Rekordzuflüsse, Gewinnsprung, trotzdem Abschläge: Bei Schwab klaffen operative Stärke und Marktreaktion nach den Zahlen zum dritten Quartal auseinander. Nun senkt Goldman Sachs das Kursziel, und der Grund liegt weniger im Geschäft als in der Zinsmarge.
Starke Zahlen, schwache Reaktion
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,69 Dollar und damit über den Erwartungen von rund 1,65 Dollar. Ein Jahr zuvor waren es 1,31 Dollar. Der Umsatz erreichte etwa 7,2 Milliarden Dollar, nach gut 6,1 Milliarden im Vorjahresquartal.
Die Aktie gab dennoch um mehr als zwei Prozent nach und schloss bei 94,16 Dollar. Als möglicher Auslöser gilt die Nettozinsmarge von 3,04 Prozent, die den Mittelwert der Analystenschätzungen knapp verfehlte. Zudem stützt sich Schwab stärker auf Fremdfinanzierung am Großhandelsmarkt.
Operativ lief es hingegen rund. Die Nettoneugeldzuflüsse stellten mit 190,4 Milliarden Dollar einen Rekord auf. Das verwaltete Kundenvermögen stieg um 15 Prozent auf 13,3 Billionen Dollar, 1,2 Millionen neue Brokerkonten kamen hinzu.
Goldman und Citizens setzen unterschiedliche Akzente
Goldman Sachs senkt das Kursziel von 122 auf 117 Dollar, bleibt aber bei „Buy“. Die Gewinnschätzungen für 2027 und 2028 gehen leicht zurück, weil die Analysten die Entwicklung der Nettozinserträge vorsichtiger sehen.
Die Einlagen sanken im Quartal um 2 Prozent auf 244 Milliarden Dollar, und das zieht den Finanzierungsmix nach unten. Schwab-Management begründet das mit reger Marktaktivität der Kunden. Die Zinserträge und die Marge sollen aber 2027 und 2028 wieder steigen.
Citizens bestätigt „Market Outperform“ mit 120 Dollar Kursziel, senkt aber den angesetzten Bewertungsfaktor von 16,5 auf 16 für den Gewinn 2027. Dieselbe Kundendynamik, die kurzfristig die Marge drücke, sorge für Rekordzuflüsse, mehr Kredite und stärkere Nachfrage nach Beratung.
Die Bewertung wirkt moderat: Auf Basis der Goldman-Schätzungen kostet die Aktie das Zwölffache des Gewinns 2027, historisch war es im Schnitt das Sechzehnfache. Am Markt belasten Sorgen um die Erträge aus der Cash-Sweep-Anlage, die die gesamte Branche betreffen.
KI als Wachstumsthema
CEO Rick Wurster betonte in der Telefonkonferenz die KI-Strategie. Kunden und Berater erhalten eigene Werkzeuge, darunter den Assistenten Charley. Gemeinsam mit Anthropic entstehen zudem KI-Tools für registrierte Anlageberater. Fremden KI-Agenten will Schwab den Zugriff auf Kundenkonten dagegen begrenzen.
Entscheidend ist nun die Marge: Zeigt sie ab 2027 wie vom Management angekündigt nach oben, würde das den Kern der aktuellen Kursziel-Kürzungen entkräften. Die Zuflüsse liefern dafür derzeit das Fundament.
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