Liebe Leserin, lieber Leser,
SAP war lange Zeit nicht nur der wertvollste Konzern im Leitindex Dax, er führte sogar die europäische Rangliste an. Der deutsche Softwarekonzern hatte die Spitzenposition am 24. März 2025 von Novo Nordisk übernommen und wurde im September 2025 vom niederländischen Chipausrüster ASML abgelöst. Nach einem fast beispiellosen Abstieg der SAP-Aktie von einst 244 auf 127 Euro im Juli dieses Jahre haben die Papiere aber zuletzt wieder die Kurve gekriegt. Ein Aufschlag von mehr als 40 Prozent binnen weniger Wochen auf aktuell knapp 180 Euro führte dazu, dass die Walldorfer wieder zurück auf dem Weg an die Spitze sind, zumindest in Deutschland.
SAP könnte Siemens bald wieder ablösen
Denn tatsächlich kommt SAP laut finanzen.net aktuell auf einen Börsenwert von 207,92 Milliarden Euro. Der Industriekonzern Siemens, dessen Anteilscheine sich innerhalb von drei Jahren im Wert mehr als verdoppelt haben, kommt auf 216,48 Milliarden Euro. Will heißen: Um zum Wettbewerber aufzuschließen, fehlen SAP aktuell noch gut vier Prozent.
Den Handel am Dienstag haben beide Aktie allerdings mit einem kleinen Abschlag begonnen. Doch das muss so nicht bleiben, glaubt eine Reihe von Analysten, bei beiden Unternehmen. Bei Siemens allerdings ist die Zuversicht insgesamt geringer, laut marketscreener.com liegt das durchschnittliche Kursziel bei 299,15 Euro, was lediglich knapp sechs Prozent Kurszuwachs verspricht. Für SAP liegt die Prognose im Mittel bei 203,22 Euro, gut 13 Prozent über dem aktuellen Kursstand. Und auch die Empfehlungen sind eindeutig. Von 28 Analysten würden
- 24 die SAP-Aktie derzeit kaufen
- vier empfehlen den Titel zu Halten
- kein einziger rät aktuell zum Verkauf
JP Morgan mit vorsichtiger Prognose
Einer der vorsichtigen Beobachter ist Toby Ogg von der US-Bank JP Morgan. Er hatte die Einstufung für SAP Ende Juli auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 175 Euro belassen, sieht die Aktie damit sogar als leicht überbewertet an. Der robuste kurzfristige Cloud-Vertragsbestand (Current Cloud Backlog) sei ermutigend, schrieb der Analyst im Nachgang der Quartalszahlen.
Blieben KI-Umsätze jedoch aus und zeigten Rückmeldungen von Kunden zu KI-Produkten trotz der Investitionen keine klaren Verbesserungen, könnten höhere Ausgaben erforderlich werden, um dem sich verschärfenden Wettbewerb zu trotzen. Dies würde laut Ogg „einhergehen mit Risiken für die Margen“.
Goldman Sachs mit hohem SAP-Kursziel
Die Gegenposition bezog zeitgleich Mohammed Moawalla, Analyst bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Der Bestand an Cloud-Aboverträgen habe sich als robust erwiesen, schrieb er in seiner Nachbetrachtung. Zudem sei die Produkt-Pipeline von SAP, trotz gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten, derzeit stark. Und so hatte Moawalla den fairen Wert für die SAP-Aktie nach Zahlen zwar leicht gesenkt, allerdings lediglich von 230 auf 215 Euro. Die Einstufung blieb folglich auf „Buy“.
- Während Goldman Sachs also von einem weiteren Kursanstieg um rund 20 Prozent ausgeht, ist man bei der Privatbank Berenberg etwas vorsichtiger
- Analyst Nay Soe Naing hatte das Kursziel für SAP von 215 auf 205 Euro gesenkt, die Einstufung jedoch ebenfalls auf „Buy“ belassen
KI-Umbau wird für SAP zur Herausforderung
Der Softwarehersteller habe ein positives Quartal hinter sich, hieß es. Das Management dürfte die Kosten unter Kontrolle bringen. Der Berenberg-Analyst senkte jedoch seinen Margenannahmen, womit er den höheren Kostendruck durch KI berücksichtigt. Tatsächlich hatte SAP-Chef Christian Klein vor zwei Woche betont, der KI-Umbau sei für sein Unternehmen noch größer als der Schwenk zur Cloud-Software.
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