Aussage zur Nachfrage reagieren.
Am 25. Mai notierte ServiceNow bei 102,13 Dollar. Damit bleibt der Abstand zu früheren Hochs groß, selbst nach der jüngsten Erholung.
Der Analystenkonsens liegt weiter deutlich über dem aktuellen Kurs. Das durchschnittliche Kursziel beträgt 142,77 Dollar, die Spanne reicht von 85 bis 236 Dollar.
Auch die Empfehlungen sind klar positiv geneigt. 43 Analysten raten zum Kauf, nur ein Analyst empfiehlt den Verkauf. Die Diskrepanz zwischen schwachem Kursverlauf und optimistischen Kurszielen macht die nächsten Managementaussagen umso wichtiger.
Der nächste konkrete Termin folgt am Mittwoch: Präsidentin und Finanzchefin Gina Mastantuono spricht am 27. Mai um 12.30 Uhr PT auf der Jefferies Software, Internet and AI Conference. Dort kann das Management drei Punkte adressieren: KI-Effekte auf die SaaS-Nachfrage, Timing staatlicher Aufträge und die Margenentwicklung. Nach der genehmigten Ausweitung des Aktienplans steht nicht nur Wachstum im Blick, sondern auch die Frage, wie teuer die Talentbindung für Aktionäre wird.
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