Null Prozent bleibt null Prozent – und trotzdem war der Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank an diesem Donnerstag alles andere als eine Formalität. Denn während die Notenbank ihren Leitzins wie erwartet unverändert ließ, deutete sich zwischen den Zeilen eine Wende an, die Anleger und Devisenhändler aufhorchen ließ.
Nullzins mit Verfallsdatum?
Die SNB projiziert einen Leitzins von null Prozent bis ins dritte Quartal 2028 – das allein wäre wenig überraschend. Bemerkenswerter ist die leicht angehobene Inflationsprognose: Die Notenbank rechnet nun mit einer Teuerung von 0,7 Prozent in diesem Jahr und jeweils 0,8 Prozent in den beiden Folgejahren.
Das Wirtschaftswachstum sieht sie bei 1,5 bis 2 Prozent für 2026 und rund 1,5 Prozent für 2027 – solide Werte für ein Land, das lange mit Deflationssorgen kämpfte.
Genau diese Kombination aus steigender Inflation und robusterem Wachstum nährt Spekulationen, dass die Ära der Nullzinsen ihrem Ende entgegengeht. SNB-Präsident Martin Schlegel blieb in seiner Kommunikation zurückhaltend, doch die Formulierung zur Interventionsbereitschaft am Devisenmarkt wurde spürbar abgeschwächt – gestrichen wurde sie allerdings nicht.
Franken gibt nach
Die Marktreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der Dollar kletterte auf den höchsten Stand gegenüber dem Franken seit rund einem Jahr, zeitweise auf ein Anderthalbjahres-Tief von 0,8284. Der Euro überwand die Marke von 0,94 Franken und markierte ein Dreitageshoch bei 0,9434.
Schlegel führte die Frankenschwäche teilweise auf die wachsende Zinsdifferenz zur Euro-Zone und den USA zurück. Mit einem Leitzins von null Prozent bleibt die Schweizer Währung im Vergleich zum Dollar und Euro schlicht weniger attraktiv für Anleger, die auf Rendite aus sind – ein Mechanismus, der sich in der aktuellen Kursbewegung deutlich zeigt.
Die schwedische Riksbank traf am selben Tag eine ähnlich unspektakuläre Entscheidung und beließ ihren Leitzins bei 1,75 Prozent. Der Unterschied liegt im Ton: Während sich die SNB weiterhin vorsichtig-taubenhaft gibt, signalisiert Schweden Bereitschaft zu einer baldigen Zinsanhebung. Genau dieser Kontrast markiert, wie isoliert die Schweiz mit ihrer Nullzinspolitik inzwischen dasteht.
Der nächste geldpolitische Entscheid dürfte zeigen, ob die leicht angehobenen Inflationsprognosen tatsächlich der erste Schritt hin zu einer Zinswende sind oder ob die SNB ihren vorsichtigen Kurs bis 2028 durchhält.
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