SAP hat sich vom Mehrjahrestief kräftig erholt. Seit dem Tief vom 23. Juli 2026 stieg die Aktie um 25 Prozent, allein in der vergangenen Woche legte sie 13,45 Prozent zu. Damit zählt der Softwarekonzern zu den auffälligsten Comeback-Kandidaten im DAX. Jetzt entscheidet sich, ob die Rally Substanz hat oder nur eine technische Gegenbewegung nach dem Ausverkauf war.
Auslöser war der Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026. Der Cloud-Auftragsbestand wuchs um 27 Prozent, der Gesamtumsatz stieg um 9 Prozent. Beide Werte lagen über den Erwartungen und lieferten den Kurstreiber für die vergangenen Tage.
Die entscheidende Marke
Der Kurs notiert bei 159,40 Euro, gut 10 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Zum 200-Tage-Durchschnitt fehlen dagegen noch 8,74 Prozent. Genau in dieser Zone entscheidet sich, ob aus der kurzfristigen Erholung ein echter Trendwechsel wird oder ob der übergeordnete Abwärtstrend die Oberhand behält.
Der RSI von 64,1 zeigt: Die Aktie ist noch nicht überkauft. Viel Puffer nach oben bleibt aber auch nicht mehr, bevor Gewinnmitnahmen wahrscheinlicher werden. Für die weitere Rally bräuchte es also frischen fundamentalen Rückenwind.
Das bullische Szenario
Für eine fortgesetzte Erholung spricht zunächst die Wochenperformance. Mit einem Plus von 13,45 Prozent zählt SAP zu den stärksten Comeback-Werten im DAX. Fundamental untermauert der Auftragsbestand diese These: Der kräftige Zuwachs beim Cloud-Backlog dämpft die Sorge vor einer dauerhaften Wachstumsabschwächung. Anleger werten das als Signal, dass die Cloud-Nachfrage robust bleibt.
SAP bestätigte zudem seinen Jahresausblick. Der Konzern erwartet weiterhin Cloud-Erlöse zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro bei konstanten Wechselkursen. Die Umsatzerwartung für Cloud und Software liegt bei 36,3 bis 36,8 Milliarden Euro. Der freie Cashflow soll bei rund 10 Milliarden Euro landen. Der Vorstand signalisiert damit Zuversicht trotz des schwierigen Marktumfelds.
Das Management zeigt zudem Vertrauen in die eigene Aktie. Bis Ende Juni kaufte SAP im Rahmen seines bis zu 10 Milliarden Euro schweren Rückkaufprogramms bereits rund 16,28 Millionen eigene Aktien zurück. Der Durchschnittspreis lag bei 161,16 Euro. Erobert der Kurs die 200-Tage-Linie zurück, wäre technisch der Weg für eine weitere Aufholjagd frei.
Das bärische Szenario
Dagegen steht die Profitabilität. Der non-IFRS operative Gewinn lag im zweiten Quartal bei 2,74 Milliarden Euro. Die operative Marge sank auf 27,8 Prozent, ein Rückgang um 0,7 Prozentpunkte. Das ist ein Warnsignal: Die Cloud-Transformation drückt kurzfristig noch auf die Profitabilität, auch wenn das Wachstum stimmt.
Verschärft wird dieser Effekt durch jüngste Zukäufe. SAP senkte seine Non-IFRS-Gewinnprognose auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, zuvor waren es 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Grund ist die erwartete Verwässerung durch die Übernahmen von Dremio und Prior Labs. Wachstum durch Zukäufe hat eben seinen Preis.
Auch auf Bruttoebene bröckelt die Cloud-Marge. Sie lag bei 74,3 Prozent auf IFRS-Basis, ein halber Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Hinzu kommt die charttechnische Realität: Der übergeordnete Abwärtstrend seit dem 52-Wochen-Hoch ist noch nicht gebrochen. Die annualisierte Volatilität von knapp 49 Prozent zeigt: Schnelle Rücksetzer bleiben jederzeit möglich.
Ausblick
Solange der Kurs über dem 50-Tage-Durchschnitt von 144,49 Euro bleibt, spricht die Kombination aus starkem Auftragsbestand und bestätigter Cloud-Prognose für eine fortgesetzte Erholung. Das nächste Ziel wäre die 200-Tage-Linie bei 174,67 Euro. Bis dahin bleibt die Aufwärtsbewegung fragil, aber intakt.
Fällt der Kurs dagegen unter die Marke von rund 144 Euro, dürfte der Abwärtstrend seit dem 52-Wochen-Hoch von 258,60 Euro wieder die Oberhand gewinnen. Der Abstand zu diesem Hoch beträgt aktuell noch immer 38,36 Prozent – ein Hinweis darauf, wie weit der Weg zurück zu alten Bewertungsniveaus noch ist.
SAP muss nun zeigen, dass sich Margenbelastung und Cloud-Wachstum ausgleichen lassen. Der nächste konkrete Prüfstein ist der Bericht zum dritten Quartal, der im weiteren Jahresverlauf 2026 ansteht. Bis dahin pendelt der Kurs zwischen zwei Kräften: dem Momentum aus dem starken Auftragsbestand und der Sorge um die sinkende operative Marge.
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