Schrödinger hat heute einen weiteren Termin für den Austausch mit Anlegern angekündigt: Das Management nimmt am 10. November 2026 an der UBS Global Healthcare Conference teil. Inhaltlich steht eine zentrale Frage im Raum: Kann die stärkere Nutzung gehosteter Software den zunächst belasteten Umsatzausweis durch wachsende Verträge ausgleichen? Hinweise darauf soll bereits der Quartalsbericht am 4. November liefern.
Die Konferenz folgt damit unmittelbar auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen. Für Anleger bietet sie eine zusätzliche Gelegenheit, die Entwicklung des Softwaregeschäfts und die Vermarktung des KI-Agenten Bunsen einzuordnen.
Gehostete Software verändert den Umsatzausweis
Der Anteil gehosteter Angebote am Softwareumsatz stieg im zweiten Quartal 2026 auf 47 %. Im Vorquartal waren es 34 %. Das Management will diesen Vertriebsansatz weiter ausbauen.
Der Wechsel erschwert allerdings die Interpretation der Umsatzentwicklung. Ein schwächerer ausgewiesener Erlös muss nicht automatisch bedeuten, dass auch das Vertragsgeschäft nachlässt. Entscheidend ist deshalb, ob die Vertragskennzahl ACV und die Kundennutzung den Umbau bestätigen.
Je Prozentpunkt höheren Hosted-Anteils erwartet das Management 2–3 Mio. $ weniger ausgewiesenen Umsatz. Für das dritte Quartal 2026 rechnen Analysten mit rund 46,0 Mio. $ Umsatz und einem Verlust von 0,65 $ je Aktie.
Diese Erwartungen sind keine gemeldeten Ergebnisse. Sie verdeutlichen aber die Hürde für den anstehenden Bericht: Schrödinger muss den Zusammenhang zwischen Vertragswachstum und schwächerem Umsatzausweis nachvollziehbar machen.
Für das Gesamtjahr nennt Schrödinger ein ACV-Ziel von 218–228 Mio. $. Das entspricht dem angestrebten Wachstum von 10–15 %. Zugleich erwartet das Unternehmen im Bereich Wirkstoffentdeckung einen Umsatz von 65–75 Mio. $.
Bunsen muss Kunden überzeugen
Neben der Umstellung des Softwaregeschäfts rückt Bunsen in den Vordergrund. Der KI-Agent wählt validierte physikbasierte Methoden für Modellierungsaufgaben aus. Wissenschaftler müssen den vorgeschlagenen Plan freigeben; das System arbeitet damit nicht ohne fachliche Kontrolle.
Nach Angaben von Schrödinger führt Bunsen inzwischen rund 80 % der Modellierungsaufgaben auf dem eigenen Hochleistungsrechner-Cluster aus. Der frühe Kundenzugang begann Ende Juli 2026. Den vollständigen kommerziellen Start plant das Unternehmen bis Ende 2026.
Die starke interne Nutzung belegt allerdings noch keinen entsprechenden kommerziellen Erfolg. Lizenzbedingungen sind bislang nicht bekannt. Auch ein kontrollierter Vergleich zur Qualität der Entscheidungen fehlt. Für Anleger zählt deshalb, ob Schrödinger konkrete Hinweise auf zahlende Kunden und zusätzliche Vertragsabschlüsse liefern kann.
Vertragswachstum und Marge zusammen betrachten
Die Software-Bruttomarge lag im zweiten Quartal bei 71 %, nach 76 % im Vorjahresquartal. Zugleich wuchs die Vertragskennzahl ACV um 27 %.
Damit stehen sich ein wachsendes Vertragsgeschäft und eine niedrigere Marge gegenüber. Der Quartalsbericht muss zeigen, wie sich dieses Spannungsverhältnis entwickelt. Die interne Verbreitung von Bunsen allein beantwortet diese Frage nicht.
Besonderes Gewicht erhält zudem das Schlussquartal: Typischerweise entfällt mehr als die Hälfte des jährlichen ACV darauf. Die nächsten Managementaussagen sind deshalb vor allem daran zu messen, ob sie die Jahresziele und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Softwareumbaus untermauern.
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