Liebe Leserin, lieber Leser,
es wirkt noch immer wie ein kleines Wunder: Die Aktie von SAP, seit eineinhalb Jahren im anhaltenden Niedergang, kennt nach den Quartalszahlen vom 23. Juli nur noch eine Richtung: nach oben. Zum Wochenstart überwanden die Papiere des Softwarekonzerns erstmals seit Monaten wieder die Marke von 180 Euro. Dass die SAP-Aktie dieses Niveau auch am Dienstag im Vormittagshandel halten kann, hat zweifellos einen Grund. Die Walldorfer machen in Sachen KI jetzt Tempo.
SAP wegen KI vor „sehr, sehr großer Transformation“
Wenn das eigene KI-Werkzeug Geschäftsprozesse nicht besser verstehe als ein KI-Agent, den man mit Anthropic – einem US-KI-Unternehmen – baue, dann habe SAP ein Problem, sagte Konzernchef Christian Klein in der vergangenen Woche der Süddeutschen Zeitung. „Wir müssen schnell agieren, niemand in den USA oder China wartet auf uns. Sie wollen uns alle schlagen“, wurde er zitiert. Wie viele andere müsste SAP jetzt beweisen, dass man KI liefern könne. Eine KI, die Geschäftsprozesse verstehe.
- Er sei sehr zuversichtlich, aber bedeute das für SAP auch eine „sehr, sehr große Transformation“
- Die KI-Transformation ist laut des Konzernchefs noch größer als die jüngste Cloud-Transformation
Größte Sorgen bei Anlegern offenbar verflogen
Vor allem die Sorge, dass SAP den KI-Zug verpassen könnte, hatte dem Aktienkurs seit Anfang 2025 massiv zugesetzt. Mit 284 Euro wurden die Papiere im Februar des vergangenen Jahres noch bewertet worden – und vor dem Quartalsbericht auf 127,50 Euro zurückgefallen. Trotz des aktuellen Aufwärtstrends hat der Software-Gigant aus Baden-Württemberg somit noch immer rund ein Drittel seines einstigen Börsenwerts eingebüßt.
Doch die größten Sorgen sind offenbar verflogen, die kurzfristige Entwicklung kann sich sehen lassen: Innerhalb weniger Tage legte die SAP-Aktie seit ihrem Mehrjahrestief um wieder gut 40 Prozent zu.
SAP kaufte Millionen eigene Aktien zurück
Daran hatte eine Kapitalmaßnahme zweifellos ihren Anteil. Laut Boersennews hat SAP zwischen dem 27. und 31. Juli rund 2,18 Millionen eigene Aktien zurückgekauft. Das Gesamtvolumen belief sich demnach auf etwa 344,3 Millionen Euro. Der durchschnittlich gezahlte, täglich gewichtete Preis lag dem Bericht zufolge bei 157,62 Euro je Aktie. „Insgesamt wurden im Rahmen des laufenden Programms bislang 2.184.430 Aktien zurückgekauft“, heißt es. Und das soll es nicht gewesen sein.
Die Transaktionen gehörten zur zweiten Tranche des im Januar angekündigten Aktienrückkaufprogramms, so der Bericht. SAP plane insgesamt Rückkäufe im Umfang von bis zu 10 Milliarden Euro. „Die zweite Tranche startete am 27. Juli und umfasst ein mögliches Volumen von bis zu 2,6 Milliarden Euro. Sie soll spätestens am 27. Januar 2027 abgeschlossen sein.“
Analysten mit unterschiedlichsten Kurszielen
Die Anleger freut‘s, und auch die Analysten sind mehrheitlich zuversichtlich. Allerdings nicht alle. Nach Angaben von finanzen.net ist die Prognose so manchen Instituts aktuell bereits überschritten.
- Jefferies: 210,00 EUR, +17,00%
- JP Morgan: 175,00 EUR, -2,50%
- Goldman Sachs: 215,00 EUR, +19,79%
- UBS: 164,00 EUR, -8,62%
- Berenberg Bank: 205,00 EUR, +14,22%
Besonders skeptisch zeigte sich nach den Quartalszahlen von Ende Juli die schweizer UBS: Die beschleunigte Zunahme des kurzfristigen Cloud-Vertragsbestands (Current Cloud Backlog) sorge für Zuversicht, schrieb Michael Briest in seiner Analyse vom 27. Juli, als die SAP-Aktie bei rund 150 Euro notierte. Er hatte den folgenden Aufstieg nicht vorausgeahnt.
Goldman Sachs empfahl SAP-Aktie zum Kauf
Ganz anders die US-Investmentbank Goldman Sachs: Sie hatte das Kursziel für SAP nach Zahlen zum zweiten Quartal zwar gesenkt, aber lediglich von 230 auf 215 Euro, die Einstufung blieb auf „Buy“. Der Bestand an Cloud-Aboverträgen habe sich als robust erwiesen, schrieb Mohammed Moawalla in einer Nachbetrachtung. Zudem sei die Produkt-Pipeline trotz gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten stark. Die Märkte sahen das offenbar genauso.
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