Der Kurssturz von SpaceX trifft den britischen Investmentfonds Scottish Mortgage Investment Trust mitten ins Portfolio. Der Raumfahrt- und KI-Konzern ist mit 25,7 Prozent des verwalteten Vermögens die mit Abstand größte Einzelposition des Trusts – und genau dieser Wert hat seit seinem Höchststand kräftig an Boden verloren. SpaceX ging Mitte Juni mit einem Ausgabepreis von 135 Dollar an die Börse, kletterte rasch auf ein Hoch von 211 Dollar und fiel bis zum heutigen Handelstag auf rund 115 Dollar zurück.
SpaceX-Schwäche schlägt auf den Trust durch
Die Abhängigkeit von der einzelnen Position zeigt sich unmittelbar im Kursverlauf von Scottish Mortgage. In London war das Papier am 6. Juli noch bis auf ein Hoch von 1.509 Pence gestiegen, ehe es in der Folge um rund zwölf Prozent auf zuletzt etwa 1.357 Pence nachgab. Der Rückgang fällt zeitlich exakt mit dem Einbruch bei SpaceX zusammen, dessen Aktie inzwischen rund die Hälfte ihres Zwischenhochs eingebüßt hat. SpaceX hatte 2025 einen Verlust von rund 5 Milliarden Dollar ausgewiesen, im ersten Quartal 2026 kamen weitere 4 Milliarden Dollar Fehlbetrag hinzu – Zahlen, die die hohe Bewertung des Unternehmens zunehmend infrage stellen.
Im deutschen Handel notiert die Scottish-Mortgage-Aktie am heutigen Montag bei 15,73 Euro und legt damit um 3,32 Prozent zu. Vom 52-Wochen-Hoch aus Ende Mai bei 19,50 Euro trennen das Papier dennoch weiterhin knapp 19,3 Prozent. Die heutige Erholung dürfte auch damit zusammenhängen, dass Anleger die jüngste SpaceX-Schwäche differenzierter bewerten: Während der Kurs zeitweise unter das Ausgabeniveau fiel, kauften Investoren wie Cathie Woods Ark Invest zuletzt gezielt in den Rücksetzer hinein.
Bewertungsabschlag weitet sich aus
Die Verunsicherung um die größte Portfolioposition spiegelt sich auch im Bewertungsabschlag des Trusts wider. Scottish Mortgage handelt derzeit mit einem Abschlag von 10,9 Prozent zum Nettoinventarwert, deutlich mehr als der Zwölf-Monats-Durchschnitt von 6,7 Prozent. Ein größerer Abschlag zeigt in der Regel, dass der Markt dem Fondsmanagement bei der Bewertung der Bestände – insbesondere nicht börsennotierter oder frisch notierter Wachstumswerte wie SpaceX – misstraut.
Dabei ist das Portfolio insgesamt breiter aufgestellt, als der Fokus auf SpaceX vermuten lässt: 101 Einzeltitel halten die Manager, unter den größten Positionen finden sich der Chiphersteller TSMC mit 6,4 Prozent und Nvidia mit 5 Prozent des Vermögens, gefolgt von ByteDance und Amazon. Diese Streuung dämpft zwar das Risiko einzelner Ausreißer, ändert aber wenig daran, dass ein Viertel des Fondsvermögens auf ein einziges, erst wenige Wochen börsennotiertes Unternehmen entfällt.
Baillie Gifford und Analysten bleiben investiert
Die Fondsgesellschaft Baillie Gifford, die Scottish Mortgage managt, war schon vor dem Börsengang bei SpaceX investiert. Über offene Fonds wie den American Fund und Long Term Global Growth hatte das Haus rund 200 Millionen Pfund vorab investiert; beim Börsengang war die Beteiligung nach Angaben aus dem Fondsumfeld bereits rund 4 Milliarden Pfund wert. Trotz des jüngsten Kurseinbruchs haben die Investmenttrusts ihre Anteile bislang nicht abgestoßen.
Von der Analystenseite kommt vorerst Zurückhaltung: Canaccord Genuity stufte Scottish Mortgage Mitte Juli mit „Hold“ ein. Die kommenden Wochen dürften weitere Klarheit bringen – am 6. August läuft die Haltefrist für SpaceX-Altaktionäre aus, wodurch nach Marktberichten bis zu 911 Millionen weitere Aktien handelbar werden könnten. Ein solcher Angebotsschub gilt als Belastungsfaktor für den ohnehin volatilen Kurs und damit indirekt auch für den Nettoinventarwert von Scottish Mortgage. Beobachter aus dem britischen Technologiesektor werten die Entwicklung bei Scottish Mortgage und dem vergleichbaren Polar Capital Technology Trust zugleich als Stimmungsbarometer für britische Technologie- und KI-Aktien insgesamt.
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