Zwei fehlende Events, ein möglicher Zulassungsantrag – und ein Kurs, der seit November um fast 1000 Prozent explodiert ist. Sellas Life Sciences steuert auf den entscheidenden Moment einer Phase-3-Studie zu, und die Wall Street positioniert sich bereits.
Die Aktie schloss am Freitag bei 13,05 Euro, ein Plus von 13 Prozent an einem einzigen Handelstag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 18 Prozent zu Buche, über einen Monat sind es 21 Prozent. Damit bleibt der Titel zwar rund 14 Prozent unter seinem Juni-Hoch von 15,25 Euro, hat sich seit dem Tief im November 2025 aber fast verzehnfacht.
Kursziel auf 35 Dollar angehoben
Die Investmentbank Alliance Global hob ihr Kursziel für Sellas am 17. August von 25 auf 35 Dollar an. Der Schritt kam nur wenige Tage, nachdem das Unternehmen seine Zahlen zum zweiten Quartal und ein Corporate-Update veröffentlicht hatte.
Wenige Tage später legte Maxim nach. Die Bank verwies am 19. August auf positive Daten aus einem onkologischen Impfstoffprogramm von Moderna. Diese Resultate würden laut Maxim auch für Sellas‘ eigene Studienergebnisse günstige Vorzeichen liefern, da beide Unternehmen im selben Feld der Immunonkologie forschen.
Die REGAL-Studie steht kurz vor dem Ziel
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die Phase-3-Studie REGAL zum Wirkstoff Galinpepimut-S bei akuter myeloischer Leukämie. Die finale Auswertung erfolgt erst nach dem 80. vordefinierten Ereignis in der Studie. Erst dieses Ereignis löst die Datensperre und die anschließende statistische Auswertung aus.
Mitte Mai meldete die für die Studie zuständige Auftragsforschungsorganisation 78 Ereignisse. Es fehlten damit nur noch zwei, um die finale Analyse zu starten. Sellas hat angekündigt, den Zeitpunkt des 80. Ereignisses öffentlich zu machen, sobald er eintritt.
Kriegskasse deutlich gefüllt
Vor diesem Datenpunkt hat sich auch die finanzielle Basis des Unternehmens spürbar verbessert. Zum 30. Juni 2026 verfügte Sellas über liquide Mittel von rund 138,3 Millionen Dollar. Ende September 2025 waren es noch 44,3 Millionen Dollar – ein Anstieg, der maßgeblich auf ausgeübte Optionsscheine zurückgeht.
Parallel zur REGAL-Studie treibt Sellas ein zweites Programm voran: SLS009, ein CDK9-Hemmer namens Tambiciclib. In der laufenden Phase-2-Studie bei neu diagnostizierter AML sind bereits 28 Patienten eingeschlossen, erste Topline-Daten werden für das vierte Quartal 2026 erwartet. Präklinische Arbeiten deuten zudem auf eine mögliche Wirksamkeit bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs hin, der gegen RAS-Hemmer resistent ist – die klinische Entwicklung dafür wird derzeit vorbereitet.
Was als Nächstes zählt
Sollte die finale Analyse der REGAL-Studie positiv ausfallen, hat das Management bereits signalisiert, dass ein Zulassungsantrag bei der FDA folgen könnte. Bis dahin bleibt die Situation binär: Die Studie ist entweder erfolgreich oder nicht, ein Mittelweg existiert nicht. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 100 Prozent dürfte der Kurs bis zur Bekanntgabe des 80. Ereignisses entsprechend schwankungsanfällig bleiben.
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