Liebe Leserin, lieber Leser,
SAP hat es geschafft: Am Mittwoch schob sich die Aktie des Software-Riesen erstmals seit Mitte Mai wieder über die Marke von 140 Euro. Was kurzfristig also als Erfolg gewertet werden kann, ist mittel- und langfristig dennoch eher Schadensbegrenzung. Davon zeugt nicht allein die Tatsache, dass SAP vor genau einem Monat noch bei 173,06 Euro gehandelt worden war, seitdem also noch immer fast 20 Prozent abgegeben hat. Aufs Jahr gesehen beläuft sich der Abschlag gar auf rund 45 Prozent. Und das hat durchaus Gründe.
Die Erwartungen an SAP sind gestiegen
Der jüngste Kurssturz der SAP-Aktie zeigt einmal mehr, wie hoch die Erwartungen des Kapitalmarkts an Europas wertvollsten Softwarekonzern inzwischen sind. Dass die Aktie unter Druck geriet, war keineswegs schwachen Geschäftszahlen geschuldet: Umsatz und Gewinn legten zu. Entscheidend war vielmehr, dass das Wachstum des Cloud-Auftragsbestands – die zentrale Kennzahl für das künftige Geschäft – hinter den Erwartungen zurückblieb.
Gleichzeitig stellte das SAP-Management für 2026 eine leichte Abschwächung der Dynamik in Aussicht. Für Investoren reichte das offenbar aus, um die ambitionierte Bewertung der Aktie neu zu justieren. Darauf weisen laut Medienberichten unter anderem mehrere Experten hin.
Neubewertung für Softwaretitel am Markt
Hinzu kommt ein schwieriges Marktumfeld. Softwaretitel stehen weltweit unter Druck, weil Anleger den Einfluss generativer KI auf etablierte Geschäftsmodelle neu bewerten. SAP gilt zwar weiterhin als Profiteur der Digitalisierung, doch Investoren fragen sich, ob der Konzern das Tempo der Cloud-Transformation und der KI-Integration hoch genug halten kann. Die Agentur Reuters verweist zudem auf eine sektorweite Neubewertung europäischer Softwaretitel. Für Anleger ergeben sich daraus drei zentrale Erkenntnisse:
- Die operative Entwicklung bleibt solide, doch die Erwartungen waren noch höher.
- Das Cloud-Geschäft entscheidet zunehmend über die Bewertung der Aktie.
- Der Kursrückgang spiegelt vor allem einen Vertrauens- und Bewertungswechsel wider
Analysten mit hohen SAP-Kurszielen
Für die Analysten gilt das im Übrigen nur begrenzt. Das bezeugen die im Juni abgegebenen Einschätzungen, insbesondere durch die Privatbank Berenberg. Analyst Nay Soe Naing hatte SAP auf „Buy“ mit einem Kursziel von 215 Euro belassen. Trotz der robusten Gewinne im ersten Quartal seien Software- und IT-Titel weiter nicht gefragt und die Bewertungen im historischen Vergleich niedrig, schrieb er in einer Brancheneinschätzung. Das durchgängig stabile Umsatzwachstum und ermutigende Trends beim Auftragsbestand reichten nicht aus, um Käufer anzulocken. Dennoch sieht der Berenberg-Analyst in seiner Einschätzung also mehr als 50 Prozent Kurspotenzial für die SAP-Aktie.
Und er ist ja nicht allein in seinem Optimismus: Das durchschnittliche Kursziel für die Papiere der Walldorfer liegt laut marketscreener.com aktuell bei 214,04 Euro, nur unwesentlich niedriger, entsprechend lauten die Empfehlungen. Aktuell würden von 27 Beobachtern
- nicht weniger als 23 SAP kaufen oder aufstocken
- vier Analysten plädieren derzeit auf „Halten“
- kein einziger würde die Aktie aktuell verkaufen
SAP legt Ende Juli Quartalszahlen vor
Wie es um den Softwarekonzern wirklich steht, wird sich allerdings erst in genau drei Wochen zeigen. Am 23. Juli wird SAP seine Zahlen aus dem zweiten Quartal vorlegen. Der letzte Bericht hatte die Anleger offenbar nicht vollends überzeugt.
Man sei „solide ins Jahr gestartet, gestützt auf die konsequente und disziplinierte Umsetzung unserer Strategie für Umsatz und Profitabilität“, kommentierte Dominik Asam, Finanzvorstand bei den Walldorfern, die im April vorgelegten Zahlen aus dem ersten Jahresviertel. „In einem zunehmend komplexen und unsicheren gesamtwirtschaftlichen sowie geopolitischen Umfeld haben wir uns zugleich weiterhin konsequent auf Kostenkontrolle und die Sicherstellung einer nachhaltigen Profitabilität fokussiert“, sagte Asam. Das gilt es nun zu bestätigen.
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