Der Softwarekonzern zahlt dafür mehr als eine Milliarde Euro, davon über 500 Millionen US-Dollar in bar, verteilt auf eine Investition von vier Jahren. Prior Labs soll dabei als eigenständige Einheit weiterarbeiten. Die EU-Kommission stellte parallel ihr Kartellverfahren gegen den Deal ein – ohne Bußgeld, allerdings verpflichtet sich SAP zu Auflagen. Der Zukauf reiht sich in eine Serie von KI-Investitionen ein, zuvor hatte SAP bereits das Datenunternehmen Dremio übernommen.
Prior Labs und die KI-Strategie
Prior Labs wurde 2024 gegründet und bringt mit der TabPFN-Technologie ein Verfahren zur Verarbeitung strukturierter Daten mit. Für SAP passt der Zukauf in die Erzählung, mit der Konzernchef Klein die Aktie derzeit zu stützen versucht: KI als Chance statt als Bedrohung. Laut der WirtschaftsWoche nutzen 99 der 100 größten Unternehmen weltweit SAP-Software – eine Basis, auf der sich die neuen KI-Werkzeuge ausrollen lassen sollen. Der Markt reagierte auf den Abschluss der Transaktion zunächst verhalten, die Aufmerksamkeit richtet sich bereits auf den nächsten Termin.
Analysten uneins über den fairen Wert
UBS senkte ihr Kursziel für SAP von 205 auf 164 Euro, bestätigte aber die Kaufempfehlung. Die Bank reagiert damit auf den massiven Kursverfall der vergangenen Monate, ohne die grundsätzliche Story infrage zu stellen. Insgesamt beobachten 24 Analysten den Titel, mit einem mittleren Kursziel von 202 Euro. Die Verteilung zeigt weiterhin überwiEgend positive Einschätzungen: 20 Kaufempfehlungen, zwei Overweight-Einstufungen, sechs Hold-Voten und ein Verkaufsrating stehen sich gegenüber. Zwischen dem aktuellen Kursniveau und den Zielmarken der Analysten klafft damit eine erhebliche Lücke, die Skepsis über die kurzfristige Kursentwicklung offenbart.
Quartalszahlen am 23. Juli im Fokus
Am Freitag schloss die SAP-Aktie bei 138,50 Euro, ein Minus von 1,81 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht damit ein Rückgang von 33,53 Prozent zu Buche – deutlich mehr als die Hälfte des Kursverlusts seit dem Allzeithoch von rund 284 Euro im Februar 2025, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Am 23. Juli 2026 legt SAP nun Zahlen zum zweiten Quartal vor. Erwartet wird ein Cloud-Umsatzwachstum von rund 22 Prozent. Zum Vergleich: Im ersten Quartal war der Umsatz währungsbereinigt um 12 Prozent gestiegen, das Cloud-Geschäft sogar um 27 Prozent, bei einem EBIT-Plus von 24 Prozent und einer Marge oberhalb von 30 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 gilt Marktbeobachtern zufolge als so günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr.
Risiken bleiben dennoch bestehen. Eine technische Analyse sieht ein Abwärtsrisiko bis in eine Spanne von 112 bis 138 Euro binnen vier Wochen, sollte sich der bestehende Abwärtstrend fortsetzen. Das Analysehaus Morningstar sieht dagegen Aufwärtspotenzial in der Aktie. Diese Spanne der Einschätzungen spiegelt die Unsicherheit wider, mit der der Markt vier Tage vor den Zahlen auf SAP blickt. Für Anleger dürfte entscheidend sein, ob das Cloud-Wachstum die Erwartungen trifft und ob sich die Margenentwicklung aus dem ersten Quartal fortsetzt – oder ob die Integration der jüngsten Zukäufe zunächst auf die Profitabilität drückt.
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