Analysten halten Abverkauf für übertrieben
Nach dem deutlichen Kursrückschlag bei Schneider Electric gehen die Meinungen am Markt weit auseinander. Während Anleger die geplante Ausweitung des Softwaregeschäfts mit Verkäufen quittierten, stellen sich erste Analysehäuser gegen die schlechte Stimmung.
Jefferies hob das Kursziel für den französischen Konzern von 289 auf 323 Euro an und bekräftigte die Kaufempfehlung. Analyst Lucas Ferhani begründete den Schritt damit, dass die Marktreaktion auf einem mangelnden Verständnis für die Transaktion beruhe. Das Management könne einen Teil des verlorenen Vertrauens zurückgewinnen, auch wenn andere Faktoren Zeit benötigten.
Rückendeckung kommt ebenfalls von der Deutschen Bank Research, die ihre Einstufung auf Buy mit einem Kursziel von 325 Euro beließ. Auch dort wird der jüngste Kursrutsch als überzogen bewertet. Im Handel notiert das Papier von Schneider Electric bei 256,45 Euro und verzeichnet über sieben Tage ein Minus von 13 Prozent. Damit fiel der Titel auch unter seinen 200-Tage-Durchschnitt von 268,21 Euro zurück.
Hohe Finanzierungslast schürt Skepsis am Markt
Die Skepsis der Investoren speist sich vor allem aus dem finanziellen Umfang der Expansion. Im Zentrum steht die vereinbarte Barübernahme des US-Spezialisten PTC für 205 US-Dollar je Aktie, was einem Eigenkapitalwert von rund 22,6 Milliarden US-Dollar entspricht. Dieser Schritt stellt die größte Akquisition in der Geschichte des französischen Industriekonzerns dar.
Zur Finanzierung plant Schneider Electric die Ausgabe neuer Aktien im Umfang von 5 bis 6 Milliarden Euro. Der weitaus größere Teil soll über neue Verbindlichkeiten zwischen 16 und 17 Milliarden Euro gestemmt werden. Dieser hohe Fremdkapitalbedarf in Verbindung mit der gezahlten Übernahmeprämie belastet die Stimmung spürbar.
Zudem treibt Marktteilnehmer die Frage um, wie reibungslos sich die Software-Architekturen und die Vertriebsorganisation beider Häuser zusammenführen lassen.
Geduldsspiel bis zum Vollzug
Strategisch zielt der Konzern darauf ab, die eigene Industrieautomation mit der Konstruktionssoftware der Amerikaner zu verzahnen und damit direkter gegen Wettbewerber wie Siemens anzutreten. Schneider Electric rechnet bis zum dritten Jahr nach dem Vollzug mit jährlichen Kostensynergien von etwa 250 Millionen Euro sowie Umsatzsynergien von rund 800 Millionen Euro.
Für Anleger bedeutet das Vorhaben jedoch vorerst ein Geduldsspiel. Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der PTC-Aktionäre sowie der zuständigen Behörden. Der endgültige Abschluss wird für das dritte Quartal 2027 erwartet. Bis dahin muss der Konzern beweisen, dass die versprochenen Synergien die erhebliche Schuldenaufnahme rechtfertigen.
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