Liebe Leserin, lieber Leser,
lange Zeit galten Programme von SAP als nahezu unverzichtbar in den Büros dieser Welt. Doch KI hat Europas größten Softwarehersteller zuletzt unter Druck gesetzt, das war an der Börse deutlich zu spüren, wo es von 273 Euro noch im Juni 2025 bis auf 147,60 Euro Anfang April zurückging – ein Minus von 45 Prozent. Dann aber überraschte SAP am Donnerstag vergangener Woche mit starken Quartalszahlen, „ausgerechnet dank der KI-Funktionen in seinen Programmen“, wie es bei tagesschau.de hieß. Einen merklichen Kurszuwachs allerdings verzeichneten die Papiere seitdem nicht. Obwohl die meisten Analysten nach wie vor guter Dinge sind.
SAP Aktie Chart
SAP steigerte Cloud-Erlöse deutlich
„Mit einem währungsbereinigten Wachstum des Current Cloud Backlog von 25 Prozent und einem Anstieg der Cloud‑Erlöse um 27 Prozent sind wir stark ins neue Jahr gestartet“, hatte Christian Klein, Vorstandsvorsitzender von SAP, wissen lassen. Getragen werde dieses Ergebnis vor allem „von der hohen Dynamik im Bereich Unternehmens‑KI, in dem wir unseren Kunden schon heute spürbaren Mehrwert bieten“. Man wachse deutlich schneller als der Markt, baue Marktanteile weiter aus „und sehen, wie Kunden zunehmend weitere Lösungen aus unserer Suite sowie verstärkt unsere KI‑Angebote nutzen“, so Klein. „Auf der SAP Sapphire werden wir den nächsten wichtigen Schritt vorstellen.”
Insgesamt wuchs der Konzernumsatz im Jahresvergleich um sechs Prozent auf knapp 9,6 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand der Cloudsparte hatte bei SAP um etwa ein Viertel auf 21,93 Milliarden Euro zugelegt. Unter dem Strich stand letztlich ein Gewinn von 1,9 Milliarden Euro, im Jahresvergleich ein Anstieg um acht Prozent
Weiter gute Prognose für SAP-Aktie
Das alles ließ die Analysten mehrheitlich weiter zuversichtlich in die (Börsen-)Zukunft des Softwareriesen blicken. Dies bezeugen die Kursziele, die laut finanzen.net nach dem Quartalsbericht aufgerufen worden waren:
- Goldman Sachs: 230,00 Euro, +54,18%
- Barclays: 220,00 Euro, +47,47%
- Berenberg Bank: 215,00 Euro, +44,12%
- UBS: 205,00 Euro, +37,42%
Die US-Investmentbank Goldman Sachs etwa hatte den fairen Wert für SAP zwar gesenkt, aber lediglich von 260 auf 230 Euro, die Einstufung blieb folglich auf „Buy“. Der aus Cloudverträgen in den nächsten zwölf Monaten zu erwartende Umsatz (current cloud backlog – CCB) habe sich im unsicheren Umfeld als robust erwiesen, schrieb Mohammed Moawalla laut Medienberichten in seinem Resümee des Quartalsberichts. Der Fokus liege nun auf der Produkt-Roadmap der SAPPHIRE-Konferenz.
Jeffries-Analyst wundert sich über Skeptiker
Ähnlich optimistisch zeigte sich das Analysehaus Jefferies, das die Einstufung für die Aktie mit einem Kursziel von ebenfalls 230 Euro auf „Buy“ belassen hatte. Das erste Quartal sei „viel besser gelaufen als gedacht“, schrieb Charles Brennan zu den Ergebnissen. Der Hinweis auf die Belastungen durch den Nahost-Krieg könnte die positive Reaktion der Aktie allerdings im Zaum halten.
Zudem dürften sich viele Anleger angesichts nahezu unveränderter Jahresziele noch einmal über die jüngsten Aussagen in der Presse wundern, in der die KI-Situation mit dem Cloud-Wandel verglichen und kurzfristige Belastungen avisiert worden seien, so Brennan.
- Den Kollegen Armin Kremser von der DZ Bank kann der US-Analyst in seine Schelte demnach mit einbeziehen
- Dieser hatte hat das Kursziel für SAP nach Zahlen von 150 auf 130 Euro gesenkt und die Einstufung auf „Verkaufen“ belassen
DZ Bank: SAP-Aktie „kein Schnäppchen“
Operativ sei der Softwarekonzern gut ins Jahr gestartet, schrieb in einer am Freitag vorliegenden Studie. Allerdings dürfte sich das starke Wachstum des Cloud-Geschäfts im Jahresverlauf deutlich verlangsamen. Zudem sei die Aktie trotz des starken Kursrückgangs 2026 noch kein „Schnäppchen“. Tatsächlich hat sich die SAP-Aktie seit dem Quartalsbericht nur leicht verbessert, kratzte am Dienstag aber immerhin wieder an der Marke von 150 Euro.
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