SAP hat in den vergangenen Wochen ein Bündel an Signalen gesendet, das man nicht ignorieren sollte: Aktienrückkäufe in Millionenhöhe, ein Insiderkauf und ein CEO, der zu tieferen Kursen privat nachgekauft hat. Für mich ergibt sich daraus eine Geschichte, die komplexer ist als das reine Auf und Ab der Analystenmeinungen der vergangenen Tage.
Der Vorstand kauft, das Unternehmen kauft
Christian Klein hat Ende Juli, konkret am 24. Juli, privat Aktien im Gegenwert von 325.219 Euro erworben. Das war zu einem Zeitpunkt, als das Papier deutlich unter dem heutigen Niveau notierte.
Ergänzend dazu erwarb ein namentlich nicht genannter Insider am 26. August 1.500 Aktien zu 178,30 Euro, ein Gesamtvolumen von 267.450 Euro. Solche Käufe sind kein Beweis für steigende Kurse, aber sie sind ein Indiz dafür, wie das Management die eigene Bewertung einschätzt.
Parallel dazu läuft das Aktienrückkaufprogramm auf Hochtouren. Allein in der ersten Augusthälfte hat SAP rund 5 Millionen eigene Aktien erworben, davon 2,9 Millionen Stück in der ersten Augustwoche zu einem Durchschnittspreis von 169,72 Euro.
Unterm Strich kauft das Unternehmen also systematisch zu Kursen zurück, die unter dem aktuellen Niveau von 190,86 Euro liegen. Das spricht dafür, dass das Management die jüngste Erholung nicht für überzogen hält.
Prognosesenkung und Integrationskosten
Ganz ausblenden lässt sich die Kehrseite nicht. Anfang August hatte SAP die Prognose für das bereinigte Betriebsergebnis 2026 auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro gesenkt, zuvor waren rund 12,3 Milliarden Euro avisiert.
Grund waren sofort anfallende Integrationskosten für die im Mai übernommenen Firmen Dremio und Prior Labs. Für mich ist das kein Alarmsignal, sondern der übliche Preis für Zukäufe im KI-Bereich – aber es zeigt, dass Wachstum durch Akquisitionen nicht kostenlos zu haben ist.
Auch der Fall Arbonia gehört in dieses Bild, wenngleich indirekt: Der Schweizer Gebäudezulieferer hat seine EBITDA-Guidance für 2026 gesenkt und operative Probleme bei einer komplexen SAP/ERP-Systemumstellung bei seiner Tochtergesellschaft Garant als Ursache genannt. Das ist kein SAP-eigenes Versagen, doch es erinnert daran, dass Implementierungsrisiken bei Kunden auf das eigene Geschäft zurückwirken können, wenn Referenzprojekte scheitern.
Wettbewerbsdruck und Analystenlager
Salesforce hat am Donnerstag starke Quartalszahlen vorgelegt und die eigene Jahresprognose bestätigt. Das lieferte kurzzeitig positive Sektor-Impulse, machte aber gleichzeitig deutlich, wie hart der Wettbewerb um KI-Software-Budgets geworden ist. Genau hier setzt auch die kritischste Stimme im aktuellen Analystenlager an.
Die jüngste Bewegung bei den Kurszielen zeigt allerdings, dass die Mehrheit der Häuser trotz aller Skepsis an der Story festhält. Bank of America hat am Freitag ihr Kursziel von 208 auf 223 Euro angehoben und die Einstufung „Buy“ bestätigt, mit der Begründung, die Cloud-Bewertungsmultiples dürften sich ausweiten.
Am selben Tag bekräftigten Goldman Sachs, Jefferies und Barclays ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen von 215, 210 und 220 Euro. Das sind vier Häuser, die trotz der Diskussion um KI-Monetarisierung an der langfristigen Bewertung festhalten.
Mein Fazit
Für mich überwiegen die Argumente, die für Zuversicht sprechen, ohne dass die Risiken kleingeredet werden dürfen. Ein CEO, der zu niedrigeren Kursen privat nachkauft, ein Unternehmen, das systematisch eigene Aktien unter dem aktuellen Niveau zurückkauft, und eine Mehrheit der großen Häuser, die trotz kritischer Zwischentöne bei den Kurszielen nach oben geht – das ist ein Bild, das mehr Substanz hat als eine einzelne Herabstufung vermuten lässt.
Die Integrationskosten und der Wettbewerbsdruck bleiben Belastungsfaktoren, die man im Blick behalten sollte, insbesondere mit Hinblick auf die Quartalsmitteilung am 21. Oktober. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob das Vertrauen des Managements durch harte Zahlen bestätigt wird.
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