Gleich zwei Nachrichten bewegen Schneider Electric am Dienstagmorgen: Eine US-Großbank stuft den Konzern ab, und im Hintergrund läuft eine zweite Übernahme planmäßig weiter. Beide Themen hängen an der Frage, wie viel Zukauf der Konzern verträgt.
JPMorgan stuft ab
JPMorgan hat die Aktie von „Overweight“ auf „Neutral“ gesenkt. Das Kursziel sinkt von 345 auf 310 Euro. Analyst Phil Buller begründet den Schritt mit der angekündigten Übernahme des US-Softwareanbieters PTC.
Buller hält PTC durchaus für einen guten Vermögenswert. Auch den jüngsten Kursrutsch von Schneider hält er für übertrieben. Allerdings sei die Aktie zuvor schon stark gelaufen. Sein bisheriges Votum stützte sich vor allem auf das organische Wachstum im Energiemanagement.
Mit dem Zukauf baue der Konzern nun den weniger attraktiven Bereich der Industrieautomatisierung aus. Buller bevorzugt deshalb den Konkurrenten Legrand.
Der Deal gilt als größter Zukauf der Firmengeschichte. Neben dem hohen Kaufpreis belasten zusätzliche Schulden die Aktie. Ob die erwarteten Synergien den finanziellen Aufwand rechtfertigen, bleibt der zentrale Punkt der Debatte.
Shelly-Übernahme kommt voran
Parallel dazu gibt es Fortschritte bei einem kleineren Projekt. Der Verwaltungsrat des bulgarischen IoT-Spezialisten Shelly Group unterstützt das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot von Schneider. Er hält die gebotenen 70 Euro je Aktie in bar für finanziell fair und angemessen.
Der Preis liegt rund 27 Prozent über dem sechsmonatigen volumengewichteten Durchschnittskurs vor Bekanntwerden der Gespräche. Schneider will den Firmensitz in Bulgarien sowie Organisation und Belegschaft mindestens drei Jahre nach Abschluss erhalten. Dazu zählen Entwicklung, Vertrieb und Management.
Die Mindestannahmeschwelle bleibt bei 95 Prozent. Das ist eine hohe Hürde, denn fast alle Aktionäre müssen mitziehen. Die begründete Stellungnahme des Boards folgt zusammen mit der Angebotsunterlage, sobald die bulgarische Finanzaufsicht diese genehmigt hat. Bis dahin sollen Shelly-Aktionäre nichts unternehmen.
Was jetzt zählt
Die Abstufung zeigt, wie der Markt die Strategie liest: weg vom reinen Energiemanagement, hin zu mehr Software und Automatisierung. Das gefällt nicht jedem. Der nächste konkrete Termin ist die Freigabe der Shelly-Angebotsunterlage durch die bulgarische Aufsicht, erst danach startet die Annahmefrist.
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