Liebe Leserinnen und Leser,
die Stimmung im globalen Softwaresektor ist so schlecht wie seit Jahren nicht mehr. Nach dem KI-Boom im Jahr 2024 hat sich die Marktstimmung ab der zweiten Jahreshälfte 2025 drastisch gedreht: Anleger ziehen Kapital aus Cloud- und Softwarewerten ab, rotieren in Halbleiter, reagieren empfindlich auf jeden Ausblick und bestrafen selbst starke Zahlen.
„Leider“ fielen genau in dieses Umfeld die aktuellen Ergebnisse von SAP, die eigentlich das Gegenteil dessen zeigen, was der Kursverlauf suggeriert. Die Aktie hat trotz monatelanger Talfahrt einen Satz nach unten gemacht – nicht, weil das Geschäftsmodell bröckelt, sondern weil der Markt derzeit generell riskanter bewertet und Software-Unternehmen mit vagen Begründungen abstraft. Für Investoren mit bottom fishing-Strategie lohnt sich jedoch ein genauerer Blick.
Überzeugende Geschäftsergebnisse
SAP steigerte den Umsatz im Jahr 2025 auf 36,8 Mrd. € – ein organisches Wachstum von etwa 10%, das in dieser Größenordnung international nur wenige Software-Konzerne erreichen. Das Cloud-Geschäft legte sogar auf 21,0 Mrd. € zu, ein kräftiger Zuwachs von 23%. Besonders relevant ist für die Investoren das Segment „Cloud und Software“, weil sie die margenstarken SAP-Kernprodukte abbildet: Dort stiegen die Umsätze auf 32,5 Mrd. €. Das Servicegeschäft bewegt sich dagegen seit Jahren seitwärts – was aber mit Blick auf die niedrigeren Margen ok ist; es macht mehr Sinn sich auf das höhermargige Geschäft zu konzentrieren.
Der bereinigte operative Gewinn sprang auf 10,4 Mrd. €, die operative Marge stieg von 23,9% auf 28,3% – ein gewaltiger Schritt für ein Unternehmen dieser Größe. Mit 7,2 Mrd. € Nettoergebnis verdient SAP operativ so viel wie nie zuvor.
Warum fiel die Aktie trotzdem zurück?
Der Absturz um rund 16% an nur einem Handelstag muss also weniger mit operativer Schwäche zu tun gehabt haben. Der Grund ist dann auch schnell gefunden. Entscheidend war ein kurzfristig etwas schwächerer Zuwachs im Cloud-Auftragsbestand – und ein Ausblick, der die sehr hohen Erwartungen des Marktes nicht übertraf. Bei der aktuellen Stimmung im Software-Sektor reicht das bereits aus, um Deutschlands wichtigsten Software-Konzern abzuverkaufen.
Im gesamten Sektor sind die Kurse seit Herbst deutlich unter Druck: Der ishares expanded software-ETF hat in den letzten Monaten fast 30% eingebüßt und befindet sich faktisch in einem branchenspezifischen Bärenmarkt.
SAP geriet dabei in die wohlbekannte „Sippenhaft“, obwohl die mittelfristige Prognose weiterhin stark ist: Für 2026 plant der Konzern 23 bis 25% Cloud-Wachstum, sowie 14 bis 18% mehr operativen Gewinn. Der freie Cashflow soll auf rund 10 Mrd. € steigen – ein Wert, den viele Analysten vorher nicht auf dem Radar hatten und der langfristig den finanziellen Spielraum massiv erhöht.
Bewertung so günstig wie lange nicht
Die abermalige Abwärtsbewegung hat SAP in eine Bewertung geführt, die man vor einiger Zeit kaum für möglich gehalten hätte. Das erwartete KGV für 2027 bewegt sich nur noch bei rund 23, der freie Cashflow für 2027 wird beim rund 19-fachen gehandelt. Besonders bemerkenswert: Der Bewertungsaufschlag des führenden Branchenspielers gegenüber dem breiten europäischen Markt ist auf etwa 40% geschrumpft – in den vergangenen fünf Jahren lag dieser Wert auch schon bei über 100%.
SAP ist damit relativ zum Markt gesehen so günstig wie seit Jahren nicht mehr, obwohl das Geschäftsmodell stärker und planbarer geworden ist. Sicher, dass SAP heute günstiger zu haben ist, hat ebenso Gründe wie die durchschnittliche Kurszielreduzierung der Analysten von etwa 10% nach den Zahlen.
KI als Gewinntreiber – aber auch als Herausforderung
Man sollte nicht unterschätzen, dass der Technologiesektor sich in einer Phase struktureller Umbrüche befindet – und KI dabei nicht nur Rückenwind, sondern auch Unsicherheit erzeugt. Kunden evaluieren ihre Systemlandschaften neu, prüfen Wettbewerbslösungen intensiver und verschieben teils Entscheidungen, weil niemand heute sicher weiß, welche KI-Architekturen sich dauerhaft durchsetzen werden. SAP ist davon nicht ausgenommen: Die Investitionszyklen der Kunden hängen zunehmend an der Frage, wie viel KI man tatsächlich braucht – und wie schnell sie implementierbar ist.
Dem gegenüber steht Künstliche Intelligenz bei SAP als Gewinnbeschleuniger: Mit seiner tiefen Integration in die Unternehmensprozesse, den gigantischen Datenbeständen und dem hohen Grad an Standardisierung kann SAP KI-Funktionen dort verankern, wo Geschäftsprozesse tatsächlich gesteuert werden. Das schafft beim Kunden Effizienzgewinne – dem wohl überzeugendsten Verkaufsargument.
Doch wie bei allen anderen Unternehmen stellt sich auch – oder besonders – bei SAP die Frage: Wie viel Milliarden investiere ich in die KI-Entwicklung? Was erzeugt hinterher wirklich einen Mehrwert und was spielt kaum eine Rolle? KI spielt für SAP sozusagen eine doppelt wichtige Rolle, da sich sowohl das Management darüber Gedanken macht als auch die Kundschaft, die SAPs KI-Produkte nachfragt.
Eine Marktübertreibung, die zumindest kurzfristig chancenreich wirkt
Die Antworten auf die KI-Fragen kommen nicht in 2026, da Auswirkungen heute nur schwer absehbar sind. Man kann auf dem aktuellen Kursniveau aber auch kurzfristiger denken. SAP dürfte 2026 ein hochprofitabler Wachstumswert mit klarer strategischer Ausrichtung bleiben.
Cloud-Umsätze wachsen zweistellig, Margen steigen, Cashflows erreichen historische Höchststände – und der Konzern steuert auf weitere Effizienzgewinne zu.
Das nimmt auf Jahressicht betrachtet schon viel Downside raus aus einer Investition. Statt das Glas aufgrund vager Gefahren und minimal verpasster Erwartung halbleer zu sehen, lohnt es sich vielleicht, das Glas als halbvoll anzusehen. So wie CFO und COO von SAP, die nutzten die historisch günstige Bewertung und griffen zu.
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