DAX rutscht von Rekordhoch ab
Der September hat an den Börsen traditionell einen schwierigen Ruf – und der Handelsauftakt bestätigt dieses Muster. Der deutsche Leitindex DAX verlor am letzten Handelstag im August rund 1,2 % und entfernte sich damit weiter von seinem jüngsten Rekordhoch. Erst am Freitag zuvor hatte der Index bei knapp über 26.600 Punkten eine neue Bestmarke markiert. Nun droht ihm erstmals seit Juli der Rutsch unter die 21-Tage-Linie, eine von kurzfristig orientierten Anlegern häufig beachtete Trendmarke.
Auslöser des Rückschlags ist keine isolierte Nachricht, sondern eine Gemengelage mehrerer Faktoren. Zum einen die Geopolitik: Die erneute Eskalation im Konflikt zwischen dem Iran und den USA – erneute Angriffe auf Ziele im Iran – hat die Öl- und Gaspreise deutlich steigen lassen. Damit rücken teurere Energiepreise und die Inflationsdiskussion wieder in den Vordergrund, zumal die Europäische Zentralbank in der kommenden Woche zu ihrer Sitzung zusammenkommt und Marktteilnehmer einen weiteren Zinsschritt nach oben nicht ausschließen.
Zum anderen belasten steigende Marktrenditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erreichte den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren. Nach Aussagen von US-Notenbankchef Kevin Walsh am vergangenen Freitag rechnen die Märkte zudem wieder verstärkt mit einer Leitzinserhöhung in den USA im September. In einem solchen Umfeld geraten insbesondere zinssensitive Aktien unter Druck – Immobilienwerte etwa standen zuletzt spürbar unter Verkaufsdruck, da ihr Geschäftsmodell stark auf Fremdfinanzierung basiert.
Gemischtes Bild in den USA
Auch an der Wall Street dominierten zuletzt bei zwei der drei großen Indizes die Verluste: Der Dow Jones gab 0,7 % ab, der S&P 500 verlor 0,3 %. Der S&P 500 profitierte dabei vom hohen Gewicht der großen Technologiewerte, die sich vergleichsweise robust zeigten. Der Nasdaq 100 konnte sogar gegen den allgemeinen Trend leicht zulegen. Ölwerte wie Chevron und Exxon waren wegen der gestiegenen Ölpreise gefragt und gewannen zwischen knapp 2 % und knapp 3 % hinzu. Von einem großflächigen Ausverkauf kann nach dieser Lesart keine Rede sein, vielmehr handelte es sich um Positionsanpassungen. Die Öl-Iran-Thematik gilt erfahrungsgemäß als volatil, sodass die Nachhaltigkeit der jüngsten Reaktion offenbleibt.
Trotz der aktuellen Unsicherheiten zeigt sich mit Blick auf das Jahresende noch kein ausgeprägter Pessimismus. Analysten verweisen auf die positive Entwicklung der Unternehmensgewinne, die stark bleiben und sich in gestiegenen Erwartungen widerspiegeln. Hinzu kommt die Erholung der Einkaufsmanagerindizes, die auf weitere expansive konjunkturelle Entwicklungen hindeutet. Die gestiegenen Anleihezinsen und Marktrenditen geben zwar Anlass zur Beobachtung, müssen den Markt aber nicht zwangsläufig ausbremsen – an den grundlegenden Wachstumsstorys vieler Aktien hat sich bislang nichts geändert.
Nebenwerte im Blick: Vier Firmen mit besonderen Storys
Abseits der Indexbewegungen rücken derzeit vor allem Nebenwerte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Fokus, die sich auf Kapitalmarktkonferenzen präsentieren. Vier Unternehmen mit besonders interessanten Geschäftsmodellen sollen im Folgenden näher beleuchtet werden. Auch Nebenwerte agieren dabei nicht losgelöst von übergeordneten Trends wie Zinsentwicklung und Energiepreisen – Privatanleger fokussieren sich bei ihrer Einschätzung jedoch meist stärker auf die jeweiligen Geschäftsmodelle, etwa technologische Exzellenz oder Wachstumschancen in Nischenmärkten.
Daldrup & Söhne – Marktführer in der tiefen Geothermie
Daldrup & Söhne ist ein Bohrdienstleister mit einem rund 80-jährigen Track Record, ein familiengeführtes mittelständisches Unternehmen in dritter Generation und Marktführer im Bereich der tiefen Geothermie – einem Segment, in dem sich regulatorisch derzeit viel bewegt.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen eine Gesamtleistung von 51,1 Millionen Euro, ein Rückgang um gut 6 % gegenüber dem Vorjahr. Im Gegenzug legte das operative Ergebnis deutlich zu: Der Vorsteuergewinn kletterte um knapp 26 % auf 8,7 Millionen Euro, die entsprechende Marge verbesserte sich von 12,7 % auf 17,1 %. Der Konzernüberschuss wurde mehr als verdreifacht. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich diese Entwicklung fort: Die Konzerngesamtleistung stieg um 56 %, das EBIT um rund 30 %. Die Marge lag mit 10,7 % unter dem Vorjahreswert von 12,8 %, was vor allem mit den Kosten neuer Großprojekte im Zusammenhang mit dem starken Wachstum zusammenhängt.
Im Juli des Vorjahres hatte Daldrup den größten Einzelauftrag seiner Geschichte gewonnen – ein Geothermie-Projekt in Pullach im Isartal mit einem Auftragswert im oberen zweistelligen Millionenbereich, das die Gesamtleistung und das Ergebnis bis 2028 stützen dürfte. Der Auftragsbestand lag per Ende August bei 132 Millionen Euro. Das mit Eintrittswahrscheinlichkeiten bewertete Marktvolumen für mögliche künftige Aufträge kletterte auf 371 Millionen Euro, verglichen mit 136 Millionen Euro vor vier Jahren.
Treiber dieser Entwicklung ist unter anderem das im Dezember 2025 vom Bundestag beschlossene Geothermiebeschleunigungsgesetz, das der Erdwärme ein überragendes öffentliches Interesse zuschreibt und Genehmigungsverfahren beschleunigt. Hinzu kommt die kommunale Wärmeplanung, die größere Städte zur Planung ihrer Wärmezukunft verpflichtet – rund zwei Drittel der Kommunen setzen dabei ersten Daten zufolge auf tiefe Erdwärme. Auch die Finanzierungsseite, früher oft eine Bremse, wurde deutlich verbessert. Für das laufende Jahr rechnet Daldrup mit einer Gesamtleistung von rund 58 Millionen Euro und einer EBIT-Zielmarge zwischen 11,5 % und 13,5 %.
Deutsche Rohstoff – Wette auf zwei Beinen
Deutsche Rohstoff ist ein Öl- und Gasförderer mit operativen Schwerpunkten in den USA sowie einem Beteiligungsportfolio, dessen größter Posten die Beteiligung am Wolfram-Produzenten Almonti ist. Ein Teilverkauf dieser Beteiligung sorgte im ersten Halbjahr für einen kräftigen Sondereffekt.
Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 8 % auf 110 Millionen Euro. Das EBITDA wurde durch den Verkaufserlös von rund 165 Millionen Euro auf rund 205 Millionen Euro fast verdreifacht. Das Nettoergebnis sprang von 15,5 auf 134,7 Millionen Euro. Rechnet man die Sondereffekte heraus, entwickelte sich auch das operative Kerngeschäft positiv: Der operative Gewinn in diesem Bereich stieg von 15,8 auf 23,2 Millionen Euro, ein Plus von 47 %.
Für die zweite Jahreshälfte erwartet Deutsche Rohstoff eine Beschleunigung des Tempos. Wurden im ersten Halbjahr rund 13.500 Barrel Äquivalent pro Tag gefördert, soll die Förderung im zweiten Halbjahr auf durchschnittlich 25.000 Barrel pro Tag steigen. Auf dieser Basis soll sich der Umsatz im Öl- und Gasgeschäft auf rund 200 Millionen Euro nahezu verdoppeln. Möglich machen dies ein Investitionsbudget von bis zu 320 Millionen Euro und ein Bohrprogramm mit 32 selbstbetriebenen Bohrungen.
Strategisch hat das Unternehmen eine Wende vollzogen: Kalkulierte man in Zeiten niedriger Ölpreise noch mit 60 US-Dollar je Barrel WTI und setzte auf Werterhalt und stabilen Cashflow, rechnet Deutsche Rohstoff angesichts gestiegener Ölpreise nun konservativ mit durchschnittlich 75 US-Dollar und hat auf Wachstum umgeschaltet. Der Unternehmenswert bleibt dabei eng an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt.
Hornbach Holding – solides Wachstum im schwierigen Konsumumfeld
Die Hornbach Holding zählt zu den bekanntesten Bau- und Gartenmarktkonzernen und gilt als solide aufgestelltes, defensives Familienunternehmen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 stieg der Nettoumsatz um 4,9 % auf rund 2 Milliarden Euro, getragen vor allem vom Auslandsgeschäft in den Niederlanden, Tschechien und der Slowakei. Das bereinigte operative Ergebnis lag mit 161 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahreswert, die Marge sank leicht, vor allem wegen höherer Personalkosten.
Das Unternehmen erschließt neue Märkte, im Fokus steht dabei Serbien, wo Ende kommenden Jahres die ersten Märkte eröffnet werden sollen. Im ersten Quartal flossen rund 56 Millionen Euro in Investitionen, was das Ergebnis kurzfristig belastet, aber perspektivisch Wachstum bringen soll. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde bestätigt: Hornbach rechnet mit einem Nettoumsatz auf oder leicht über dem Vorjahresniveau von 6,4 Milliarden Euro. Neben dem traditionellen Schwerpunkt auf Privatkunden hat das Unternehmen seit der Corona-Zeit auch den Bereich Gewerbekunden deutlich ausgebaut und sieht dort weiteres Potenzial.
FACC – Zulieferer im Windschatten des Luftfahrt-Booms
Der österreichische Luftfahrtzulieferer FACC ist Entwicklungspartner großer Flugzeug- und Triebwerkhersteller wie Airbus, Boeing und Embraer und profitiert vom anhaltenden Wachstum in der Luftfahrtbranche. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Konzernumsatz um 8,6 %, das EBIT verbesserte sich um 38 %. Die Marge kletterte von 3,8 % auf 4,8 %, das Nettoergebnis stieg von 9,8 auf 15 Millionen Euro.
Das Marktumfeld bleibt vorteilhaft: Die Flugzeughersteller planen für das laufende Jahr die Auslieferung von bis zu 1.700 neuen Maschinen. Zusätzlich zeigt das unternehmensinterne Effizienzprogramm „Core“ Wirkung. Für das Gesamtjahr strebt FACC ein Umsatzwachstum von 10 bis 15 % an – bei Erreichen dieses Ziels würde erstmals in der Firmengeschichte die Umsatzmilliarde geknackt. Die Marge soll von 5,25 % auf 6,25 % steigen. Diese ambitionierten Prognosen wurden zuletzt am Markt teils kritisch gesehen, was zu einer Korrekturphase bei der Aktie führte. An der strategischen Positionierung des Unternehmens und dem grundsätzlich vorteilhaften Branchenumfeld ändert dies jedoch nichts.
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