SapceX-IPO: 2,1 Billionen Dollar und der Markt gähnt?

SpaceX startet mit 2,1 Billionen Dollar Bewertung an der Nasdaq. Analysten sehen trotz geordnetem IPO Risiken in der hohen Bewertung und dem engen Aktienangebot.

Auf einen Blick:
  • IPO-Bewertung von 2,1 Billionen Dollar
  • Aktie schließt 19 Prozent über Ausgabepreis
  • Hohe Bewertung erfordert perfektes Wachstum
  • Insider-Verkäufe drohen ab Sommer

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

der größte Börsengang der Geschichte fand statt, und kaum jemand zuckte. SpaceX ging am Freitag an die Nasdaq. Die Aktie sprang vom Ausgabepreis bei 135 Dollar auf 160,95 Dollar zum Handelsschluss, ein Plus von 19 Prozent. Mehr als 500 Millionen Stücke wechselten den Besitzer. Am Ende des Tages war das Unternehmen 2,1 Billionen Dollar wert. Das ist Rekord. Und dennoch sprach die US-Finanzpresse anschließend vom langweiligsten Großereignis des Jahres. Diese Lücke zwischen Erwartung und Realität ist die eigentliche Geschichte.

Der SpaceX-Börsengang verlief erstaunlich geordnet

Vor dem Start kursierten düstere Prognosen. SpaceX sei zu groß, der Markt könne so viel Kapital nicht verdauen. Eingetreten ist das Gegenteil. Die Aktie eröffnete bei 150 Dollar, stieg bis auf 176,52 Dollar und pendelte sich für den Großteil des Tages bei rund 165 Dollar ein. Ein Plus zwischen 10 und 30 Prozent gilt bei einem großen Tech-Börsengang als normal. Es zeigt, dass die Emission fair bepreist war und der Markt die Konditionen akzeptierte.

Zum Vergleich lohnt ein Blick auf Facebook, heute Meta. Auch dort gab es einen prominenten Chef und enorme Erwartungen. Der Handel stockte damals, die Aktie kämpfte den ganzen Tag darum, über dem Ausgabepreis von 38 Dollar zu bleiben. Bei SpaceX lief technisch fast alles glatt. Nur der Broker Robinhood meldete Probleme durch den hohen Andrang. Die rund 20 beteiligten Investmentbanken kassierten 500 Millionen Dollar an Gebühren für eine saubere Abwicklung.

Der breite Markt blieb gelassen. Der S&P 500 lag zum Wochenende rund 0,5 Prozent im Plus, der Dow Jones legte 0,8 Prozent zu, die Nasdaq Composite gewann 0,3 Prozent. Der Börsengang kam, wurde verdaut, und war wieder vorbei.

Die Bewertung von SpaceX lässt wenig Spielraum

Hier beginnt die Vorsicht. SpaceX kam zum Handelsschluss auf das rund 60-fache des für 2026 geschätzten Umsatzes von 35 Milliarden Dollar. Auf Basis der für 2027 erwarteten 64 Milliarden Dollar bleibt immer noch das 33-fache. Beim operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, dem sogenannten EBITDA, wird es noch sportlicher. Hier zahlen Anleger das 210-fache des für 2026 geschätzten Wertes von 10 Milliarden Dollar.

Solche Zahlen verlangen makelloses Wachstum. SpaceX muss die Schätzungen übertreffen, damit die Aktie in der Umlaufbahn bleibt. Das Unternehmen plant, KI-Rechenzentren ins All zu bringen und dort von niedrigen Startkosten zu profitieren. Diese Kosten hängen am voll wiederverwendbaren Starship-System. Genau dieses System arbeitet noch nicht zuverlässig. Solange Starship nicht regelmäßig in den Orbit kommt, bleibt die Wachstumsfantasie ein Versprechen.

Die Analysten sind entsprechend uneins. Kurz vor dem Börsengang gab es das erste Kaufurteil mit einem Kursziel von 190 Dollar. Wenig später folgte das erste Verkaufsurteil – von CFRA Research – mit einem Ziel von nur 115 Dollar. Begründet wurde es mit dem ehrgeizigen, aber riskanten Wachstumsplan und der hohen Bewertung. Im Schnitt lag das Kursziel bei rund 174 Dollar, allerdings stammt das bislang von nur fünf Analysten. In wenigen Wochen dürften es etwa 50 sein.

Für deutsche Anleger ist die SpaceX-Aktie bereits zugänglich

Praktisch betrachtet ist der Zugang einfacher als bei vielen früheren US-Börsengängen. Seit Freitag ist die Aktie auch über Xetra und Frankfurt handelbar, dazu über Plätze wie Tradegate und Lang & Schwarz. Rund zehn deutsche Broker führen das Papier seit Tag eins im Sekundärhandel.

Ein Detail verdient Aufmerksamkeit. Im Graumarkt lagen die Indikationen bei Lang & Schwarz am Tag vor dem IPO bei rund 180 bis 183 Euro, gegenüber 135 Dollar Ausgabepreis. Wer im Hype deutlich über dem Ausgabepreis kauft, zahlt entsprechend mehr. Ein Sparplan auf die Einzelaktie war an Tag eins bei keinem Broker verfügbar. Über die Fast-Entry-Regel der Nasdaq dürfte SpaceX rund 15 Handelstage nach dem Börsengang in den Nasdaq-100 aufrücken, also voraussichtlich Anfang Juli. Wer einen Nasdaq-100-ETF bespart, ist damit automatisch anteilig dabei.

Strukturell sollten Anleger zwei Punkte kennen. Elon Musk hält über Aktien mit Mehrfachstimmrecht rund 85 Prozent der Stimmen. Normale Aktionäre haben damit faktisch kaum Einfluss. Zudem sind zum Start nur rund vier Prozent der Anteile frei handelbar. Schon am zweiten Tag nach den Zahlen zum zweiten Quartal dürfen erste Insider verkaufen. Danach laufen gestaffelt zehn weitere Sperrfristen aus. Erst nach einem Jahr können alle Altaktionäre frei verkaufen. Dieses anwachsende Angebot ist ein Risiko, das man im Hinterkopf behalten sollte.

Was die Geschichte über frische Börsengänge lehrt

Wer schnelle Gewinne sucht, übersieht oft ein Muster. Geduld zahlt sich bei Neuemissionen häufig aus. Astera Labs, ein Entwickler von Hochgeschwindigkeitschips, kam im März 2024 an die Börse. Auf die anfängliche Begeisterung folgte ein Kursrutsch von rund 62 Prozent. Erst danach setzte ein kräftiger Anstieg ein. In diesem Jahr liegt die Aktie fast 300 Prozent im Plus.

Ähnlich verlief es bei Reddit, ebenfalls seit März 2024 notiert. Der Kurs fiel binnen fünf Wochen von etwa 75 auf 37 Dollar, bevor eine dauerhafte Erholung begann. Beide Werte standen ein Jahr nach dem Börsengang deutlich höher als am Start. Das Drehbuch ähnelt sich. Ein erster Schub, dann einige schwache Wochen, in denen die erzwungenen Anfangskäufe und die erste Euphorie abebben. Erst dann bildet sich ein tragfähiger Trend.

Frühe Begeisterung kann rasch in Schwankung umschlagen, sobald Bewertungsdebatten und Gewinnmitnahmen einsetzen. Für die meisten Privatanleger spricht das dafür, der Preisfindung Zeit zu geben, statt am ersten Tag großes Kapital zu binden.

Warum dieser ruhige Tag noch nachwirkt

Den SpaceX-Börsengang als erledigt abzuhaken, wäre ein Fehler. Die Aktie kann als Stimmungstest für riskantere Anlagen dienen. Künstliche Intelligenz war der Motor dieses Bullenmarktes. SpaceX prüft, wie groß der Appetit der Anleger auf alles Hochfliegende noch ist. Das ist deshalb wichtig, weil mit Anthropic und OpenAI noch in diesem Jahr zwei weitere Mega-Börsengänge anstehen. Eine Welle neuer Aktien rollt heran.

Genau das kann ein Warnsignal sein. Historisch geht ein sprunghafter Anstieg neuer Aktienemissionen oft einem Markthoch voraus. Marktbeobachter verweisen auf das Jahr 2000 und auf 2007. In beiden Fällen schwoll die Ausgabe neuer Aktien an, kurz bevor die Kurse drehten. Eine Flut neuer Papiere gilt als Zeichen dafür, dass die Spekulation einen Höhepunkt erreicht.

Der eigentliche Test steht also noch aus. SpaceX hat bewiesen, dass der Markt selbst gigantische Emissionen verdauen kann. Ob er auch die nächsten verträgt, entscheidet sich in den kommenden Monaten.

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