Starke Fundamentaldaten, schwacher Kurs. Bei SAP klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Die Aktie beendete die Handelswoche bei 141,52 Euro. Damit notiert das Papier fast 46 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief beträgt nur noch hauchdünne 4,4 Prozent. Das Management reagiert mit einer aggressiven Investitionsoffensive.
Milliarden für die Datenstrategie
SAP kauft massiv zu. Am 7. Mai schloss der Softwarekonzern die Übernahme des Daten-Spezialisten Reltio ab. Das Ziel: Unternehmensdaten besser für Künstliche Intelligenz aufbereiten. Parallel dazu laufen zwei weitere Deals. SAP will das Data-Lakehouse-Unternehmen Dremio und das KI-Labor Prior Labs integrieren.
Allein in Prior Labs fließen in den nächsten vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro. Das Labor soll strukturierte Geschäftsdaten für KI-Anwendungen erschließen. Zur Finanzierung dieser Offensive zapft SAP den Kapitalmarkt an. Der Konzern platzierte erfolgreich eine Anleihe über 3,5 Milliarden Euro.
Die Ratingagenturen Moody’s und S&P stützen diesen Kurs mit guten Noten. Neben den Übernahmen fließt Geld an die Aktionäre zurück. Ein Aktienrückkaufprogramm läuft bis Ende 2027. Das Gesamtvolumen beträgt bis zu zehn Milliarden Euro. Die erste Tranche über 2,6 Milliarden Euro ist bereits abgeschlossen.
Operativer Rückenwind trifft auf hohe Erwartungen
Das operative Geschäft liefert das Fundament für diese Ausgaben. Im ersten Quartal stieg der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft auf 21,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 20 Prozent zum Vorjahr. Die reinen Cloud-Erlöse kletterten um 19 Prozent.
Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit Cloud-Umsätzen von rund 26 Milliarden Euro. Der freie Cashflow soll zehn Milliarden Euro erreichen. Diese Ziele stehen allerdings unter dem Vorbehalt einer geopolitischen Deeskalation im Nahen Osten.
Der nächste Prüfstein folgt am 23. Juli. Dann präsentiert SAP die Quartalszahlen. Analysten erwarten erste Details zur Integration von Dremio und Prior Labs. Ein positiver Sondereffekt aus dem Vorquartal entfällt diesmal. Das dürfte das ausgewiesene Cloud-Wachstum leicht dämpfen.
Die kommenden Wochen verlaufen voraussichtlich ruhig. Ohne direkte Unternehmensnachrichten bestimmen allgemeine makroökonomische Trends den Kurs. Am 23. Juli ändert sich das. Dann muss SAP beweisen, dass die neue KI-Plattform konkrete Aufträge generiert. Nur wenn Kunden die neuen Werkzeuge in größere Cloud-Verträge übersetzen, rechtfertigt das die milliardenschweren Zukäufe.
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