SAP-Aktie steigt über 20%: Langerwartete Trendwende

SAP überzeugt mit starkem Cloud-Wachstum und hebt die Stimmung. Die Aktie erholt sich deutlich, während Analysten weiteres Potenzial sehen.

Auf einen Blick:
  • Cloud-Erlöse steigen um 22 Prozent
  • Auftragsbestand wächst um 27 Prozent
  • Aktienkurs erholt sich auf 168 Euro
  • Prognose leicht gesenkt wegen Übernahmen

Große Erleichterung für die SAP-Aktionäre: Die Walldorfer haben mit den Zahlen zum zweiten Quartal eine Trendwende eingeleitet, die sich sehen lassen kann.

In weniger als 2 Wochen stieg die Aktie um rund ein Viertel und hat wichtige charttechnische Marken nach oben durchstoßen. Damit steigen die Chancen auf Anschlussgewinne – die nicht unverdient erscheinen. Denn sowohl Umsatz als auch Gewinn legten deutlich zu und zeigten, dass KI – anders als befürchtet – das Software-Geschäft nicht ins Abseits stößt.

So kletterte der Umsatz der Walldorfer um 9% auf rund 10 Milliarden Euro und lag damit knapp über der Analysten-Schätzung. Größter Wachstumstreiber blieb einmal mehr das Cloud-Geschäft, in dem die Erlöse um 22% auf 6,28 Mrd. Euro zulegten. Die Cloud-ERP-Suite – also der Bereich, in dem SAP seine Bestandskunden vom klassischen Lizenzmodell in die S/4HANA-Welt überführt – wuchs sogar noch schneller.

Beim Gewinn je Aktie standen 1,89 Euro in den Büchern, ebenfalls mehr als im Vorjahreszeitraum und als erwartet. Einzig das operative Ergebnis fiel wegen Einmaleffekte (Restrukturierungskosten) um 11% auf 2,6 Mrd. Euro zurück – der einzige echte Schwachpunkt in einem ansonsten überzeugenden Zahlenwerk.

Wie bei den US-Hyperscalern: Cloud-Geschäft als Wachstumstreiber

Für die Investoren am wichtigsten ist das wachstumsstarke Cloud-Geschäft und dort speziell der Cloud-Auftragsbestand. Der Auftragsbestand umfasst die bereits vertraglich vereinbarten Cloud-Umsätze der kommenden zwölf Monate und ist damit der verlässlichste Indikator für das künftige Wachstum. Gleichzeitig zeigt er, ob die Kunden trotz künstlicher Intelligenz weiter langfristige Verträge mit den Walldorfern abschließen.

Da der Bestand um 27% auf 22,9 Mrd. Euro kletterte und die Erwartungen des Marktes deutlich übertraf, reagierte die Aktie so positiv. Denn genau diese Sorge hatte die Aktie zuvor monatelang belastet. Das hohe Wachstum des Auftragsbestands ist ein schöner Beleg dafür, dass die Angst, KI-Agenten könnten klassische Unternehmenssoftware überflüssig machen, viel zu groß ist. Neben SAP konnten in den vergangenen Tagen viele andere Branchenkollegen die Investoren beruhigen.

SAP Aktie Chart

Prognose-Senkung nicht aufgrund unternehmensspezifischer Probleme

SAP senkte im Zuge der Zahlen die Prognose für das operative Ergebnis 2026 leicht von 11,9 bis 12,3 auf 11,8 bis 12,2 Mrd. Euro. Die Anpassung um rund 100 Mio. Euro geht jedoch ausschließlich auf die frisch abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs zurück, zwei auf KI- und Datenplattform-Technik ausgerichtete Spezialisten.

Frisch übernommene Firmen kosten in der Anfangsphase immer Geld (Integration), bevor sie welches einbringen – ein normaler Effekt, der Sie nicht beunruhigen sollte. Die wichtigste Zielgröße – die Umsatzprognose für die Cloud – ließ der Konzern unangetastet. Zugleich treiben die Walldorfer den Ausbau ihrer KI-Angebote für die Firmenkunden voran und nutzen KI längst auch selbst, um die eigene Softwareentwicklung effizienter zu machen. Viele schauen bei SAP nur auf die KI-Negativseite und übersehen dabei, dass KI-Einsatz und KI-Entwicklungen positiv auf das Geschäft wirken.

Aktie mit 25% Lücke zum durchschnittlichen Kursziel

Die SAP-Aktie war vor Veröffentlichung des Halbjahresbericht auf ein Mehrjahrestief von rund 130 Euro gefallen, was zeigt, dass Investoren aus Sorge vor weiterem Unheil noch schnell das Weite suchten. Nach der Vorlage des starken Berichts sprang das Papier daher am Freitag bereits um rund 7% nach oben, am Montag folgten weitere 4% und im weiteren Wochenverlauf schaffte es die Aktie weiter nach oben zu klettern. Gestern wechselte die Aktie zu rund 168 Euro den Besitzer.

Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 210 Euro und damit noch immer 25% über dem aktuellen Kurs. Nach unten sichert das am Montag der Vorwoche gestartete Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 2,6 Mrd. Euro ein Stück weit ab, das Gesamtprogramm umfasst sogar 10 Mrd. Euro.

SAP Aktie Chart

KI ist Geschäftsrisiko – aber auch Chance

Es ist schon grotesk: Trotz der jüngsten Erholung notiert die SAP-Aktie seit Jahresbeginn noch immer rund ein Drittel im Minus. SAP zählt damit zu den schwächsten Werten im DAX – und das, obwohl das operative Geschäft zweistellig in der Cloud wächst. Dieser Widerspruch erklärt sich mit dem Umfeld: Softwarewerte standen weltweit unter Druck, weil Anleger fürchteten, die KI-Revolution könnte etablierte Geschäftsmodelle aushöhlen, und weil die hohen KI-Investitionen der großen Tech-Konzerne zuletzt kritischer hinterfragt wurden.

In diesem Umfeld wurde nicht differenziert und es wurden auch Unternehmen abgestraft, deren Zahlen diese Sorgen nicht bestätigten. SAP ist dafür das beste Beispiel: Europas wertvollster Softwarekonzern verfügt über eine Kundenbasis von hunderttausenden Unternehmen, deren zentrale Geschäftsprozesse über SAP-Systeme laufen.

Ein Wechsel des ERP-Anbieters ist für diese Kunden aufwendig, teuer und riskant – die Wechselkosten sind eine der stärksten Eintrittsbarrieren, die es in der Softwarebranche gibt. Kommt die KI-Welle im Unternehmensalltag an, dann läuft sie mit hoher Wahrscheinlichkeit über diese Systeme und nicht an ihnen vorbei. SAP besitzt also bereits die Geschäftsdaten, die KI-Modelle erst noch bräuchten. Dementsprechend groß ist die Chance, dass der Markt das Glas demnächst wieder halbvoll sieht und nicht halbleer.

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