Prologis hat die Zurückhaltung aufgegeben. Nachdem das US-amerikanische Logistikunternehmen seinen 12,6 Milliarden Pfund schweren Übernahmevorschlag für Segro zunächst vertraulich unterbreitet hatte, machte es das Angebot heute öffentlich — ein klarer Versuch, den Druck auf das Segro-Board zu erhöhen.
Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten. Segro-Aktien sprangen um rund 15 Prozent nach oben und markierten damit den höchsten Stand seit September 2024.
Ein Angebot ohne Aufschlag auf den Buchwert
Die Konditionen sind eindeutig: Prologis bietet 0,084 neue eigene Aktien je Segro-Aktie, was einem implizierten Wert von 925 Pence entspricht — ein Aufschlag von rund 25 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag. Allerdings entspricht dieser Preis genau dem zuletzt gemeldeten Nettoinventarwert je Aktie per Ende 2025. Ein echter Aufschlag auf den Buchwert ist das nicht.
Genau hier liegt der Kern der Auseinandersetzung. Segro lehnte den Vorschlag einstimmig als zu niedrig ab und bezeichnete ihn als „opportunistisch“. Das Board argumentiert, das Angebot spiegle den eigentlichen Wert des Unternehmens nicht wider — insbesondere nicht das Potenzial der Entwicklungspipeline im Bereich Logistik und Rechenzentren, die vom KI-getriebenen Datenwachstum profitieren soll.
Prologis hält dagegen: Segro habe in den vergangenen zwei bis drei Jahren im Schnitt mit einem Abschlag von rund 17 bis 19 Prozent auf seinen Nettoinventarwert gehandelt. Mit seiner globalen Plattform und einem stärkeren Bilanzkraft könne Prologis diesen Wert freisetzen — allein schaffe Segro das strukturell nicht.
Uhr tickt bis zum 22. Juli
Das britische Übernahmerecht setzt nun einen klaren Zeitrahmen. Prologis muss bis spätestens 22. Juli 2026 entweder ein verbindliches Angebot ankündigen oder die Sache fallen lassen. Diese Deadline verleiht den kommenden Wochen erhebliches Gewicht.
Analysten sind skeptisch, ob Prologis bereit ist, nennenswert nachzubessern. Quilter-Cheviot-Analyst Oli Creasey sieht wenig Spielraum für eine Erhöhung, die den Buchwert übersteigt. Panmure-Liberum-Analyst Bjorn Zietsman bezweifelt hingegen, ob das aktuelle Angebot die Aktionäre ausreichend für künftiges Ertragswachstum und Segros Vermögenswerte entschädigt. Das Analystenbild ist gespalten — und das dürfte den Druck auf Segros Board erhöhen, eine überzeugende Standalone-Story zu liefern.
Prologis verfügt über eine nachgewiesene Erfolgsbilanz bei Warehouse-REIT-Übernahmen. Bei früheren Deals erzielte das Unternehmen erhebliche Wertzuwächse für Aktionäre der übernommenen Unternehmen. Ob Segro-Aktionäre diesmal auf ähnliche Ergebnisse bestehen werden, hängt davon ab, wie glaubwürdig das Board seinen eigenen Wertschöpfungsplan in den nächsten vier Wochen kommunizieren kann.
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