Die Nervosität rund um Sellas Life Sciences hat spürbar zugenommen. Für mich zeigt sich hier exemplarisch, wie juristische Störfeuer und klinische Zwischenstände aufeinandertreffen. Im Mittelpunkt steht die Phase-3-Studie REGAL zum Wirkstoffkandidaten Galinpepimut-S, bei der die Gemengelage derzeit kaum unübersichtlicher sein könnte.
Widersprüchliche Angaben zur REGAL-Studie
Am 10. September leitete die Kanzlei Pomerantz LLP eine Untersuchung gegen Sellas Life Sciences wegen des Verdachts auf Wertpapierbetrug ein und setzte ihre Investorenansprache am Freitag fort.
Die Vorwürfe kreisen um den Vorwurf unzeitiger Veröffentlichungen, nachdem die Studie angeblich ein vordefiniertes Ereignisziel erreicht haben soll. Medienberichten zufolge meldete das Unternehmen dagegen am Freitag einen Stand von 78 der insgesamt 80 für die finale Analyse erforderlichen Ereignisse.
Dieser fundamentale Widerspruch wiegt schwer. Während US-Kanzleien bei Biotech-Werten erfahrungsgemäß schnell mit Voruntersuchungen zur Stelle sind, zählen für die Bewertung vor allem die tatsächlichen klinischen Fakten. Solange das Studienprotokoll formal nicht abgeschlossen ist, bleibt der juristische Vorstoß für mich primär Begleitmusik einer hochvolatilen Phase.
Pipeline-Fortschritte abseits des Rechtsstreits
Dabei geraten andere Entwicklungen ungerechtfertigt in den Hintergrund. Bereits vor rund zwei Wochen wurden drei Abstracts zur Untersuchung von SLS009 (Tambiciclib) in Modellen des duktalen Pankreaskarzinoms für die Fachkonferenz der AACR angenommen. Die Forschungsarbeiten widmen sich unter anderem dem Wirkmechanismus und der Aktivität in KRAS-mutierten Modellen.
Dass solche Fortschritte in der Pipeline derzeit verpuffen, zeigt die einseitige Fixierung der Marktteilnehmer auf das Leukämie-Programm. Die Wahrnehmung wird von der Furcht vor Rechtsrisiken dominiert, obwohl die breitere Plattform intakt bleibt.
Chancen und Risiken im Fazit
Gestern schloss das Papier mit einem Minus von 4,3 Prozent bei 9,76 Euro. Trotz dieser jüngsten Schwächephase verzeichnet die Aktie seit Jahresanfang ein deutliches Plus von 244 Prozent. Die Diskrepanz zwischen kurzfristigen Kursausschlägen und operativer Substanz ist damit weiterhin beachtlich.
Unterm Strich steht Sellas an einer wegweisenden Wegmarke. Für Anleger dürfte die Phase bis zur finalen Datenentblindung zwar nervenaufreibend bleiben, doch die Chancen einer regulären Studienauswertung überwiegen für mich die aktuellen Rechtsunsicherheiten.
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